Mit der Kunst das Wesen der Demut erfassen

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Die Künstlerin Astrid Bellefroid und ihre Ausstellung „Demut“

Es ist eine Mischung aus Entschlossenheit und Traurigkeit, mit denen einem die Augen eines Mannes, der von der Kopfform Nubier sein könnte, anschauen. Das mit Acrylfarben gemalte Bild, das den Namen „Krieger“ trägt, ist, dem Titel entsprechend, komplett in unterschiedlichen Rottönen gehalten. Es fasziniert beim Betrachten und zieht einem sogleich in seinen Bann.Es ist weniger ein Portrait, vielmehr der Ausdruck eines Gefühls. Die Künstlerin, die das großformatige Bild schuf, heißt Astrid Bellefroid und hat dieses einer Reihe von Gemälden zugeordnet, die unter dem Namen „Demut“ im oberen Foyer des Wormser Tagungszentrums ausgestellt sind (3.12. bis 28.12.18). Die Ausstellung spiegelt hierbei nur eine Facette der vielseitigen Künstlerin, die im Eleonoren-Gymnasium und Rudi-Stephan-Gymnasium Kunst unterrichtet. Kunst ist für sie mehr als nur Beruf und Leidenschaft. „Ich bin meistens den ganzen Tag damit beschäftigt, im Kopf Neues zu erschaffen“, sagt die 28-jährige junge Frau, die zuvor Grafik-Design an der Hochschule in Wiesbaden studierte und betont, dass sie nicht auf ein Material festgelegt ist. Ein Blick in ihr Atelier, das sich in den Räumen der Fabrik in der Zornstraße befindet, bestätigt diese Aussage. Der Raum ist überfüllt von Zeichnungen, Gemälden, kleinen Kunstwerken, hergestellt mit den unterschiedlichsten Techniken und zahlreichen Musikinstrumenten. Ihr persönlicher Fokus liegt letztlich aber auf Zeichnen und Malen. Wie gut sie die Technik der Tuschezeichnung beherrscht, zeigt ein Blick auf ihre kleinteiligen, detailverliebten Zeichnungen von Wormser Sehenswürdigkeiten. Die schwarz-weißen Zeichnungen zierten zuletzt auch die Galerie der Wormser Sparkasse, die der Künstlerin eine Ausstellung ermöglichte. Es war nicht die erste in diesem Jahr. Bereits im Mai überraschte sie mit einem künstlerischen Experiment, in dem sie sich 365 Tage selbstportraitierte. Angesprochen darauf, warum sich ein Mensch ein ganzes Jahr selbst zeichnet, erklärt sie, dass das Experiment eine Mischung aus Eigentherapie und Technikschule war. „Ich mochte mein Spiegelbild irgendwie nie besonders. Das Zeichnen half mir, mich mit mir in einer besonderen Weise auseinanderzusetzen und mich anders zu betrachten. Auch verfeinerte ich durch das stete Training meine Zeichentechnik.“ Man muss ihr hierfür durchaus Mut attestieren, denn in gewisser Weise war es auch eine sehr intime Ausstellung, wirken die Portraits auch ein Stückchen wie der Spiegel ihrer Seele. In ihrer aktuellen Ausstellung gewährt sie dem Betrachter einen weiteren Blick in ihr Inneres, ermöglicht aber durch die Allgemeinheit des Themas Demut auch einen persönlichen Zugang. Hier steht weniger die Frage, was die Künstlerin selbst bei den Bildern verspürt, im Vordergrund, wichtiger scheint es zu ergründen, wie die Bilder auf den Betrachter selbst wirken. Es sind die universellen Fragen, was es bedeutet, Mensch zu sein oder wie unser persönliches Verhältnis zur Natur ist. Im Alltag bewegen wir uns schnell über solche Fragen hinweg. Kunst hingegen ermöglicht uns jedoch eine andere Auseinandersetzung, einen persönlichen Zugang. „Demut ist die Haltung des Dienenden, dessen, der vor etwas Größerem zurücktritt, der respektvoll ist. Eine bescheidene Haltung desjenigen, der weiß, dass er ein Teil eines großen Ganzen ist“, schreibt die Wormserin mit belgischen Wurzeln in ihrer offiziellen Erklärung zu dieser Ausstellung. Wenn diese Ausstellung Ende Dezember schließt, hat sie vier Ausstellungen in diesem Jahr hinter sich gebracht. Irgendwann würde sie gerne von ihrer Kunst alleine leben. Astrid Bellefroid ist sich allerdings bewusst darüber, dass es nicht einfach ist, das zu erreichen. „Wenn man erfolgreich in dieser Branche sein will, muss man sich heutzutage wie eine Marke inszenieren, ich möchte aber, dass meine Kunst für sich spricht“, sagt sie in Hinblick auf den Kunstmarkt. Vier Ausstellungen, die die unterschiedlichen Facetten ihres Talents zeigten, sind zumindest schon mal ein Anfang. Wer weiß, was 2019 kommt.

Hinweis: Die Vernissage findet am 3. Dezember 2018 im Wormser Tagungszentrum (Oberes Foyer) statt und beginnt um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei!