Pathos-Pop und Durchhalteparolen

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Tourneeauftakt der Band „Staubkind“

02. März 2017 | Das Wormser (Mozartsaal):

Es war ein Tourstart, dem noch große Dinge folgen sollen, denn die Berliner Band Staubkind, gemanagt vom Unheilig Produzenten Henning Verlage, möchte mit dem vierten Album groß durchstarten. Dem Ruf folgte allerdings nur die bescheidene Anzahl von 235 Fans, die es sich aber nicht nehmen ließen, ihre Band begeistert zu feiern.

Als die Band Staubkind vor rund zwei Jahren zum ersten Mal im Wormser Mozartsaal spielte, fragten wir uns in der Redaktion, wer oder was ein Staubkind ist. Ein Blick ins Internet klärte auf. Erstaunt mussten wir feststellen, dass die Band, die in erster Linie der Sänger Louis Manke ist, auf eine bereits mehr als zehnjährige Bühnenpräsenz verweisen kann. Ursprünglich inspiriert von den romantisch harten Klängen von Bands wie oomph! oder Evanescence, ist von diesem Sound im Jahre 2017 kaum noch etwas übrig geblieben. Geprägt von einigen Tourneen mit dem „Grafen“ von Unheilig ist dieser Stil einem Pathos gewichen, den WO! Kollege Fischer schon damals eher in der Nähe von „PUR“ verortete. Simple Texte, die aus dem Tagebuch eines adoleszierenden Teenagers entsprungen sein könnten, gepaart mit der immer gleichen Verse-Bridge-Refrain Struktur, bringen die Musik gefährlich nahe in Schlagergefilde. Einzig die immer „voll auf die Mütze“ verzerrten Gitarren lassen erahnen, dass Manke möglicherweise einen anderen Klangkosmos im Ohr hatte. Ob Musik gefällt oder nicht, ist letztlich immer eine subjektive Angelegenheit; den anwesenden Fans zumindest gefiel offensichtlich das Gespielte und sie feierten ihre Band euphorisch. Als Belohnung gab es am Ende den Semi-Hit der Band, „Wunder“, Fans, die auf die Bühne durften, sowie ein Meer von Luftballons. Irgendwie stellte sich dabei ein Déjà-vu ein, denn das exakt selbe Ende gab es schon beim letzten Konzert.

FAZIT: Musik für all jene, die es ein wenig heimeilig mögen. Staubkind erzählt zumeist von den Hürden des Lebens und dass es sich lohnt, weiter zu machen. Das alles verpackt in ein biederes musikalisches Korsett, das niemanden wehtun möchte, außer man leidet an einer ausgesprochenen Harmonieallergie.