Im Dreck gewühlt – Pfarrer Fritz Delp geht in den Ruhestand

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Eine Pressemitteilung der Evangelischen Kirche Hessen - Nassau:

Von Lampertheim über Griechenland und Spanien zurück nach Worms. Fritz Delp war in seinem Leben schon an vielen Orten tätig und doch ist die nächste Station Neuland für den 65-Jährigen: Am 1. August wird der langjährige Pfarrer der evangelischen Luthergemeinde pensioniert.

Gleich zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn zog es Fritz Delp ins Ausland. Nach dem Theologiestudium in Heidelberg verbrachte er ein Jahr in Athen, wo er sich unter anderem um deutsche Strafgefangene in griechischen Gefängnissen kümmerte. Auch bot sich dort die Gelegenheit, seinem Interesse für die Ökumene nachzugehen und sich etwa intensiv mit der griechisch-orthodoxen Kirche auseinanderzusetzen. Zurück in Deutschland trat er eine Stelle als Gemeindepfarrer zweier Landgemeinden in Oberhessen an. Auch in Hainchen und Langenbergheim engagierte sich Delp für die Ökumene und knüpfte Kontakte weit über die Gemeinden hinaus, zu Waldensern, Herrnhutern und einigen Kirchen Mittelamerikas.

Nach achtzehn Jahren in Oberhessen, die beiden Kinder waren inzwischen erwachsen, verließ Delp Oberhessen und zog als Auslandspfarrer gemeinsam mit seiner Frau für acht Jahre an die Costa Blanca. Wie bereits in Griechenland nahm sich Delp auch in Spanien der seelsorgerischen Betreuung deutscher Strafgefangener an. Über seine Motivation für diese besondere Aufgabe sagt er: „Mir war es schon immer ein wesentliches Anliegen, die Menschen im Blick zu behalten, die über keine Lobby verfügen, und gerade denen Zuwendung und Nähe zu signalisieren, die am Rand stehen. Dazu muss man bereit sein, auch in den Dreck zu gehen, sich im wörtlichen Sinn die Hände schmutzig zu machen. Die Gefängnisseelsorge war dabei ein wichtiger Teil meiner Arbeit in den deutschen Auslandsgemeinden.“

In den Gefängnissen in Griechenland und Spanien lernte Delp Menschen kennen, die keinerlei Kontakte zu Angehörigen oder Freunden hatten und zum Teil auch durch die konsularischen Behörden nicht betreut wurden. „Sie waren weggesperrt und damit war dem gesellschaftlichen Verlangen nach Sühne genüge getan. Niemand wollte sich mehr kümmern. Für manche war ich der erste Besuch seit Jahren. Durch diese extreme Ausnahmesituation waren die Begegnungen mit den Strafgefangenen sehr intensiv und sehr ehrlich. Besonders bedrückend empfand ich in diesem Zusammenhang die Besuche in der Gefängnispsychiatrie mit Behandlungsmethoden, die aus einer anderen Zeit zu stammen schienen“, erinnert sich Delp.

Der Widerstand gegen rechtsextreme Bewegungen scheint dem Neffen des Jesuitenpaters Alfred Delp, Mitglied des Kreisauer Kreises und 1945 von den Nationalsozialisten in Berlin-Plötzensee hingerichtet, in die Wiege gelegt. Während seiner elfjährigen Tätigkeit als Pfarrer der Wormser Luthergemeinde stand er stets in der ersten Reihe, wenn es darum ging, Aktionen aus dem rechten Milieu entgegenzutreten. Viele Wormser werden sich noch gut an das Glockenläuten gegen Nazis erinnern: Vor wenigen Jahren sollte auf dem Karlsplatz vor der Lutherkirche eine Kundgebung der NPD stattfinden, die Delp kurzerhand mit lang andauerndem Geläut der Lutherkirche übertönte. Auch das politische Krippenspiel auf dem Wormser Weihnachtsmarkt hat Tradition, organisiert vom Runden Tisch gegen Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus der Wormser Luthergemeinde, ins Leben gerufen von Fritz Delp. „Neben seinem stets intensiven Engagement im sozialethisch-politischen Bereich, war er ebenso sehr ein zugewandter Seelsorger und engagierter Prediger“, so der Wormser Dekan Harald Storch über Pfarrer Delp.

Darüber hinaus engagiert sich der Pfarrer seit über zwanzig Jahren für die deutsch-polnische Verständigung. 1997 arbeitete er bei dem Ausstellungsprojekt der Gedenkstättenkommission der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung mit, in dessen Rahmen unter anderem eine internationale Jugendbegegnungsstätte und eine Dauerausstellung in der Gedenkstätte verwirklicht wurden. Beauftragt vom Amt für Mission und Ökumene (Europareferat) der EKHN organisierte er später zahlreiche Gemeindefahrten nach Kreisau (Krzy?owa) und war vier Jahre lang Mitglied im Stiftungsrat der Stiftung Kreisau für europäische Verständigung. Als Vorstand der Forschungsgemeinschaft 20. Juli 1944 organisierte Delp bereits zahlreiche Tagungen in der Gedenkstätte und hält damit die Erinnerung an seinen berühmten Onkel und die Widerstandskämpfer des Kreisauer Kreises wach.

Das vielfältige Engagement von Fritz Delp war in den vergangenen Jahren eingebettet in die Gemeindearbeit an der Lutherkirche. Die Luthergemeinde beschreibt Delp als offen, anteilnehmend und wissbegierig. „In der Zeit in Worms fühlte ich mich in allem meinem Tun unterstützt und getragen durch die Gemeinde und den Kirchenvorstand. Dafür bin ich sehr dankbar, denn nur deswegen konnte ich mein Engagement für die Ökumene, die mir ein Herzensanliegen ist, für die deutsch-polnische Begegnung, die leider etwas zu kurz kam, und für den Einsatz gegen Nazis alter oder neuer Couleur so intensiv angehen.“ Zwar soll der gemeinsame Standort des Ehepaars Delp weiterhin Worms bleiben, doch auch längere Aufenthalte an anderen Orten sind denkbar, verrät der Pfarrer, denn Delp möchte sich auch in Zukunft für die Themen engagieren, die ihn schon seit so vielen Jahren beschäftigen.