Götter und andere Idioten

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Die VHS Theaterwerkstatt Aufführung „Der Ring des Nibelungen“

17. April 2016
Lincoln Theater in Worms:

Es ist schon ein ganz schöner Brocken, den der Komponist Richard Wagner von 1848 bis 1874 zusammen komponierte. Immerhin dauert die Komplettfassung des epochalen Werkes „Der Ring des Nibelungen“ 16 Stunden. Die VHS Theaterwerkstatt zeigte aber in ihrer jüngsten Inszenierung, dass man dieses Mammutwerk auf knapp zwei Stunden verkürzen kann.

Natürlich musste Wagners Werk ordentlich Federn lassen. Was vom wuchtigen Körper des ambitionierten Opus übrig blieb, ähnelte dabei gar nicht mal so wenig Tolkiens „Herr der Ringe“ mit einer gehörigen Portion Seifenoper. Ersonnen wurde diese Fassung, die einen bewundernswerten Mut zur Lücke aufzeigt, von den beiden Autoren Alexander Liegl und Gabriele Rothmüller. Die Geschichte ist so simpel wie effektiv. Waldschrat Alberich beschließt, den drei Rheinköniginnen das Rheingold zu stehlen. Aus dem Schatz schmiedet er einen Ring, der die Macht besitzt, alles zu beherrschen. Göttervater Wotan wiederum hat ein Problem, seine Prachtfestung zu zahlen, also raubt er Alberich diesen sagenumwobenen Ring. Es beginnt eine muntere Jagd nach dem Ring und das Unheil nimmt ungebremst seinen Lauf. Wotan zeugt Siegesmund und Sieglinde, die wiederum Siegfried zeugen. Die Sache mit der Inzucht erklärt dann auch, warum Siegfried stets die Schwelle zum grenzdebilen Nullraffer überschreitet und wie eine obskure Mischung aus Oliver Geissen und Donald Trump aussah. Um das Chaos zu perfektionieren, hatte der Schwerenöter auch noch Brunhild gezeugt, in die sich wiederum Siegfried verliebt. Bruni im lockeren Jogger findet indes das alles ziemlich nervig. Es ist die schiere Grenzenlosigkeit der Fantasie und der Respektlosigkeiten, mit denen sich die Theatergruppe in die Herzen der Zuschauer spielte und Hagen alias Tronja von Hagen bekam endlich seine/ihre wohlverdiente Darth Vader Maske.

Fazit: Es ist möglich, ein megalomanisches Stück wie Wagners „Der Ring des Nibelungen“ auf eine für Zuschauer erträgliche Laufzeit zu kürzen. Und das Beste daran, im Gegensatz zur staubtrockenen Ernsthaftigkeit des Bayuvaren durfte hier ordentlich abgelacht werden.