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Ein Stelldichein der Superstars: So war der Konzertsommer 2025

Bruce Springsteen and the E-Street Band in Frankfurt

Im Jahr 2025 erlebte Deutschland ei-nen Konzertsommer der Superlative. Trotz mitunter gesalzener Eintritts-preise boomten Open-Air-Konzerte großer Künstler wie selten zuvor. Alleine in Frankfurt waren in diesem Sommer im Wochentakt Weltstars zu Gast. Mit mehr als 600.000 verkauften Tickets für die 16 Konzerte im Deutsche Bank Park belegte Frankfurt europaweit Platz drei und musste sich nur Paris und Mailand geschlagen geben. Überstrahlt wurden all diese Konzerte von dem triumphalen Comeback einer Band, die zwar im letzten Jahr auf großer Welttour war, aber kein einziges Mal in Deutschland aufgetreten ist.

ALTE RECKEN

Während im Jahr 2025 auch „jüngere“ Stars wie KENDRICK LAMAR oder IMAGINE DRAGONS im Frankfurter Deutsche Bank Park auftraten, so wa-ren es doch in erster Linie Altstars, die das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinrissen. Wie BRUCE SPRINGSTEEN am 18.06.25 mit einem mit-reißenden Auftritt in Frankfurt. Wie auch in Berlin und Gelsenkirchen war der Boss diesmal politischer denn je und attackierte den US-Präsidenten auf offener Bühne mehrfach verbal, ohne auch nur einmal den Namen „Donald Trump“ auszusprechen. Der feuerte via Social Media zurück, Springsteen habe kein Talent und sehe aus wie eine „vertrocknete Pflaume“. Springsteen dürfte das egal gewesen sein, denn als er seine „Land of hope and dreams“ Tour Anfang Juli mit einem Konzert in Mailand beendete, konnte er auf seine bisher umsatzstärkste Tour zurückblicken, für die insgesamt 4,9 Millionen Tickets verkauft wurden (Schnitt pro Konzert: 37.900 Besucher, 5,7 Millionen Dollar Umsatz). Seine Tour, die sich von 2023 bis 2025 über insgesamt 129 Shows erstreckte, brachte laut „Billboard“ ca. 730 Millionen Dollar ein und reihte sich somit ein in die zehn umsatzstärksten Tourneen aller Zeiten, wo außer BRUCE SPRINGSTEEN noch Taylor Swift, U2, Coldplay und Ed Sheeran zu finden sind.

Genauso wie Springsteen gehören auch AC/DC zum alten Eisen und sind ebenfalls immer irgendwo auf der Welt gerade auf Tour. Im Jahr 2025 führte sie ihre „Power up“ Tour in drei deut-sche Städte: Berlin, Düsseldorf und Karlsruhe. Böse Zungen behaupten: Wer ein Lied von AC/DC gehört hat, hat alle gehört. Ähnliches gilt auch für die Konzerte, die schon seit Jahrzehnten einem ähnlichen Ablauf folgen. Trotzdem zogen die Australier auch im abgelaufenen Jahr die Massen an, lieferte doch die Show mit Brian Johnson und Angus Young die gewohnte Power. Neben einer beeindruckenden Bühnenshow mit ganz viel Pyroein-satz gab es vor allem eine Setliste, die mit großen Hits nur so gespickt war. Klassiker wie „Back in Black“, „Hells Bells“, „You Shook Me All Night Long“, „Whole Lotta Rosie“ und „Let There Be Rock“, mit einer Zugabe aus „T.N.T.“ und „For Those About to Rock“, versetzten das Publikum in Ekstase. Mit den SCORPIONS feierten echte Hardrock Legenden ihr 60-jähriges Bestehen mit einem ausverkauften Jubiläumskonzert vor 45.000 Besuchern in ihrer Heimatstadt Hannover am 05.07.25 in der Heinz von Heiden Arena. Dieses spezielle Heimspiel-Konzert, das als „Coming Home“ bezeichnet wurde, wurde anschließend als Live-Album veröffentlicht. Die Kritiken zu dem einzigen Deutschland-Konzert der SCORPIONS im letzten Jahr fielen überwiegend positiv aus. Und so begeisterten im Konzertsommer 2025 vor allem die alten Recken wie Brian Johnson (78), Klaus Meine (78) oder Bruce Springsteen (76), die sich allesamt stamm auf die 80 zubewegen.

WIEDERVEREINIGUNGEN

Während jedoch AC/DC auf Dutzende Klassiker aus mehr als fünf Jahrzehnten zurückgreifen können, waren es bei GUNS‘N ROSES insgesamt nur fünf Platten, mit denen sie heute noch ihre Setlisten füllen. Ihr Frontmann Axl Rose war 2016 vorüberge-hend als Sänger von AC/DC eingesprungen, weil Brian Johnson wegen Hörproblemen ausfiel. Im selben Jahr feierten auch GUNS’N’ROSES nach turbulenten Jahren eine große Wiedervereinigung und sind seitdem live präsent. Im Jahr 2025 führte sie ihr Weg nach München, Düsseldorf und aufs Wacken-Festival. Die wilden Zeiten, als ein völlig indisponierter Sänger ganze Shows platzen ließ, sind glücklicherweise vorbei. Das soll aber nicht heißen, dass Axl Rose nicht auch auf der aktuellen Tour des Öfteren gesanglich indisponiert war. Am 31.07.25 traten GUNS’N’ROSES zum ersten Mal beim Wacken Open Air auf und spielten das längste Konzert in der Geschichte des Festivals. Der Auftritt rief im Publikum gemischte Reaktionen hervor, auch die Resonanz zu den anderen Konzerten fiel eher verhalten aus. Genauso erhielten die Konzerte der wiedervereinigten LINKIN PARK eher zwiespältige Kritiken. Die ersten Auftritte mit der neuen Frontfrau Emily Armstrong markierten einen Neuanfang nach dem tragischen Freitod von Chester Bennington im Jahr 2017. Während die einen den Coup feierten, fortan mit einer Sängerin zu agieren, vermissten andere den ehemaligen Frontmann. Am 8. und 9. Juli 2025 spielten LINKIN PARK auf ih-rer „From Zero World Tour“ auch zwei ausverkaufte Konzerte im Frankfurter Deutsche Bank Park und sind 2026 einer der Headliner bei „Rock am Ring“.

EVERYBODYS DARLING

Der britische Superstar ED SHEERAN, der längst ganze Stadien füllt, schaute im Sommer 2025 für vier Open Airs in Deutschland vorbei. Neben Hamburg und Düsseldorf stand auch zweimal die MHP Arena in Stuttgart auf dem Plan. Mit einem emotionalen Konzert, in dem sich ein Hit an den anderen reihte, begeisterte der Brite die Besucher. Vor allem schaffte es ED SHEERAN, selbst in Arenen für die größtmögliche Publikumsnähe zu sorgen. Das gilt auch für einen weiteren britischen Superstar. ROBBIE WILLIAMS besuchte in diesem Sommer Gelsenkirchen, Hannover, Leipzig, Berlin (2 x), München und zu gu-ter Letzt auch am 10.08.25 den Deutsche Bank Park in Frankfurt. Auch Williams versteht es, mit einer Ballade mal eben 40.000 Menschen gleichzeitig zu umarmen – oder ihnen zumindest das Gefühl zu geben. Vor allem aber bewies er von „Let me entertain you“ bis zur letzten Zugabe „Angels“ einmal mehr, welch großartiger Entertainer er ist. Allerdings galt auch für den mittlerweile ergrauten, vierfachen Familienvater, dass kaum neues Material auf der „Brit-Pop Tour“ gespielt wurde und es die seit drei Jahrzehnten gehörten Klassiker waren, die das Publikum ausflippen ließen. Im Jahr 2026 kommt ROBBIE WILLIAMS für seine beiden einzigen Deutschland-Konzerte nach Düs-seldorf (5. &. 6 Juni 2026).

MIT ALTEN KLASSIKERN AUF TOUR

Auf ihrer „Run For Your Lives World Tour“ mit 28 Stadionshows in ganz Euro-pa schauten IRON MAIDEN gleich sechs Mal in Deutschland vorbei. Neben Gelsenkirchen, Bremen, Stuttgart und Berlin (2x) war auch Frankfurt Station der Metal-Legenden. Die Tournee markierte das 50-jährige Bestehen der von Steve Harris 1975 gegründeten Band. Um dies zu feiern, wurde den Maiden-Fans eine aufwändige Show mit einer ganz besonderen Setlist versprochen, die sich über die neun Studioalben von „Iron Maiden“ bis „Fear of the Dark“ erstreckte. Geboten bekamen die Fans eine gewohnt spektakuläre Show, mit einer Setlist, bei der die alten Fans mit der Zunge schnalzten. Tatsächlich sollte „Fear of the Dark“ aus dem Jahr 1992 der jüngste Song auf der Liste sein. Ansonsten gab es nur geilen alten Scheiß aus den besten Maiden Jahren auf die Ohren. Apropos geiler alter Scheiß. Zwar feiert die Kölner Combo BAP erst 2026 ihr fünfzigjähriges Jubiläum, aber war trotzdem im letzten Jahr bereits auf Tour mit alten Klassikern. Die letzten Ausläufer der 2024 begonnenen „Zeitreise“ Tour führten die Band um Frontmann Wolfgang Niedecken im letzten Sommer zu zahlreichen gut besuchten Open Airs.

In unserer Region spielten BAP u.a. in Mainz beim „Summer in the City“ oder im saarländischen Sankt Wendel. Zum ersten Mal in der Bandgeschichte führte der Weg von BAP auch zum legendären Wacken-Festival, wo die Band am 31.07.25 einen vielbeachteten Auftritt hinlegte. Das Konzept der „Zeitreise“-Tour beinhaltete nur Songs, die mindestens 40 Jahre auf dem Buckel hatten und damit genau in die kommerziell erfolgreichste Zeit von BAP fielen. Es war also viel Nostalgie angesagt, die auch 2026 anhalten wird, wenn im Rahmen des Jubiläums „50 Jahre – Die Zielgerade“ u.a. Konzerte in der Mannheimer SAP-Arena (12.12.26) und in der Frankfurter Festhalle (06.12.26) auf dem Plan stehen. Auch PETER MAFFAY, der mit seinen Farewell-Stadion-Konzerten im Jahr 2024 seine letzte große zusammenhängende Tournee gespielt hat, kehrte schon 2025 für einige Open Airs zurück und spielte u.a. zwei Mal im Rahmen seiner „Love Places“ Tour auf der Freilichtbühne Loreley. Zwar liegt die letzte Studioplatte „So weit“ schon vier Jahre zurück, aber wer auf das Material aus 21 Nummer-eins-Alben aus mehr als fünf Jahrzehnten zurückgreifen kann, füllt auch weiterhin zuverlässig die Open Air Venues in Deutschland. Im Jahr 2026 kommt Maffay zu Freiluftkonzerten nach Bad Segeberg (2x), Fulda (2x), Bietigheim, Rosenheim und Regensburg, die allesamt bereits ausverkauft sind.

DER TRIUMPHZUG

Und dann gab es im Jahr 2025 eine Band, deren fast nicht mehr für möglich gehaltenes Comeback alle anderen Musikereignisse überstrahlte. Erst gab es einen sensationellen Run auf die Karten von OASIS, die anschließend bei den Konzerten von ihren Fans wie Götter gefeiert wurden. Wenn die ewig zerstrit-tenen Gallagher-Brüder Hand in Hand auf die Bühne schritten, um mit „Hello“ (It’s good to be back) ihre Rückkehr zu zelebrieren, gab es im Publikum kein Halten mehr. Bei zeitlosen Klassikern wie „Wonderwall“, „Live Forever“ oder „Champagne Supernova“ konnte man für zwei Stunden vergessen, wie beschissen die Welt um einen herum ist. Livevideos bei Youtube zeugen von unfassbaren Szenen, wenn 80.000 Menschen Arm in Arm zu „Cigarettes and Alcohol“ hüpften oder mit unbändiger Energie gemeinsam „Don’t look back in anger“ anstimmten. Auch wenn OASIS auf ihrer Comeback-Tour 2025 kein einziges Open Air in Deutschland eingeplant hatten, wurde weltweit keiner mehr gefeiert wie die Gallagher Brüder. In einer Zeit, in der Kriege, politische Auseinandersetzungen und Unsicherheit die Welt bestimmen, wirkten OASIS wie Botschafter aus den Neunzigern, in denen auch nicht alles besser war als heute. Aber die Zeit war auf jeden Fall deutlich unbeschwerter. When we were young… (der Song ist allerdings von „The Killers“…).

Text: Frank Fischer Foto: Josef Knorr