Wiener Schmäh mit Wormser Zungenschlag

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„Quietsch Fidelio“ mit einer Hommage an Falco

08. Oktober 2016 | Lincoln Theater in Worms:

Rund 18 Jahre ist es her, dass der österreichische Musiker Falco mit seinem Jeep in den Tod raste. Der künstlerische Tausendsassa Peter Englert war zu diesem Zeitpunkt noch ein kleiner Junge und kannte Falcos große Hits allenfalls aus dem Radio. Heute steht Peter Englert auf der Bühne des Lincoln Theaters und hat dem facettenreichen Musiker eine Hommage Band gewidmet, nämlich Quietsch Fidelio.

Zwar würde der Schauspieler und Döftels Sänger Englert in keinem Moment als Falco Double durchgehen, das störte bei dem Auftritt jedoch in keiner Weise. Statt wie viele Coverbands die Songs einfach zu kopieren und auch äußerlich möglichst nah am Original zu bleiben, erlaubten sich die Musiker (Tobias Lensinger, John Evangelium, Johannes Schembs, Matthias Merkel) ihre Freiheiten. Wahrscheinlich hätte der geborene Wiener das sogar gut gefunden. Schließlich wühlte sich der ehrgeizige Musiker durch die stilistische Vielfalt der Populärkultur, um am Ende seinen eigenen musikalischen Gemischtwarenladen unters Volk zu bringen. Das war allerdings nicht immer von Erfolg gekrönt. Falcos Karriere glich einer Achterbahnfahrt. Auf Hits folgten katastrophale Flops, bis hin zur Vergessenheit, aus der er plötzlich wie Phönix aus der Asche auftauchte, ehe er in der Dominikanischen Republik verunglückte. Was bleibt ist sein Werk und Quietsch Fidelio verpassten diesem ein besonderes Gewand. Befreit von so manchen Zierrat, gelang es den Musikern nachdrücklich zu unterstreichen, welches Gespür für Melodien der zu jung gestorbene Musiker hatte. Peter Englert imitierte hierzu ein wenig den Wiener Schmäh und versuchte, sich gesanglich Falco anzunähern. Das gelang nicht immer, verlieh den Songs aber vielleicht gerade deswegen eine ganz besondere Stimmung. Natürlich widmete sich auch die Vorgruppe einem Blick in die Vergangenheit. Mit Patricia Vierheller als Wormser Amy Winehouse groovte sich die Band durch deren Songkatalog und füllte diesen mit diversen Oldies („Cupid“) auf.

FAZIT: Gelungene Werkschau eines ehrgeizigen und innerlich zerrissenen Musikers, der Zeit seines Lebens oft unterschätzt wurde. Falco war mehr als „Jeanny“ und „Rock me Amadeus“, weswegen wohl die beiden Hits an diesem Abend ausgespart blieben.