Erinnerungen an die Schrecken der Reichspogromnacht

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„Ich bin froh, dass Du schon tot bist, Vater!“ Gedichte. Texte. Musik.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten die Synagogen. Sie brannten in Deutschland. Sie brannten in Österreich. Sie brannten in der Tschechoslowakei. Der 9. November ist der Tag, an dem organisierte Schlägertrupps jüdische Geschäfte und Gotteshäuser in Brand setzten. Es ist der Tag, an dem tausende Juden misshandelt, verhaftet oder getötet wurden. Spätestens an diesem Tag konnte jeder in Deutschland sehen, dass Antisemitismus und Rassismus bis hin zum Mord staatsoffiziell geworden waren. Diese Nacht war das offizielle Signal zum größten Völkermord in der Geschichte der Menschheit.

„Ich bin froh, dass Du schon tot bist, Vater“. Unter dieser Überschrift erinnern Wormser Künstler an die schrecklichen Ereignisse der „Reichspogromnacht“ am 9.11.1938, die wegen der überall vor den zerstörten Wohnungen, Läden, Büros, Synagogen und öffentlichen jüdischen Einrichtungen verstreuten Glasscherben verharmlosend auch „Reichskristallnacht“ genannt wird.

Dr. Jörg Koch beschreibt, was während dieser Tage in Worms geschah. Walter Passian, Kira Ozaine und Karl-Heinz Deichelmann rezitieren dazu bewegende Gedichte von Theodor Kramer, Gertrud Kolmar und anderen Dichtern. Martin Albrecht wird die Veranstaltung mit ergreifender Klezmermusik und Stücken von Michael Tippett und Olivier Messiaen begleiten.

Die von Karl-Heinz Deichelmann initiierte und gemeinsam mit Dr. Jörg Koch organisierte Veranstaltungsreihe im Heylshof verbindet – wie schon im Rahmen der Matinée, die im Mai dieses Jahres an den 80. Jahrestag der Bücherverbrennung erinnerte – auch dieses Mal Gedichte der Zeit mit lokalhistorischen Schilderungen und eindringlicher Musik. Im Mittelpunkt der Gedichte und der Musik stehen die Angst, die Ungewissheit und das Entsetzen jener Tage. Die Schilderung der lokalen Ereignisse erinnert auf beklemmende Weise daran, was in Worms passiert ist. „Wer läutet draußen an der Tür?“ fragt Theodor Kramer in einem seiner Gedichte. Wir wissen es und sollten uns immer daran erinnern.

Die vom Förderkreis Museum Heylshof in Kooperation mit dem Nibelungenmuseum ausgerichtete und vom EWR, der Sparkasse Worms-Alzey-Ried und der Stadt Worms unterstützte Veranstaltung findet am 10.11.2013 um 17.00 Uhr im Museum Heylshof, Stephansgasse 9 in Worms statt. Der Eintritt beträgt 5 € (3 € ermäßigt). Karten sind erhältlich an der Abendkasse sowie im Vorverkauf bei Bücher Bessler, der Kunsthandlung Steuer und im Museum Heylshof.