Worms Stück für Stück – Altägyptische Stoffe beweisen, die Antike war bunt
Wie sahen die Menschen in der Antike aus? Hinweise darauf geben uns altägyptische Stoffreste aus der Sammlung des Museums im Andreasstift. Neue wissenschaftliche Untersuchungen (C14) zeigen, dass ein Fragment aus Worms älter ist als gedacht und aus dem Zeitraum zwischen 415–538 n. Chr. somit aus der Spätantike stammt. Das mit einem Palmettenmuster bedruckte Stück ist Teil eines Gewands, welches sich über europäische Museen verteilt: London, u.a. British Museum, Budapest und Lyon. Darüber hinaus sind zeitgenössische Mumienporträts erhalten. Die Porträts zeigen nicht nur Gesichter der Antike, sondern auch Gewandausschnitte.
Doch wie kann es sein, dass Jahrtausende alte Stoffe und Porträts erhalten sind? Aufgrund der klimatischen Bedingungen und des damit einhergehenden besonders trockenen Bodens in Ägypten wird die Erhaltung von fragilem organischem Material begünstigt. Dies wiederum zieht seit jeher viele Sammler und Kunsthändler an. Unsere Stoffreste wie auch Mumienporträts stammen aus dem Gräberfeld bei Achmim. Dem antiken Historiker Strabon nach war die Stadt bereits in griechisch-römischer Zeit ein Zentrum der Textilverarbeitung. Bis heute sind noch vier Webereien in Achmim tätigt.
Wie kommen die Funde zu uns nach Worms? Der Straßburger Museumsleiter Robert Forrer (1866–1947) verkaufte nach seiner Ägyptenreise sein Forschungsmaterial an unterschiedliche Museen in Europa, so erwarb der Wormser Altertumsverein zwischen 1891–1894 unterschiedliche Exponate. Ziel war die Erweiterung der Vielfalt der Sammlung. Das besagte Stück ist nun für einen Monat im Museum der Stadt Worms im Andreasstift zu bestaunen.

Text: Jennifer Trenkel
Bild: Museum Andreasstift, Claudia Weissert




