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Stadt der Baustellen und Umleitungen

Worms, geschichtsträchtige Stadt der Nibelungen, des Domes und des Weines. Worms ist aber auch eine Stadt der ewigen Baustellen, Umleitungen und von merkwürdigen Verkehrsführungen. Dazu kommen demnächst noch drei innerstädtische Parkhäuser, die wegen dringender Renovierungsarbeiten geschlossen werden müssen. Droht nun der Parkkollaps in der Touristenstadt Worms?

Wenn sich die Bürger mal wieder besonders heftig aufregen über Langzeit-Baustellen und damit verbundene hanebüchene Verkehrsführungen, dann kommt zumeist Oberbürgermeister Kissels Lieblingssatz zum Einsatz: „Wenn überall gebaut wird, sieht man wenigstens, dass es in der Stadt voran geht.“ Das mag wohl stimmen und manche Baumaßnahmen sind nun mal unausweichlich, aber die Baumaßnahmen an sich, sind auch gar nicht der Hauptgrund für die Verärgerung vieler Bürger und Geschäftsleute. Da fallen von Anwohnern eher Kritikpunkte wie „mangelnde Unterrichtung durch die Stadt“ oder von Geschäftsleuten „künstlich in die Länge gezogene Baumaßnahmen“. Da wird ein Jahr lang quasi ein kompletter Stadtteil von der Innenstadt abgeschnitten, um eine 500 Meter lange Straße zu erneuern. Dabei muten die hierbei verbauten 1,8 Millionen Euro geradezu lächerlich an im Vergleich zu dem volkswirtschaftlichen Schaden, den man durch eine derart lange Sperrung verursacht. Hauptkritikpunkt dürfte allerdings sein, dass die Koordination der vielen Baumaßnahmen, die sich über die ganze Stadt verteilen, nicht immer die beste ist. Leidtragende sind umsatzgeschädigte Geschäfte, genervte Anwohner und Arbeitgeber, die lange Wartezeiten und mitunter kilometerweite Umwege in Kauf nehmen müssen.

PROBLEM: MARODE PARKHÄUSER
Ein drängendes Problem der Zukunft betrifft aber gar nicht so sehr den fließenden Verkehr, sondern eher den ruhenden. Mit den Parkhäusern Ludwigsplatz, Friedrichstraße und Koehlstraße sind gleich drei dringend sanierungsbedürftig, wobei Letzteres sogar aktuell bereits abgerissen wird. Für knapp sieben Millionen Euro soll hier ein neues Parkhaus mit 345 Stellplätzen entstehen. Damit stimmten die Ratsmitglieder in der letzten Stadtratssitzung für die günstigste von drei Vorschlägen, die die Verwaltung vorgelegt hätte. Die teuerste Variante sollte mit stolzen 12 Mio. Euro zu Buche schlagen. Geplant ist, dass das „Parkhaus am Dom“ (Koehlstraße) im ersten Quartal 2018 fertig ist. Bis dahin kann man mit den Renovierungsarbeiten in der Tiefgarage Ludwigsplatz auf keinen Fall warten. Bereits heute gibt es statische Probleme, so dass auf dem Ludwigsplatz keine größeren Veranstaltungen mehr stattfinden dürfen. Aber was tun mit den dortigen Dauerparkern? Aktuell stehen 110 Dauerparker in der Tiefgarage Ludwigsplatz, hauptsächlich Berufspendler, die in der Innenstadt arbeiten und auf ihr Auto angewiesen sind. Um für diese nach der Schließung einen Ausgleich zu schaffen, wird die Stadt 30 Plätze in der Tiefgarage Friedrichstraße zur Verfügung stellen. Erschwerend kommt aber hinzu, dass auch diese marode ist und ebenfalls auf der Liste der dringend renovierungsbedürftigen Parkhäuser steht, weshalb man zunächst Verstärkungen einbauen muss, um übergangsweise weiterhin die Statik zu gewährleisten. Zusätzlich wird die Stadt 80 Stellplätze im Park-and-Ride-Parkhaus hinterm Bahnhof anmieten, um diese ebenfalls für Dauermieter zur Verfügung zu stellen, die bisher einen Platz in der Tiefgarage Ludwigsplatz gemietet hatten. Das ist aber noch nicht alles, denn im Außenbereich sollen 35 zusätzliche Stellplätze hergerichtet werden, die hauptsächlich für Kurzzeitparker gedacht sind. Auch das wird sich die Stadt etwas kosten lassen. Da das Gebäude hinterm Bahnhof als reines Park-and-Ride-Parkhaus konzipiert wurde, hat das Verkehrsministerium des Landes Rheinland-Pfalz beim Bau einen zweckgebundenen Zuschuss in Höhe von 3,1 Millionen Euro gezahlt. Von daher muss die Stadt, um die Dauerparker des geschlossenen Parkhauses Ludwigsplatz dort unterbringen zu dürfen, eine Art „Ablösegebühr“ in Höhe von 58.000.- Euro ans Land zahlen für den Zeitraum, in dem die Sondernutzung erfolgt. Um weiteren Parkraum zu schaffen, soll auch der Weckerlingplatz bis zur Fertigstellung der Tiefgarage Ludwigsplatz wieder für Parker genutzt werden können. Das freut immerhin knapp 30 Autofahrer, die ab 01.09.2016 zusätzlich dort parken dürfen. Schöner anzusehen war in diesem Touristengebiet zweifelsohne ein autofreier Weckerlingplatz.

SUBVENTIONSGESCHÄFT PARKEN
Interessant ist in diesem Zusammenhang: Für die Tiefgaragen Friedrichstraße und Ludwigsplatz sowie das Parkhaus am Dom in der Koehlstraße sieht der Wirtschaftsplan der Stadt Worms bis im Jahr 2018 zusammen 8,2 Millionen Euro an Sanierungskosten vor. Die tatsächlichen Kosten werden diesen Betrag aber um ein Mehrfaches übersteigen. Alleine das Parkhaus Ludwigsplatz dürfte aufgrund seiner Dimension locker zweistellige Sanierungskosten verschlingen. Für viele ist das ein Fass ohne Boden und weder ökologisch noch wirtschaftlich vertretbar. In Anbetracht renovierungsbedürftiger Schulen und Kindergärten muss die Frage erlaubt sein, warum man so viel Geld in die Hand nimmt, um so etwas Schnödes wie Parkraum zu schaffen. Bliebe noch die Variante, sich einen privaten Betreiber zu suchen. Der jedoch will, wie jeder Unternehmer, sein Parkhaus wirtschaftlich betreiben und würde auf die Tarifstruktur der Stadt wenig Rücksicht nehmen. Es sei denn, die Stadt zahlt Zuschüsse an den privaten Betreiber und subventioniert damit über einen Umweg doch wieder das Parken.

ALTERNATIVEN ZUM AUTO?
Höchste Zeit also, sich Gedanken zu machen über Alternativen zu dem ausufernden Blechwahn. Teilweise ist die Stadt bereits fündig geworden. Neben einem Stadtmobil soll ab 2017 auch ein Fahrradverleih angeboten werden (nähere Informationen auf den beiden Folgeseiten). Das Umdenken muss allerdings in erster Linie in den Köpfen der Bürger stattfinden, ob es unbedingt immer zwingend notwendig ist, mit der Karre bis vors Geschäft, den Hausarzt oder die Bank zu fahren. In Anbetracht ständiger Umleitungen, verbunden mit ewiger Parkplatzsuche, könnte es eigentlich kein besseres Plädoyer fürs Fahrradfahren oder den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel geben. Immerhin sind die Strecken in Worms überschaubar. Und falls Sie doch nicht auf ihr Auto verzichten können/ wollen, dann denken Sie immer daran, was in Worms früher oder später allen blüht: „Die nächste Baustelle kommt bestimmt…“