Die skurrile Welt des Dr. Faust

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Figurentheater Manfred Künster mit der Inszenierung „Faust – Eine Kriminalgeschichte“

11. September 2018 | Lincoln Theater Worms:

Goethes „Faust“ als Krimi? Warum nicht! Erzählt in Form eines Figurentheaters? Kann man machen! Und alles von einer Person gespielt? Klingt unwahrscheinlich, passierte aber so im Lincoln Theater. Dort gastierte das Ein-Personen-Ensemble Manfred Künster aus Mayen mit seinem Figurentheater.

Wahrscheinlich ist der Mann in der deutschen Theaterszene ein echtes Unikat. Seit rund 26 Jahren ist der Künstler auf europäischen Bühnen unterwegs, um fast schon missionarisch den Zuschauern beizubringen, dass Figurentheater kein Puppentheater ist und er auch in der Lage ist, ernsthafte Stücke mit Puppen für ein erwachsenes Publikum zu inszenieren. Wobei man hier durchaus ein paar Abstriche machen muss. Keine Frage, Manfred Künster ist ein Ausnahmekünstler, das bewies er in Worms bei seiner Aufführung von Johann Wolfgang von Goethes unsterblichen Klassiker „Faust“. Künster spielte nicht nur alle Puppen, sondern integrierte sich als Kommissar Leverkühn selbst als Darsteller in das Stück. Mutig konstruierte er aus der Tragödie einen Krimi. Das Verbrechen, das den Rahmen hierzu gab, war der Mord an einer Frau Brandt, im Original Gretchens namenlose Mutter. Ist diese Klammer erst mal gesetzt, erzählt Künster in strammen 90 Minuten die bekannte „Faust“ Geschichte. Der Gelehrte Dr. Faust, der sich gerade in einer Midlife Crisis befindet, lernt Mephisto kennen, der zeigt diesem, dass es noch mehr Reize und Herausforderungen im Leben gibt, das führt wiederum zu Begehrlichkeiten und letzten Endes ins Verderben. Das alles erzählt und spielt Künster in einem unglaublich hohen Tempo, sodass es schon von Vorteil ist, das Original zu kennen. In Künsters „Faust“ wird allerdings auch mehr als einmal die Grenze zum Skurrilen deutlich überschritten. Polizeiautos mit Sirenen, düsenbetriebene Hexenbesen gehören genauso selbstverständlich zum bunten Repertoire wie spontane Musicaleinlagen.

Fazit: Jedes Element für sich genommen, war an diesem Abend große Kunst. Alles zusammen wirkte indes wie ein Cocktail, der zwar bunt daherkam, aber letztlich etwas überladen schmeckte.