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Mit den Nibelungen im Pantoffelkino

NibelungenKino im Museum Andreasstift erö?net


Es war kein Aprilscherz, als das Nibelungenmuseum nach einer langen Leidensgeschichte am 1. April 2024 seine Pforten schloss. Für die Nibelungen bedeutete das außerhalb der Festspiele einen zwangsverordneten Dornröschenschlaf. Nun sind sie wie wieder ganzjährig präsent, wenn auch nur in einem Film gebannt…

2001 eröffnet, war das Nibelungenmuseum von Anfang an kein Kind der Liebe. Das Konzept galt vielen als zu verkopft, um Menschen für das berühmte Lied begeistern zu können, während die Technik und die Konstruktion bereits nach wenigen Jahren für Ärger sorgten. Die Probleme stauten sich und damit auch die Kosten. Am Ende beschloss der Stadtrat das endgültige Aus und einen Neuanfang im Museum der Stadt Worms im Andreasstift, zumindest vorübergehend.

Nach längerer Zeit der Konzeptionierung ist nun ein erster Schritt vollbracht. Den Auftakt zur Neupräsentation bildet nun das kleine NibelungenKino im Altertumsvereinszimmer, das ab sofort zugänglich ist. Der Begriff Kino ist natürlich dezent übertrieben. Auch wenn der Bildschirm stolze 85 Zoll misst, gleicht es eher einem gemütlichen Pantoffelkino. Gezeigt wird eine filmische Zusammenfassung der Nibelungensage, die mit unterschiedlichstem Bildmaterial – von Fritz Lang über historische Gemälde bis hin zu den Festspielen gestützt wird. Der Film, der von dem Konzeptkünstler Eichfelder erstellt und von der Wormser Journalistin Ulrike Schäfer mit Text unterlegt wurde, war bereits Bestandteil des alten Nibelungenmuseums, dauert circa 5 Minuten und läuft in Dauerschleife.

Doch die Zukunft des Kinos wartet bereits auf dem Laptop Eichfelders, der mit Hilfe von KI eine neue Fassung geschaffen hat. Diese ist visuell deutlich homogener und wird getragen durch einen Erzähler, der in weniger als zehn Minuten durch die tragische Geschichte führt. Die Bilder sind modern, der Look farbentsättigt, also eher düster. Sozusagen passend zu dem holzgetäfelten historischen Raum, in dem der Film gezeigt wird. Ergänzt wird der Beitrag durch nicht minder düstere Wandbilder, die ebenfalls durch das Lied führen. Freilich soll dieser kleine Beitrag erst der Anfang sein. Wie Museumsleiterin Ulrike Breitwieser im Gespräch mit WO! erklärt, wird in den nächsten Monaten auch das Turmzimmer eröffnet, in dem weitere Medienstationen Aufklärung zum Nibelungenlied bereithalten. Wenn alles gut läuft, soll es bereits zu den nächsten Festspielen ab 17. Juli 2026 soweit sein.

Text: Dennis Dirigo, Foto: Andreas Stumpf