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Der Kongress

Im Film-Mekka Hollywood, wo Schönheit und Jugend dominieren, müssen gerade Schauspielerinnen oft die Erfahrung machen, dass sie jenseits der Vierzig immer schwerer an attraktive Rollen ran kommen. In seinem dystopischen Science Fiction Märchen „Der Kongress“ wählt der israelische Regisseur Ari Folmann genau diese Prämisse als Ausgangspunkt. Robin Wright (Robin Wright) sieht sich mit diesem Schicksal konfrontiert. Als sie dringend Geld benötigt für die Behandlung ihres kranken Sohnes Aaron (Kodi Smit-McPhee), erhält sie über ihren Agenten (Harvey Keitel) ein zweifelhaftes Angebot, das ihr das nötige Geld brächte, aber auch das endgültige Ende ihrer Schauspielkarriere bedeuten würde: Ein Studio-Verantwortlicher (Danny Huston) bietet ihr eine stattliche Summe, um im Gegenzug einen vollständigen Scan ihres Körpers und Geistes durchzuführen, auf dessen Grundlage eine digitale Kopie von Robins erzeugt wird, die in den Besitz des Studios übergeht, während sich die echte Robin Wright verpflichtet, fortan keine Rollen mehr anzunehmen. Zwanzig Jahre später ist die digitale Robin der Star einer oberflächlichen Actionserie, während die echte zu einem Kongress fährt, bei dem ein Medikament vorgestellt wird, das es ermöglicht, für immer in eine Traumwelt zu flüchten. Bereits mit seinem Erstling „Waltz with Bashir“ erregte der Regisseur viel Aufmerksamkeit, als er in dem ungewöhnlichen, aber sehenswert animierten Film eigene Kriegserfahrungen verarbeitete. Mit selbst Erlebtem hat „Der Kongress“ nun weniger zu tun. Lose basierend auf dem Roman „Der futuristische Kongress“ des erfolgreichen Autors Stanislav Lem („Solaris“) ist seine Interpretation des Stoffes vielmehr eine philosophische Reflexion über den freien Willen und menschliche Identität. Doch nicht nur auf der inhaltlichen Ebene ist der Film eine Herausforderung, auch visuell schafft er einen eigenen Kosmos. Was als Realfilm beginnt, wechselt nach der ersten Hälfte in einen visuell überbordenden Zeichentrickfilm, dessen halluzinatorischen Bilder nicht von ungefähr an einen LSD-Trip erinnern. Nicht immer leicht goutierbar aufgrund seiner Eigenwilligkeit, ist „Der Kongress“ nicht nur ein Film für die Sinne, sondern auch für Menschen, die Kino mit Anspruch mögen.

The Congress . USA 2013
REGIE: Ari Folman.
DARSTELLER: Robin Wright, Harvey Keitel, Danny Houston, Jon Hamm, Paul Giamatti.
LAUFZEIT: 109 Minuten.
START: 13. September 2013