Die Kunst des richtigen Planens

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oder Die unendliche Geschichte Wormser Baulust

Eine jüdische Weisheit besagt: „Baulust=Geldverlust“. In Worms ist diese Weisheit längst eine traurigen Realität gewichen. Jüngste Beispiele sind in diesem Zusammenhang das Parkhaus am Dom, sowie die Bushaltestelle Karlsplatz. Während sich beim Parkhaus der Rohbau um rund 580.000 Euro verteuern wird, mussten bei der Haltestelle am Eleonoren Gymnasium bauliche Korrekturen in Höhe 20.000 Euro vorgenommen werden. Was war geschehen?

Wie in der November-Ausgabe berichtet, wurde Ende Oktober 2016 nach rund eineinhalb Jahren Bauzeit der Straßenabschnitt Friedrich-Ebert-Straße, zwischen Bebelstraße und Brunhildenbrücke, freigegeben. Neben umfangreichen Kanal- und Kabelarbeiten wurde die Straße einem Asphaltlifting unterzogen, die Gehwege teilweise verbreitert und die Bushaltestelle am Karlsplatz neu angelegt. Statt der klassischen Haltestelle, bei der einfach ein Wartehäuschen und ein Busschild ausreichten, sollte es fortan eine Haltebucht geben, wie sie auch am Busbahnhof in der Innenstadt vorzufinden ist. Gegenüber der alten Haltestellte wurde diese deutlich in Richtung Lutherkirche vorverlegt. Prinzipiell ist die Einrichtung einer solchen durchaus sinnvoll. Gedacht sind die Buchten, um den fließenden Verkehr nicht zu behindern und damit Staus zu vermeiden. Im Falle der Haltebucht am Karlsplatz trat jedoch genau das Gegenteil ein. Seit der Eröffnung der Bucht klagten Fahrer darüber, dass diese für die längeren Gelenkbusse zu klein sei. Die Folge war, dass sie entweder gar nicht in die Bucht fuhren oder das Heck auf die Straße ragte, was wiederum für den fließenden Verkehr ein Hindernis darstellte. Nachdem etliche Beschwerden eintrafen und auch der Fahrgastbeirat sich mit dieser Sache beschäftigte, beschloss die Stadt, den Fehler zu korrigieren. Am 20. März rückte schließlich eine Baufirma an, um die Bucht zu verbreitern.

WIE KONNTE ES ZU DIESEM FEHLER KOMMEN?
Die Stadt zumindest weist jegliche Schuld von sich. Wie Pressesprecherin Angela Zimmermann erklärte, entspreche die verwendete Geometrie genau der am Bahnhof. Weiter erklärte Zimmermann im Auftrag von Baudezernent Uwe Franz (SPD): „Die längsverlaufende Straße mit Gegenbogen erschwert allerdings das Anfahren der Haltestelle mit Gelenkbussen, was dazu führt, dass die hintere Tür nicht parallel am Bordstein steht. Um das zu verbessern, haben wir beschlossen, den Bordstein an dieser Stelle zu begradigen“. Dass die baulichen Gegebenheiten komplett anders als am Busbahnhof sind, darauf hätte man allerdings schon vorher kommen können. Kostenpunkt des Fehlers, für den niemand verantwortlich sein will: 20.000 Euro. Immerhin werden generöserweise die Anlieger nicht mit den Kosten belastet, wie die Stadt mitteilen ließ, denn die würden ausschließlich von der Stadt getragen werden. Natürlich vergisst die Pressestelle hierbei, dass es keine selbstverdienten Gelder sind, die hier zusätzlich aufgebracht werden müssen, sondern Steuergelder. Matthias Englert (FWG) sieht dann auch die Planer in der Verantwortung: „Die Mehrkosten sind sofort dem verantwortlichen Planer, der das angerichtet hat, aufzuerlegen. Das ist grob fahrlässig, denn dass an einer Schule auch Gelenkbusse anhalten, weiß jeder.“ Englert moniert auch, dass man in die Planung die betroffenen Stellen, wie z.B. die Schule, nicht involvierte. Auch RegioBus, die derzeitigen Busbetreiber in Worms, wunderten sich, dass man sie im Vorfeld nicht eingebunden hat. Verärgert äußerte sich auch Stadtratsmitglied Raimund Sürder (CDU) über das mangelhafte Verantwortungsgefühl von Seiten der Stadt: „Die Aussagen der Offiziellen der Stadtverwaltung, sie sei unschuldig an den Falschplanungen an der Bushaltestelle an der Lutherkirche/Eleonoren Gymnasium, ist m.E. ungeheuerlich! Es gibt seit eh und je Bushaltestellen, auch solche mit Gelenkbussen, die an genannten Haltestelle nicht optional anfahren können“. Weiter erklärt er: „Wenn jetzt Herr Beigeordneter Uwe Franz mit seinem Bauamt erklären lässt, er habe keinen Fehler gemacht (und damit alles richtig gemacht), so macht mich das fassungslos: Fehler können gemacht werden, dann steht man dazu!“ Herr Sürder stellte zwischenzeitlich auch eine Anfrage an die Stadtverwaltung nach dem verantwortlichen Mitarbeiter. Ähnlich wie Englert sieht auch Sürder den Planer in der finanziellen Verantwortung für die entstandenen Zusatzkosten.

AUCH KOSTENSTEIGERUNG BEIM PARKHAUS AM DOM
Ebenfalls staunende Gesichter gab es im Stadtrat, als verkündet wurde, dass der Rohbau des Parkhauses in der Köhlstraße satte 580.000 Euro teurer als geplant werden würde. Der Grund: der günstigste Anbieter, der sich auf die Ausschreibung bewarb, ist ein Mannheimer Unternehmen, das die Arbeiten für 4,27 Millionen Euro erledigen will. Die Verwaltung hatte die Kosten mit 3,69 Millionen Euro kalkuliert. Richard Grünewald (Grüne) und Herr Sürder zeigten sich verwundert ob einer Kostensteigerung von 16%. Wie damals beim Bau des neuen Kultur- und Tagungszentrums liege die Verteuerung mal wieder an gestiegenen Stahlpreisen, sowie der Verwendung eines mobilen Krans statt eines stationären, so wie zunächst geplant. Uwe Franz versuchte die Gemüter zu beruhigen, in dem er erklärte, dass andere Gewerke, die an dem Parkhaus arbeiten, dafür günstiger ausfallen würden. Die geplanten Kosten von sieben Millionen Euro sollen nicht überschritten werden. Dennoch erklärte OB Kissel schon mal: „Abgerechnet wird zum Schluss…“