PARKRAUM DRINGEND GESUCHT
Knappe Parkkapazitäten sorgen in der Innenstadt für Unmut

Schwindende öffentliche Parkflächen und knappe Kapazitäten in den Parkhäusern führen aktuell immer wieder zu Diskussionen. So auch im Zusammenhang mit dem Adenauerring und dem Anwohnerparken rund um den Marktplatz.
Wer als Anwohner in der Innenstadt auf der Suche nach einem geeigneten Ruheplatz für sein Kraftfahrzeug ist, braucht mitunter viel Geduld. Im Zuge einer Entwicklung hin zu einer verkehrsberuhigten, klimafreundlichen Innenstadt, setzt die Stadt auf Entsiegelung an Stellen, wo zuvor Autos eine Heimat fanden. Das mag aus klimatischer und ästhetischer Sicht eine nachvollziehbare Entscheidung sein, demgegenüber steht aber nun mal die Tatsache, dass die Innenstadt der einwohnerstärkste Stadtbezirk ist und damit auch eine entsprechende Zahl an PKWs hier gemeldet sind. Wer über keinen privaten Stellplatz verfügt, muss insofern zunehmend um die wenigen Plätze konkurrieren, zumal auch die städtischen Parkhäuser mit ihren rund 1.114 Stellplätzen kaum noch Kapazitäten haben. Zwar bieten Kaiser Passage und Jost weitere 800 Parkplätze an, doch die stehen nur Besuchern zur Verfügung und nicht Mietern.
Ein Ärgernis ist zudem, dass im Januar 2024 die Gebühr für das Anwohnerparken von 30 Euro auf 180 Euro angehoben wurde, während aber das Angebot zunehmend schrumpft. So wurde zuletzt das Anwohnerparken in den Straßen Marktplatz, Stephansgasse, Schlossplatz und Petersstraße (bis zur Einmündung Folzstraße) als Antwort auf die Kritik der Marktbeschicker aufgehoben. Auch diese kritisieren seit vielen Jahren fehlende Parkplätze und starteten zuletzt eine an die Stadt gerichtete Petition. Die hat nun gehandelt, was wiederum zu massiver Kritik der Anwohner führte. Am Adenauerring wird wiederum eine Grünanlage angelegt, weshalb auch hier Parkplätze entfallen. Ähnliches ist für den Neumarkt geplant. Wie von uns berichtet, sollen an dieser Stelle eine attraktive Grünanlage sowie ein Glaspavillon als SchUMBesucherzentrum errichtet werden. Die Stimmung unter vielen Bürgern ist dementsprechend gereizt und der Tonfall gegenüber der Stadt mitunter schroff.
VIELE IDEEN, DIE ZEIT BRAUCHEN
Auch wenn die Schaffung von Parkraum nicht die originäre Aufgabe einer Stadt ist, ist sich Stadtentwicklungsdezernent Timo Horst des Problems bewusst, wie er im Gespräch mit WO! erklärt. Doch wie könnten Lösungen aussehen? Horst erläutert, dass es mehrere Flächen in der Innenstadt gebe, die derzeit für eine öffentliche Parkfläche geprüft werden, die er aber noch nicht näher definieren möchte. Perspektivisch erwähnt er auch ein Parkhaus auf dem Gelände des ehemaligen Hochstiftgeländes. Im Kontext der Überarbeitung des Geländes zwischen Andreastor und Dom St. Peter ist das ein reizvoller Gedanke, zumal hier in den nächsten Jahren der sogenannte Domhof entstehen wird, der ebenfalls einen Bedarf für Parkraum mit sich bringt. Hierfür sei man im Gespräch mit dem Wormser Caritasverband, der am Erwerb des leerstehenden Gebäudekomplexes interessiert ist und sich zudem mit der Idee eines Parkhauses anfreunden kann. Doch noch gibt es viele Fragen in Bezug auf das marode Gebäude und dessen unvermeidlichen Abrisses sowie eine Prüfung des Bodens bezüglich Schadstoffbelastung.
Gefragt nach der jahrelangen Stagnation rund um die Tiefgarage Friedrichstraße, erläutert Horst, dass die Parkhausbetriebs GmbH derzeit eine Ausschreibung für einen Generalunternehmer erstelle. Zuletzt übernahm die Stadt selbst die Ausschreibung, konnte aber niemanden finden, der die aufgrund der Statik anspruchsvolle Arbeit übernimmt. Horst glaubt, dass eine GmbH ohne die Zwänge der kommunalen Ausschreibungsvorgaben hier erfolgreicher arbeiten kann. Kreative Ideen hat der Dezernent auch mit Blick auf die ebenerdige Parkfläche des Discounters Lidl in der Remeyerhofstraße. Aber auch das könnte erst im Zuge einer zeitlich noch nicht terminierten Sanierung des Lidl diskutiert werden. Hoffnungen setzt er zudem auf die bevorstehenden Bauaktivitäten rund um das Gerberviertel. Wie von uns berichtet, soll nach vielen Jahren Stillstand noch in diesem Jahr der Spatenstich erfolgen. Angesprochen auf das Anwohnerparken, betont er, dass das zwar nicht sein Bereich sei, aber er durchaus die Frage stellt, ob es nicht möglich sei, in den Abend und Nachtstunden das Anwohnerparken zu ermöglichen. Das wäre eine Erleichterung für all jene, die zumindest zwischen Feierabend und Arbeitsbeginn auch einen Schlafplatz für ihr Auto brauchen. Während die baulichen Ideen allesamt noch einiges an Zeit kosten, ist das Drama um den Markplatz wiederum ein Fall für die Straßenverkehrsbehörde, die das undramatisch lösen könnte.
Text: Dennis Dirigo, Foto: Andreas Stumpf




