E-Mail vom lieben Gott

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Bei „Haus am Dom“ droht Fegefeuer

Autor: Bert Bims

Kurz vor Redaktionsschluss erreichte uns eine E-Mail mit brisantem Inhalt und noch viel brisanterem Absender: dem lieben Gott höchstpersönlich. Aus Diskretionsgründen werden wir nur einzelne Auszüge aus Gottes Mail abdrucken, in der Hoffnung, dass die Verantwortlichen für den Neubau eines „Haus am Dom“ ihr Handeln noch einmal überdenken. Falls nicht, droht die Hölle. Und das kann nun wirklich niemand wollen.

Selbstverständlich genießt auch bei unserem Magazin der Informanten-Schutz oberste Priorität, so dass wir die Mail von Gott, der mitunter auch Tarn-Namen wie Allmächtiger, Schöpfer oder Jehova benutzt, auf keinen Fall der Öffentlichkeit zugänglich machen können. Wir haben jedoch redaktionsintern lange diskutiert und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir die in Gottes Mail enthaltenen Informationen und Empfehlungen der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen müssen. Dieses Material ist so heiß und die Auswirkungen könnten für einige Verantwortliche noch viel heißer werden (Stichwort: Fegefeuer!), so dass wir gar nicht anders können. Wenn Gott uns etwas sagt, müssen wir das doch niederschreiben. Wie sonst kann die Bibel entstanden sein? Da „er“ außerdem in seiner Mail jede Menge Bibelzitate eingebaut hat, liegt mehr als nur die Vermutung nahe, dass es sich um den gleichen Gott handelt, der sich auch für den Inhalt des „Buches der Bücher“ verantwortlich zeichnet.

Seine Mailadresse „der_liebe_gott@googlemail.com“ lässt ebenso keine Zweifel an der Echtheit wie die Signatur (die Nachricht schloss mit: MFG, der liebe Gott). Diese haben wir von Historikern mit alten Aufzeichnungen vergleichen lassen, die bestätigen, dass es tatsächlich der Wahrhaftige war, der mit unserem kleinen Stadtmagazin Kontakt aufgenommen hat, um seinen Unmut über das „Zubauen einer meiner Lieblingsimmobilien“ zum Ausdruck zu bringen. In der Mail vom 24.01.2015 schlägt sich der betont cool präsentierende Gott (als Begrüßung wählte er: „Yola, ihr Swagger, hier spricht der Babo“) auf die Seite der Gegner dieses Standortes und liefert gleich noch eine banale Begründung für seine Ablehnung mit: „…weil’s einfach kacke aussieht…“. Wer bisher gedacht hätte, dass Gott, der im islamischen Bereich auch als „Allah“ auftritt, aufgrund seines hohen Alters eher konservativ eingestellt ist, wird überrascht sein, wie hipp der Allmächtige tatsächlich ist. Erst als wir ihn, nach wiederholtem Mailkontakt, um ein aktuelles Foto baten, wurde Gott kurzzeitig etwas strenger und berief sich auf den Grundsatz „Du sollst dir kein Selfie von Gott machen“.

Um sein Anliegen zu unterstreichen, dass der Baubeginn des Neubaus am Dom unverzüglich gestoppt werden möge, legte Gott ein PDF-Dokument mit einer Liste von prominenten einheimischen Persönlichkeiten bei, die sich in den letzten 100 Jahren im Schatten des Wormser Domes geliebt haben. Darunter befinden sich auch einige hochrangige Personen aus dem Stadtrat. Gott hat uns gebeten, diese Liste zu veröffentlichen, sobald der erste Spatenstich erfolgt ist. Für die Zukunft sieht Jehova sowieso schwarz, denn wenn der Klotz an diesem Standort erst mal stehe, würde sich doch kein Wormser mehr dort lieben. „Und ein bisschen Spaß – in dieser gewiss nicht friedlichen Welt – sollte doch auch dem Schöpfer des kompletten Universums gegönnt werden“ fordert Gott abschließend und hat damit natürlich vollkommen recht. Trotz versöhnlicher Worte zum Abschluss schloss der liebe Gott seine Mail mit der unmissverständlichen Warnung an alle, die das Bauprojekt aktiv (z.B. der Vorstand der Domgemeinde) oder passiv (z.B. die Mehrzahl der Stadtratsmitglieder) unterstützen: „Dafür sollt ihr in der Hölle schmoren….“


WO! meint: Jetzt müssen einige Damen und Herren der Schöpfung aber mal ganz schnell zur Beichte, sonst wird es richtig heiß, wenn der Sensenmann kommt.