Bert Bims

Deutschland befindet sich in einer selbstgemachten Energiekrise, aber die Leute diskutieren lieber über das Thema kulturelle Aneignung. Ich höre Sie deshalb schon wieder zu Tausenden fragen: „Sagen Sie mal, Herr Bims, haben wir denn keine anderen Probleme?“

Als ich kürzlich unsere Essensabfälle traditionell in den Nibelungenkurier eingepackt habe, erspähte ich zwischen verfaulten Äpfeln und einem verschimmelten Schnitzel überraschenderweise einen lesenswerten Artikel. Beim Lesen der Bildunterschrift über die kommende Ausstellung im Andreasstift fuhr mir urplötzlich der Schreck in die Glieder, stand doch da, dass Oberbürgermeister Michael Kissel auf eine gute Resonanz für die anstehende Sonderausstellung hofft. Ich mein, grundsätzlich kann unser Ex-OB ja hoffen, was er will, wäre da nicht ein Foto des aktuellen OB Adolf Kessel abgebildet gewesen. Jetzt war ich maximal verwirrt. Hat der NK etwa nicht mitbekommen, dass Kissel noch vor Corona abgewählt worden ist? Oder war hier der Wunsch Vater des Gedanken, wozu auch die Überschrift „Spiel um die Macht“ passen würde? Wer jetzt denkt, der NK würde auf seine alten Tage seine politische Ader entdecken, kann sich beruhigen: Es hatte sich nur ein lustiger Fehlerteufel eingeschlichen. So wie bei dem Legastheniker, der in meiner Mai-Kolumne den Namen „Bonnie Tyler“ in drei verschiedenen Versionen geschrieben hat. Im Übrigen hatten sich auch bei deren Konzert in Worms ein paar Fehler eingeschlichen. Die Powerstimme von einst hat zum Schluss nur noch geröchelt. Aber kein Problem, mit 71 Jahren kann einem schon mal die Luft ausgehen in Anbetracht der mediterranen Temperaturen in Worms. Da mir ein Vögelchen gezwitschert hatte, dass der Weltstar mit seiner Entourage im Hotel Hüttl am Marktplatz absteigt, konnte ich dort eine interessante Beobachtung machen, als die Britin direkt nach dem Konzert in dem bei einer Auktion auf der Neverland Ranch günstig geschossenen Sauerstoffzelt von Michael Jackson aufgebahrt wurde. Zum Glück waren beim diesjährigen Jazz & Joy keine weißen Musiker mit Dreadlocks dabei, sonst hätte ich mich dort sehr unwohl gefühlt und einen sofortigen Abbruch der Veranstaltung gefordert.

In der Schweiz wurde ein Konzert der Reggae-Band Lauwarm abgebrochen, weil sich einige Bandmitglieder durch das Tragen von Rastas eine fremde Kultur angeeignet hatten. Das wiederum hat bei einigen Besuchern ein Unwohlsein verursacht, weshalb das Konzert vorzeitig enden musste. Eigentlich dachte ich bisher: Wer sich „unwohl“ bei einer öffentlichen Veranstaltung fühlt, kann ja einfach seinen Allerwertesten nach Hause bewegen. Aber das reicht heutzutage nicht mehr. Man muss als Minderheit der Mehrheit den Abend versauen. Solche Spaßbremsen gab es auch früher, nur trugen diese eine schwarze Kutte und waren von der katholischen Kirche. Heutzutage kommen solche Ideologien von soweit links außen, dass sie zwangs- läufig auf der rechten Seite wieder rauskommen. Wenn man nämlich fordert, dass – plakativ ausgedrückt – nur Schwarze oder Rastafari Dreadlocks tragen dürfen, dann ist das ziemlich rassistisch gegenüber den Weißen. Man sagt ja auch nichts dagegen, wenn ein Rastafari einen Oberlippenbart trägt, nur weil auch Adolf Hitler eine Rotzbremse trug. Wir sind so weit fortgeschritten, dass man in Deutschland theoretisch jedes Jahr aufs Neue sein Geschlecht ändern kann, aber aus meiner imposanten Langhaarmähne ein paar Rastas zu machen, soll verboten sein? Man drückt Kindern in der Schule Aufklärungsbroschüren über die diversen Geschlechter in die Hand, aber „Winnetou“ lesen ist zukünftig verpönt? Man könnte den Begriff „kulturelle Aneignung“ fast sogar als „kulturellen Fortschritt“ bezeichnen. Und womöglich sind ja die angeblich so Toleranten die eigentlichen Intoleranten? Zu meiner Jugendzeit waren Dreadlocks lange Zeit das einzige Kriterium, um bei den Grünen überhaupt Mitglied werden zu dürfen. Heute wären Glatzen viel angebrachter.

KARLCHEN UND DIE ENERGIEKRISE

Karl Lauterbach hatte Corona und „Jaaaaaaa, er lebt noch!“ Warum wundert mich das nicht, wenn man hört, dass Karlchen packungsweise Paxlovid in sich reingestopft hat; ein Präparat, das für Risikopatienten ab 70 empfohlen wird. Wenn Lauterbach in Talkshows von seinen praktischen Erfahrungen als Arzt spricht, dann meint er damit, dass er alle auf dem Markt verfügbaren Medikamente höchstpersönlich getestet hat. Teilweise sogar vor Talkshowauftritten bei Markus Lanz, was seine etwas leiernde Sprache erklärt. Kürzlich hat unser Karlchen sogar zugegeben, dass er schon mal gekifft und sich somit die jamaikanische Lebensart kulturell angeeignet hat. Natürlich aus rein wissenschaftlichen Gründen und er habe die Erfahrung als „angenehm“ empfunden. Nicht bekifft war er, als der Herr Lauterbach bereits jetzt einen harten Corona Herbst prophezeit hat. Ich frage mich deshalb ernsthaft, wie ich im Herbst den Spagat schaffe zwischen regelmäßigem Händewaschen wegen Corona und gleichzeitigem Wassersparen wegen der Energiekrise? Das wird nicht einfach. Und die Energiekrise wirft noch weitere Fragen auf: Wenn im Winter eine Eisbahn auf den Festplatz kommt, lassen dann Klimaaktivisten aus Protest gegen die Wasserverschwendung ihre Hände auf der Eisfläche festfrieren? Muss ich im Winter den Jacuzzi auf meiner Dachterrasse von angenehmen 38 auf frostige 36 Grad runterkühlen? Darf ich das Wasser meines Swimmingpools zukünftig nur noch jeden zweiten Tag wechseln? Wenn die Gasheizung zu teuer ist, warum heizen die Menschen dann nicht einfach ihren Kamin hoch? Wenn am Ende des Monats das Geld nicht mehr für Brot reicht, warum essen die Leute dann nicht einfach Kuchen? Und die wichtigste Frage zum Abschluss: Ist es mehr als nur symbolisch, dass im Wormser Rathaus aus Spargründen langsam, aber sicher die Lichter ausgehen?

Mit nachdenklichen Grüßen, Ihr Dr. Bert Bims

 

PS: Stromsparen hin oder her, ich hab auch noch was Positives zum Abschluss: Solange das Licht am Ende des Tunnels noch nicht abgeschaltet ist, besteht noch ein kleiner Funken Ho?nung.