RÜCKLÄUFIGE FALLZAHLEN, ABER STEIGENDE GEWALTZAHLEN
Kriminalstatistik 2025 mit guten und mit schlechten Zahlen

Starßensperrung nach Schussabgabe in der Renzstraße. Foto: Andreas Stumpf
Jedes Jahr im Frühling veröffentlicht die Polizei bundesweit ihre Kriminalstatistik des vorangegangenen Jahrs, so auch die Polizeidirektion Worms. Wie im Vorjahr sind die Gesamtzahlen rückläufig, dennoch gibt es kein Grund zu frohlocken, Worms sei sicherer geworden. Denn das stimmt nicht so ganz.
„Im Jahr 2025 wurden in der Polizeidirektion Worms 12.679 Straftaten in der PKS (Polizeiliche Kriminalstatistik) erfasst, was einem Rückgang um 1,7% entspricht. Es wurden in der Gesamtheit 222 Fälle weniger als im Vorjahr erfasst“, heißt es gleich zu Beginn der Statistik. Diese Zahl schließt nicht nur Worms mit ein, sondern auch Kirchheimbolanden, Alzey sowie die Polizeiwache (PW) Wörrstadt. Insgesamt leben 261.595 Menschen in dieser Region. Auffällig ist zunächst, dass in Worms die Fallzahlen sogar um 276 Fälle zurückgegangen ist. Demgegenüber stehen die anderen drei Bezirke, wo die Zahlen wiederum um 54 Straftaten zugenommen haben. Das ist für Worms zunächst eine gute Entwicklung. Die setzt sich in bestimmten Straftatenobergruppen fort.
Auch wenn jeder einzelne Fall ein Drama ist, so verzeichnet die Statistik bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung einen Rückgang von 14 Fällen. Insgesamt wurden 206 Fälle zur Anzeige gebracht. Auffällig ist die Zahl wiederum im pfälzischen Kirchheimbolanden, wo die Zahl um 17 Fälle auf 55 anstieg. Immerhin lag wiederum die Aufklärungsquote bei 92 Prozent. In den Untergruppen für den gesamten Geltungsbereich verzeichnet die Statistik allerdings einen Zuwachs bei Vergewaltigungen (+16) und sexuellem Missbrauch von Kindern (+10). Von den erfassten 47 Fällen von Vergewaltigung, die im Jahr 2025 in der PD Worms erfasst wurden, ereigneten sich 17 Fälle im Deliktsfeld der Partnerschaftsgewalt. Die Polizei verweist in ihren möglichen Erklärungen auf die erhöhte Bereitschaft, Anzeige zu erstatten und auf den Umstand, dass das Versenden pornografischen Materials von Minderjährigen als Missbrauch gilt. Rückläufige Zahlen verzeichnet die Polizeidirektion Worms zudem bei Diebstahl, sowohl dem einfachen, als auch dem schweren (–112). Selbiges gilt für Vermögens und Fälschungsdelikte sowie diverse Betrugsdelikte. Erfreulich ist zudem ein leichter Anstieg der Aufklärungsquote von 55,1 auf immerhin 58,9 Prozent.
Mehr Rohheitsdelikte
Während diese Zahlen in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit eher eine untergeordnete Rolle spielen, ist die Zahl der Rohheitsdelikte, also Straftaten gegen das Leben (Körperverletzungen) oder die persönliche Freiheit, bedenklich gestiegen. Also jene Fälle, die sich oftmals im urbanen Leben zeigen und damit auch die Wahrnehmung prägen. Ein Trend, der sich bereits in den ersten Monaten dieses Jahres fortzusetzen scheint. Aber dazu später mehr. Insgesamt verzeichnete der Bezirk eine Steigerung von 148 Fällen auf 2.574. In Worms waren es 2025 exakt 51 Straftatbestände mehr. Die Statistik erklärt hierzu: „Die erfassten 2.574 Fälle stellten im 5Jahresvergleich einen Höchststand dar, während die Aufklärungsquote in diesem Deliktsbereich eine abnehmende Tendenz zeigte.“ Ein erheblicher Teil der Anzeigen entfällt dabei auf Bedrohungen. Zugenommen hat allerdings auch die häusliche Gewalt in Worms. Bei beiden Gruppen erklärt die Polizei die Zahl ebenfalls mit einer steigenden Anzeigenbereitschaft. In der Untergruppe von Mord und Totschlag kam es zu fünf erfassten Straftaten, wovon vier wiederum in Worms geschahen. Eine Zunahme verzeichnet die Polizei auch bei Messerangriffen (+16), wobei hier nicht nach Kommunen differenziert wird. Erfreulich ist indes der starke Rückgang von Drogendelikten, wobei die nüchterne Wahrheit ist, dass dies auf die Teillegalisierung von Cannabis zurückzuführen ist, was sich dann auch unmittelbar in der Gesamtzahl spiegelt.
Weniger Angri?e auf Beamte
Positiv zu bewerten ist die Tatsache, dass weniger Angriffe auf Beamte verzeichnet wurden, wobei jeder einzelne zu viel ist. Bedenkliche Tendenzen zeigt wiederum das neue Jahr, in dem es bereits zu drei dramatischen Gewalt Eskalationen kam. So kam es am 24. März zu einem körperlichen Angriff auf einen Busfahrer durch einen Gast, nachdem dieser an einer gewünschten Haltestelle nicht angehalten hatte. Wenige Tage später fand in der Renzstraße ein Schusswechsel vor der „Goldbar“ statt, was Razzien und Straßenkontrollen nach sich zog. Am 15. April sorgte ein Streit in der Bahnhofsstraße für Aufregung, bei dem es zu einem Messerangriff kam. Der Täter konnte kurz darauf gefasst werden, als dieser wieder am Tatort erschien. Die Statistik 2025 differenziert im Übrigen nicht zwischen deutschen und ausländischen Straftätern, sondern lediglich zwischen Geschlechtern. Etwas differenzierter blickt wiederum die Statistik des Polizeipräsidiums Mainz auf die Bevölkerungsgruppen. Zum Polizeipräsidium gehört wiederum die Direktion Worms, aber auch MainzBingen und Bad Kreuznach. Insgesamt verzeichnete man im gesamten Geltungsbereich 42.772 Straftaten, was ebenfalls einem Rückgang entspricht. 19.115 Tatverdächtige konnten ermittelt werden. Davon waren 14.589 männlich (76,3 %) und 4.526 weiblich (23,7 %). Der Anteil von nicht deutschen Tätern lag wiederum bei beachtlichen 7.200, wovon wiederum 2.460 Täter Flüchtlinge waren. Eine Zahl, die auf einem ähnlich hohen Niveau wie in den Vorjahren liegt.
Text: Dennis Dirigo





