HipHop, Jazz und Seelenfutter

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Kultursplitter April 2016

Während sich die Freiluftsaison in großen Schritten nähert, präsentierte sich der April nochmal von seiner kraftvollen Seite und demonstrierte mit launigen Wetterkapriolen, dass er eben macht was er will. Für die Veranstalter sollte das nicht von Nachteil sein. Noch einmal trieb es die Leute in großen Massen in das Theater, in Weinlokale, Museen und mehr.

Das Nachsehen hatten einige Veranstaltungen unter freien Himmel, wie die Eröffnung der Weinrast in Mölsheim, die zum Teil bei frostigen Temperaturen durchgeführt werden musste und bei denen wohl Glühwein angenehmer gewesen wäre als ein feiner Riesling. Wohl dem, der sich im kuschelig Warmen aufhielt. Kuschelig warm war es zum Beispiel in Filippo Borgnolos Weinladen am Weckerlingplatz. Seit einem Jahr betreibt der Italiener das Traditionshaus der Familie Valckenberg als Weinbar. Für die passende musikalische Untermalung sorgte am 01. April die regional bekannte Jazz Combo Leiningerland Band. Mit präzisen Tönen, dem Mut zur Improvisation und dem richtigen Beat im Blut lieferten sie die passende Atmosphäre. Wem das zu elitär war und wem der Sinn mehr nach geerdeter Folk Musik stand, der kam im Carrolls Irish Pub auf seine Kosten. Dort sorgte die Band The Dullahans für eine frische Prise von der grünen Insel. Zahlreiche Irland-Fans folgten deren Ruf und feierten stilecht mit Kilkennys und Cidre. Ob die Atmosphäre stimmte oder nicht, darüber gingen bei der Theateraufführung des großen Bizet Klassikers „Carmen“ die Meinungen auseinander. Am 02. April gastierte das Odyssee Dance Theatre aus Salt Lake City im Wormser Theater und irritierte mit wummernden Beats, breitem amerikanischen Akzent und einer, vorsichtig formuliert, sehr eigenwilligen Interpretation des Stückes. Vielleicht war der WO! Rezensent einfach zu alt, um dem jugendlichen Hip Hop Treiben diverser Tanzschüler, die um eine Rolle in der gleichnamigen Oper buhlten, mit der erforderlichen Aufmerksamkeit zu folgen. Außerdem suchte der kleinliche Schreiber vergebens die aparte Schönheit, die auf dem Plakat ihr schönes Bein entblößte. Stattdessen gab es launige Gören im stylishen HipHop Dress und echte American Dream Boys mit Six Pack. Da konnte man schon mal neidisch werden. Aber wie heißt es so schön, die Feder ist mächtiger als das Schwert. Ganz in diesem Sinne begeisterten einmal mehr im Lincoln Theater junge Menschen mit ihrer Kunst der schönen Worte. Angetreten waren sie einmal mehr, um beim Poetry Slam (07. April) um die Gunst des Publikums zu dichten. Natürlich konnte am Ende nur eine gewinnen und das war die junge Wortakrobatin Özge Cakirbey. Kraftvoll und mit beeindruckender Präsenz trug sie einen Hauch von Rebellion in den ehemaligen Kinosaal („Ich bewundere, wer die Rosie Parks unserer Generation ist. Nur 20 Sekunden Mut, um meine Nummer auf deine Rechnung zu schreiben“). Außer Konkurrenz trat Musiker Jakob Mayer auf. Mayer, der bereits bei der „Stille Töne“ Reihe begeisterte, zeigte wieder einmal, dass Humor und Singer Songwriter Attitüden sich nicht ausschließen müssen. Wer es in diesem Monat noch kultivierter mochte, war im Heylshof Museum an der richtigen Adresse, denn dort wurde zu einer besonderen Vernissage geladen. Gezeigt wurden / werden Skulpturen und Zeichnungen der Künstler A.R. Penck und Ernesto Marques (Die Ausstellung kann noch bis zum 22. Mai besucht werden). Zwar bedienen sich die beiden Künstler unterschiedlichen Techniken, was beide eint, ist jedoch die figürliche Abstraktion, man könnte auch sagen, ein „angenehmer Hang zum Minimalismus“. Parallel zu dieser Ausstellung sorgte der Monsheimer Fotograf Konstantin Killer vom 04. bis 29. April im Wormser Kulturzentrum für Einblicke in eine andere Welt. Mit seinen üppig bebilderten Unterwasserfotografien wurde er 2014 zum Deutschen Meister gekürt. Wem der Sinn einfach nach kulinarischer Kunst stand, konnte sich auf dem ersten Tourstopp der Street Food Tour am 16. und 17. April so richtig satt essen. Das Ambiente auf dem Festplatz glich dabei mehr Woodstock als einer gepflegten Essstraße. Es wird wohl das Geheimnis der Veranstalter bleiben, warum aus der Futterstraße eine Wagenburg mitten im Schlamm wurde. Angeboten wurden vor allem Burger und Pulled Pork Sandwiches in allen erdenklichen Variationen. Dazwischen gab es Gewöhnungsbedürftiges, wie frittierte Pizzen oder Schokoriegel, ein Strudelhaus, frisch zubereitete Maultaschen für 4,50 Euro das Stück oder die exotische Küche Guna Upul Samantes, der mit singalesischer Küche begeisterte. Bei einer Wiederholung wäre das Vergnügen ohne die Nutzung von Gummistiefeln sicherlich größer. Nach diversen exzentrischen Wetterausreißern inklusive Schnee, Graupel und bitterer Kälte, zeigte sich am Ende des Aprils schließlich die Sonne wieder und gewährte einen dezenten Ausblick auf einen hoffentlich sonnigen Frühling.