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Mehr als nur ein Freizeitsport

Einweihung der Lehrschwimmhalle des 1. Wormser Schwimmclub Poseidon

Nach noch nicht einmal zwei Jahren Bauzeit ist es soweit und in den ersten Tagen des Septembers können junge Wormser Mädchen und Jungen wieder ganzjährig Schwimmen lernen. Wo? Auf dem Gelände des 1. Wormser Schwimmclubs Poseidon. Denn dort hat der Verein Mitte August eine Lehrschwimmhalle eingeweiht, die ab September Wormser Schulen zur Verfügung steht.

Schwimmen, das ist für den Verein natürlich eine Herzensangelegenheit. Zugleich ist Schwimmen für die Poseidon Mitglieder mehr als nur ein abkühlender Freizeitspaß bei heißen Temperaturen. Vielmehr ist Schwimmen für den Verein Daseinsvorsorge im Sinne von Gesundheit, Koordination und Spaß. Anlässlich der Einweihung, deren offizielles Programm auf der Terrasse des auf dem Vereinsgelände befindlichen Lokals „Zum Poseidon“ stattfand, erklärte Bürgermeisterin Stephanie Lohr: „Jedes dritte Kind kann heute nach der Grundschulzeit nicht schwimmen. Und jedes fünfte nicht richtig“. Innenminister Michael Ebling, der das Land Rheinland-Pfalz an diesem Tag vertrat, verwies darauf, dass Schwimmen kein ,nice to have’ sei und ergänzte: „Es ist wichtig, dass wir gut im Sprechen, im Lesen, im Schreiben und in Mathe sind. Aber auch Schwimmen gehört dazu, wir lesen ja, dass immer mehr Menschen verunglücken.“

Die initiale Idee zu dem ehrgeizigen Vorhaben entstand nach dem Baustellen Aus für das Hallenbad des Heinrich-Völker-Bades im Jahre 2022. Wie von uns berichtet, beschloss der Stadtrat eine umfängliche Sanierung des Bades. Unter anderem wird im Neubau kein Warmwasserbecken mehr zu finden sein, sondern eine Lehrschwimmhalle. Da Worms allerdings durch diverse weitere Entscheidungen in der Vergangenheit aktuell über kein weiteres Lehrbecken verfügt, findet seit dieser Zeit Schwimmunterricht maximal im Sommer statt. Für den Vorstand des Schwimmclubs Poseidon ein unhaltbarer Zustand, weshalb bei einer Mitgliederversammlung am 15. Februar 2023 der Beschluss getroffen wurde, eine eigene Halle zu bauen. Gesagt getan.

Lehrschwimmhalle im Rekordtempo

Bereits am 30. Oktober desselben Jahres wurde der erste Spatenstich gesetzt und schon am 14. August 2025, zwei Jahre später, die Einweihung gefeiert. Eine Rekordzeit in einer Zeit, in der Bauen immer komplizierter und vor allem teurer wird. Nicht so für den Verein in der Carl-Villinger-Straße. Wie David Profit, Präsident des Deutschen- Schwimm-Verbandes, ausführte, kosten solche Hallen zwischen 3,5 und 4 Millionen Euro. Der Wormser Verein stemmte das Projekt für gerade mal 1,6 Millionen Euro, von denen 1,45 Millionen bezuschusst wurden. Insgesamt gab das Land 40 Prozent, während die Stadt 20 Prozent beisteuerte. Der Verein stemmte wiederum die restlichen Kosten über Eigenkapital, Sponsoren und Spenden. Dass das Projekt verhältnismäßig günstig durchgeführt werden konnte, ist nicht nur einer guten Finanzplanung zu verdanken, sondern auch den vielen helfenden Vereinshänden. So er- klärte der 1. Vorsitzende, Kai Hornuf, dass mehr als 100 Mitglieder regelmäßig angepackt hätten und so mehr als 6.000 Stunden geleistet wurden.

Drei, die besonders viel Zeit mit dem Projekt verbrachten, waren Vereinspräsident Manfred Pfeiffer, der Technische Leiter Frank Böhner und der Bauleiter Dieter Eberts. Allen dreien war an diesem Tag der Einweihung auch sichtlich die Erleichterung über das nahende Baustellenende anzumerken. Nahend, weil noch nicht alle Arbeiten abgeschlossen sind. So fehlte am Tag der Einweihung noch das Wichtigste überhaupt in der Halle, nämlich das Wasser. Aufgrund von Lieferschwierigkeiten konnten nicht mehr recht- zeitig die entscheidenden Wasserfilter eingebaut werden, sodass lediglich eine quietschig gelbe Plastikente symbolisch für die Zukunft dieser in der Halle im Becken ruhte. Optimistisch geht der Verein davon aus, dass ab Anfang September Wormser Schulen endlich wieder Schwimmunterricht anbieten können. Den Weg dafür hat der Stadtrat schon vor einiger Zeit frei gemacht und einen Mietvertrag über zunächst fünf Jahre abgeschlossen. Zudem wird dort auch die Poseidon Schwimmschule „Triton Kids“ eine Heimat haben.

Text: Dennis Dirigo, Foto: Andreas Stumpf