Willy Wimmer und der Ukraine Konflikt

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Vortrag zu seinem aktuellen Buch „Die Wiederkehr der Hasardeure“

15. Juli 2015
Lincoln Theater in Worms:

Die Ukraine ist weit weg von Rheinhessen. Das ist aber nur die geografische Wahrheit. Zu sehr ist der Konflikt, spätestens seit den Vorgängen auf dem Maidan, auch mit Europa und der USA verbunden. Einer der nicht müde wird, davor zu warnen, ist der ehemalige CDU Bundestagsabgeordnete Willy Wimmer, der seinen wohlverdienten Ruhestand unterbrach, um die Bürgerinnen und Bürger Deutschlands mit einer Vortragsreihe wachzurütteln.

Auch in Worms schaute er vorbei, mit im Gepäck sein aktuelles Buch „Die Wiederkehr der Hasardeure“, in dem es um den brandgefährlichen Konflikt geht. Leider schien das Interesse an Wimmers klugen Einschätzungen in der Nibelungenstadt nicht allzu groß zu sein. Gerade mal 50 Leute fanden sich im Lincoln Theater ein. Die einzige Entschuldigung, die man ob eines solchen Desinteresses gelten lassen könnte, waren die sommerlichen Temperaturen. Diese zogen die Menschen wohl eher in die Natur, als in das Kellergewölbe des Lincoln. WO! traf sich im Vorfeld seines Vortrages kurz mit dem sympathischen Rheinländer.

WO! Herr Wimmer, was treibt Sie, nachdem Sie 33 Jahre im Bundestag waren, an, durch die Republik zu reisen und Vorträge zu halten, anstatt Ihren wohlverdienten Ruhestand zu genießen?
Es ist die aktuelle Situation. Ich dachte tatsächlich, nachdem ich aus Berlin ausschied, „Das war es!“ und ich war auch froh, mit Berlin abschließen zu können. Aber die Situation vom letzten Jahr mit der Ukraine Krise führte dazu, dass ich den Eindruck hatte, dass die Dinge in absolute Schieflage geraten waren. Da das eines meiner ureigensten Themen ist, ich war zuvor ja verteidigungspolitischer Sprecher und befasste mich intensiv mit Konflikten, beschloss ich eine Neuauflage meines Buches. Deswegen bin ich unterwegs.

WO! Zurzeit ist es in den Medien ein wenig ruhiger geworden um die Krise…
Das ist nicht ganz richtig. Tatsächlich kocht es in der Ost-Ukraine wieder hoch und die Nachrichtensender haben auch allerhand Bilder darüber, was dort schief läuft. Wir sehen ja auch, dass der Konflikt sich zurzeit auch Richtung West-Ukraine (es gab vermehrt Konflikte mit den National Gardisten, die zuvor Kiew treu waren, Anm. d. Red.) ausdehnt. Es bleibt weiterhin eine brandgefährliche Situation.

WO! Es gibt Stimmen, die den USA und Europa Recht geben mit ihrer harten Haltung gegenüber Putin, da dieser mit der Annektierung der Krim Völkerrecht gebrochen hätte. Was entgegnen Sie diesen kritischen Stimmen?
Man hätte schlicht und ergreifend den Putsch in Kiew nicht machen dürfen. Die Europäer hatten zwar durchaus vernünftige Pläne für einen ordentlichen Regierungsübergang von Janukowitsch zu irgendeiner anderen Regierung, aber das wurde auf dem Maidan alles weg geschossen. Vor allem durch die Einmischung der Amerikaner wurde alles ins Gegenteil verkehrt. Aber das ist die Wirklichkeit, mit der wir leben müssen. Vor allem darf man nicht vergessen, dass in der Nacht des Maidan Putsch der russischsprachigen Bevölkerung gesagt wurde, ihr gehört nicht zu uns. Meines Erachtens nach, hat uns die Situation mit der Krim davor bewahrt, dass ein viel schlimmerer Krieg entbrannt ist, dadurch, dass die Russen den Putsch nicht mitgemacht haben. Die Absicht der Amerikaner in dem Konflikt war ausdrücklich, auf die Krim zu kommen, um Transporte zwischen Russland und Syrien zu beenden. Das war die strategische Überlegung. Im Übrigen finde ich den Begriff Annektierung in diesem Zusammenhang falsch. Seit wann ist man verpflichtet, einer Putschregierung zu folgen?

WO! Was denken Sie, ist die Motivation Amerikas in diesem Konflikt aktiv mitzuwirken?
Das Ziel ist ganz klar Russland. Es geht darum, Putin wegzubekommen.

Kritische Stimmen sagen in diesem Zusammenhang immer wieder, dass es in all diesen Konflikten, an denen Amerika beteiligt ist, immer wieder darum gehe, den Dollar als Weltwährung zu erhalten und dies mit einer Vormachtstellung zu unterstreichen. Tatsächlich hat Amerika aus seiner geostrategischen Außenpolitik nie einen Hehl gemacht, was im krassen Gegensatz zur Außenpolitik Deutschlands steht. Auch Willy Wimmer verwies an diesem Abend immer wieder darauf. Wie kritisch Amerikas Verhalten zu sehen ist, zeigte Wimmer an einem jüngsten Beispiel, als in Bezug auf die erfolgreichen Verhandlungen bezüglich Teheran der russische Außenminister Lawrow John Kerry auf verschiedene Raketenabwehrprogramme ansprach. Da diese aufgrund der seinerzeit iranischen Bedrohung positioniert worden wären, wäre ja nun die Zeit für Abrüstung, meinte Lawrow. Kerry verneinte das prompt. Er sei kein Anti-Amerikaner, betonte Wimmer an diesem Abend, schließlich hätte diese Nation für uns immer wieder eine bedeutende Rolle gespielt. Aber es müsse auch erlaubt sein, sich kritisch von seinem Partner zu distanzieren. Kritische Worte fand er auch für die Deutsche Presse, die fast schon diktatorische Qualitäten hätte. „Göbbels hatte seinerzeit mit der Presse mehr Probleme, als die Nato mit der Presse heute“. Letztlich habe er im Zusammenhang mit dem Schlamassel der letzten Monate selten eine hilflosere Bundesregierung gesehen wie die derzeitige. Bleibt zu hoffen, dass es auch dort noch ein paar gescheite Köpfe gibt, Willy Wimmer dagegen wird lieber noch ein Weilchen durch die Republik reisen. Zu verdanken war der Abend übrigens dem Engagement des Wormsers Armin Neubecker, der die Idee hatte, Willy Wimmer nach Worms einzuladen.

Fazit: Ein spannender Abend, der von einem nett plaudernden Willy Wimmer moderiert wurde und der deutlich mehr Zuschauer verdient gehabt hätte.