Spenden, Ausstellungen und viel Wein

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Eine Kulturreise durch das voradventliche Worms

In großen Schritten nähern wir uns Weihnachten und damit geht zumeist auch eine größere Spendenbereitschaft einher…

Als fast schon traditionell kann man hierbei besonders die Spendenbereitschaft der Arbeitsgemeinschaft der Wormser Frauenverbände nennen. Auch in diesem Jahr wurde beim Herbstmarkt wieder viel Geld gesammelt, insgesamt 19.200 Euro. Die Zieladressen sind dabei so unterschiedlich wie die Gruppen, die das Geld eingesammelt haben. Eine von diesen Gruppen war die Wormser Frauenunion. Die erklärten sich in diesem Jahr dazu bereit, für die junge Theatergruppe Szene 9 zu sammeln. Das Ensemble hat im kommenden Jahr den ehrgeizigen Plan, sein Publikum mit einer Inszenierung auf der kleinen Insel inmitten des idyllischen Schlosspark-Weihers im Herrnsheimer Schlosspark zu unterhalten. Name des Theaterstücks: „Genesis“. Das Vorhaben der Gruppe, die dem Lincoln Trägerverein angehört, kostet natürlich Geld. Am Ende des Tages konnte die Frauenunion dem Ensemble 1.500 Euro überreichen.

Das Lincoln Theater selbst wurde ebenfalls mit einer Spende bedacht. Diese kam jedoch ausschließlich aus dem Privaten. Petra Graen, ehrenamtliches Mitglied im Stadtvorstand und ehemalige Vorsitzende des Lincoln Trägervereins, hatte einen ganz besonderen Wunsch zu ihrem 60. Geburtstag. Statt Geschenke bat sie um Geldspenden. 2.000 Euro kamen so zusammen, die sie stolz der derzeitigen Vereinsvorsitzenden Michaela Langner überreichen konnte. Die freute sich sichtlich, denn die finanzielle Situation der Kleinkunstbühne ist alles andere als üppig. Getragen durch ehrenamtliche Helfer ist das Lincoln gerade für die jüngeren Wormser Theatergruppen (Nibelungenhorde, Theaterteens, Szene 9) ein eminent wichtiger Ort. Von den Vereinsbeiträgen selbst lässt sich der Aufwand, den eine Bühne mit sich bringt, nicht finanzieren. 170 Mitglieder hat der Verein derzeit. Gemessen an den damals gesammelten 2.000 Unterschriften für den Erhalt des ehemaligen Kinos, ist das herzlich wenig.

Über eine finanzielle Zuwendung konnte sich im November auch das Museum im Andreasstift freuen. Möglich machte das ein altbekannter Worms-Besucher namens Martin Luther. Der lebt natürlich nicht mehr, dafür erfreut sich die nach ihm benannte Wein-Linie (insgesamt sieben verschieden Sorten), die exklusiv im Weinladen Borgnolo erhältlich ist, größter Beliebtheit. 1.500 Flaschen konnte Gastronom Filippo Borgnolo, der seit drei Jahren dem ehemaligen Valckenberg-Weinladen neues, pulsierendes Leben einhaucht, verkaufen. Borgnolo, der sagt, wer Gutes tut, bekommt Gutes zurück, spendete entsprechend der Verkaufszahl 1.500 Euro an das städtische Museum, das sich über diese Zuwendung riesig freute. Verwenden möchte man das Geld für eine beleuchtete Glasvitrine zur besseren Präsentation von Exponaten.

Den wohl üppigsten Spendenbetrag stiftete indes eine Person, die nicht genannt werden möchte. Diese spendete für die Anschaffung einer neuen Glocke im Wormser Dom 100.000 Euro. Man kann natürlich darüber diskutieren, ob die Glocke unbedingt von einem Künstler (Klaus Krier) gestaltet werden muss, schließlich sieht man die Glocke wohl eher selten, man hört sie aber stattdessen. Allerdings hat sich in der Diskussion um das Haus am Dom gezeigt, dass das Bauwerk, das im kommenden Jahr seinen 1.000. Geburtstag feiert, einen hohen Stellenwert bei den Bürgern genießt. Und natürlich möchte so ein Dom an seinem Geburtstag gut klingen und gut aussehen.

Gut aussehen tun auch die Bilder des Künstlers Saxa, der mit uns die Liebe zum Wort teilt. Denn seine Bilder lassen sich nicht nur schön betrachten, sondern man kann sie auch lesen. Eine kleine Sammlung seiner Portraits konnte man im November in der Kunsthandlung Steuer bestaunen. Mit Worten Bildern zu malen ist sicherlich keine Neuheit. Der Kölner Künstler benutzt die Worte jedoch nicht einfach nur als grafisches Mittel. In einem großflächigen Portrait des Wormser Doms St. Peter verwendete er Textpassagen aus der neuhochdeutschen Übersetzung des Nibelungenliedes und erzeugt damit eine ganz besondere Stimmung.

Seltsam sind auf den ersten Blick die Kunstwerke des Frankfurter Politikwissenschaftlers und künstlerischen Autodidakten Philipp Alexander Schäfer, dessen „politische Plastiken“ in der Galerie Schauraum ausgestellt waren. Die Auswahl der Werke war zwar übersichtlich, doch hier zählte die Qualität und nicht die Quantität. Zentrales Thema seines Schaffens ist die Auseinandersetzung mit unserer Wegwerfgesellschaft. Da kann es schon mal sein, dass einem auf einem Bild Toastbrotscheiben aus dem Gully entgegen kommen. Michael Mahla alias Flyte wusste bei der Ausstellungseröffnung das interessante Schaffen in ebenso interessante Worte zu verpacken.

Eine Dauerausstellung, die auch ohne viele Worte auskommt, wurde am 24.11. im Nibelungenmuseum Worms vorgestellt. Seit letztem Jahr finden sich im Sehturm des Museums Requisiten aus der Mannheimer Ring-Inszenierung des Künstlers Achim Fryer. Ergänzt wird diese Ausstellung nun im Hörturm mit der dazu passenden Musik von Richard Wagner in der Einspielung des Orchesters des Nationaltheaters Mannheim. Hören kann man die Musik über ein Tablet, über das man zugleich Interessantes über die Person Wagner erfahren kann. Es hat schon seinen Reiz, über die mittelalterliche Stadtmauer zu wandeln, begleitet von den pompösen Klängen der „Götterdämmerung“.

Reizvoll ist natürlich auch der rheinhessische Wein. Zwei Tage lang stand der auf der Wormser Weinmesse (11./12.11.) im Mittelpunkt. Der interessierte Weinliebhaber konnte im Wormser Tagungszentrum zwischen 47 Weingütern auswählen, darunter war auch die derzeit mehrfach ausgezeichnete Winzerin Katja Rettig mit ihrem fein abgestimmten Spätburgunder. Da aufgrund der Besucherdichte in den vergangenen Jahren der Mozartsaal immer wieder überfüllt war, hatten die Organisatoren in diesem Jahr erstmals das Obergeschoss dazu genommen. Besucher und Winzer zeigten sich gleichermaßen zufrieden, sodass natürlich die Wiederauflage im kommenden Jahr eine Selbstverständlichkeit ist.