Die Ruhe vor dem Sturm

, , Kommentar schreiben

Aufführung des Theaterstücks „Rot“

19. Januar 2014 im
Das Wormser Theater:

Mark Rothko (1903 – 1970) war einer der bedeutendsten abstrakten Expressionisten. Dominique Horwitz (geb.1957) galt nach seiner Darstellung eines deutschen Soldaten in dem Epos „Stalingrad“ (1993) als einer der Shootingstars unter Deutschlands jungen Wilden. Rothko nahm sich 1970 das Leben, während es um Horwitz nach seinem Durchbruch im Laufe der Jahre deutlich ruhiger wurde.

Zwei Künstler mit zwei sehr unterschiedlichen Biografien und doch verbindet sie etwas. Dieses Bindeglied ist der erfolgreiche amerikanische Drehbuchautor John Logan, der mit Büchern zu den Filmen „Gladiator“, „Aviator“ und „Hugo Cabret“ jeweils Oscar-nominiert war. Fasziniert von dem streitbaren Charakter des großen Malers, schrieb Logan das Theaterstück „Rot“, mit dem er am Broadway große Erfolge feiern konnte. In der deutschen Fassung ist es nun Dominique Horwitz, der den depressiven Charakter mit Hang zu cholerischen Ausbrüchen auf der Bühne mimt und auch in Worms ein Gastspiel gab. Zigaretten rauchend saß der 56 jährige Horwitz schon wartend auf einem Stuhl, als die Zuschauer den großen Theatersaal betraten. Es war die Ruhe vor dem Sturm, denn so ruhig saß er in den nächsten 90 Minuten nie wieder. Aufhänger des Stücks war der hochdotierte Auftrag, 1958 für das berühmte New Yorker Restaurant „Vier Jahreszeiten“ einen Zyklus von Wandbildern zu malen. Für diesen Auftrag engagierte der Künstler einen Assistenten (Benno Lehmann). Anfangs unsicher, fast unterwürfig, beginnt Ken, sich im Laufe der Zeit zu emanzipieren, sieht sich aber immer wieder mit unkontrollierten Wutausbrüchen und vor allem mit Rothkos absoluten Anspruch an dessen Kunst konfrontiert. Am Ende des Stücks entzweien sich beide, allerdings haben beide gelernt, Respekt für einander zu empfinden. Bis es so weit war, war es allerdings für den Zuschauer ein anstrengender Weg. Logans philosophische Meister-Schüler-Konfrontation war über weite Strecken zu hektisch, gelegentlich sogar etwas hysterisch, um das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Gerade durch das hohe Tempo fiel es einem schwer, dem wortgewaltigen Text zu folgen. Da wurde gestritten, gesoffen, gerannt und geschlagen und doch fragte man sich bei all dem Aktionismus auf der Bühne: warum? Zwar spielte Horwitz den von Selbstzweifeln und vom absoluten Anspruch an sich selbst getriebenen Maler kraftvoll, doch leider schaffte er es nicht durchgehend, eine emotionale Verbindung zum Publikum aufzubauen. Etwas fehlbesetzt wirkte Benno Lehmann als sein Gegenpart, der leider nicht über das nötige handwerkliche Rüstzeug als Schauspieler verfügte, um Horwitz etwas entgegensetzen zu können und über weite Strecken wie ein Stichwortgeber wirkte. Die schlechte Akustik und gelegentlich unsauber gesprochene Dialoge schmälerten zusätzlich den Unterhaltungswert des Stücks. Nichtsdestotrotz muss man den Programmgestaltern des Wormser Theaters Respekt zollen, für den mutigen Schritt, ein Stück – deutlich abseits des Mainstreams oder der 320. Aufführung der“ Langen Nacht der Musicals“ – auf die Bühne zu hieven.

FAZIT: Anspruchsvolles Stück, das unter einer unausgewogenen Regie (Thorsten Fischer) und einem überforderten Jungschauspieler litt. Letztlich war es Dominique Horwitz allein, der dem Stück mit einer kraftvollen Performance einen gewissen Unterhaltungswert verpasste.