WAS DIE KANDIDATEN ZU SAGEN HABEN…
Die WO! Direktkandidaten – Fragerunde zur Landtagswahl RheinlandPfalz 2026
Kurzbiografien der Wormser Kandidaten:
DIRK BEYER (SPD): Dirk Beyer wurde 1978 in Worms geboren, wo er auch das Abitur machte und bis heute lebt. Nach dem Abitur studierte er in Mainz Politikwissenschaft und Strafrecht. Im Anschluss war er viele Jahre hauptberuflich für den ASB tätig, wo u.a. den Wünschewagen mit aufbaute. 2020 wechselte er hauptamtlich zur SPD Worms, für die er sich zuvor auch schon ehrenamtlich engagierte, und übernahm die Geschäftsstelle. Für die SPD sitzt er seit 2014 im Stadtrat. 2025 folgte schließlich der Sprung in den Mainzer Landtag, wo er das Mandat von Jens Guth übernahm.
BJÖRN KRÄMER (CDU): Björn Krämer wurde 1990 in Worms geboren und wuchs in Rheindürkheim auf. Nach seinem Abitur in Worms absolvierte Krämer eine Lehre zum Bankkaufmann. Heute arbeitet er als selbständiger Vermögensberater. 2009 begann er, sich ehrenamtlich für die CDU Rheindürkheim zu engagieren. In seinem Heimatort wurde er 2019 zum Ortsvorsteher gewählt. 2024 wiedergewählt, möchte er auch nach einem potentiellen Einzug in den Landtag das Amt des Ortsvorstehers weiter begleiten.
THORSTEN ENDRESS (AFD): Thorsten Endreß wurde 1977 geboren und wuchs im hessischen Hainstadt auf. Seit seinem 14. Lebensjahr lebt er in Worms und schloss hier eine Ausbildung zum Arzthelfer ab. Viele Jahre engagierte er sich ehrenamtlich im Sanitätsdienst für den ASB. Seit 2018 ist er Mitglied bei der AfD, für die er auch seit 2024 im Wormser Stadtrat sitzt. 2025 bewarb er sich um das Direktmandat für den Deutschen Bundestag, unterlag jedoch Jan Metzler.
CAROLIN CLOOS (DIE GRÜNEN): Geboren 1990 in
Worms, absolvierte Carolin Cloos nach dem Abitur in ihrer Heimatstadt in Ulm das Studium der Zahnmedizin. Nach erfolgreichem Abschluss war sie bis 2022 als angestellte Zahnärztin tätig. Politisch engagiert sie sich seit 2020 für Bündnis 90/Die Grünen. 2024 wurde sie Mitglied des Wormser Stadtrates.
WO! POLITIK LANDTAGSWAHL 2026 9
GEORG NIPPERT (FDP): Georg Nippert wurde 1954 in Wuppertal geboren. Nippert absolvierte erfolgreich ein Studium zum Diplom Physiker. Heute arbeitet er als freiberuflicher Senior Projektmanager mit den Schwerpunkten ITOrganisations und Infrastrukturprojekte sowie als Trainer. Politisch engagiert er sich seit vielen Jahren für die FDP. Aufmerksamkeit erregte er 2024 mit einem Offenen Brief an die Berliner Parteiführung, der mit mehreren anderen unzufriedenen Parteikollegen verfasst wurde.
CARA HORSCH (DIE LINKE): Cara Horsch wurde 1996 in Worms geboren und arbeitet als Erzieherin innerhalb einer Krippe in Worms. Ihr Interesse für soziale Gerechtigkeit führte schließlich dazu, dass sie sich auch politisch engagierte. Seit 2025 ist sie Mitglied des Wormser Stadtverbands von Die Linke.
WO! Was sind für Sie aktuell die drei wichtigsten landespolitischen Themen?
DIRK BEYER: Bildung, medizinische Versorgung und die finanzielle Ausstattung der Kommunen. Im Bildungsbereich geht es um gute Bildung von Anfang an, um ausreichend Fachpersonal, moderne Schulen und Kitas und gleiche Chancen für alle Kinder. Deshalb werden wir die Sprachförderung massiv ausbauen und kostenfreie Arbeitsmaterialien für alle Kinder einführen. Das entlastet Familien spürbar. Die medizinische Versorgung steht unter Druck. Wir werden dem Ärztemangel begegnen, Kliniken entlasten und eine wohnortnahe Versorgung sichern. Medizinische Versorgungszentren sind in der ambulanten Versorgung der Schlüssel. Gleichzeitig sind finanziell handlungsfähige Kommunen entscheidend, um Infrastruktur und Zukunftsinvestitionen vor Ort dauerhaft zu sichern.
BJÖRN KRÄMER: Bildung und beste Chancen: Unsere Schulen müssen zukunftsfest gemacht werden! Dazu gehören mehr Lehrkräfte, eine bessere Ausstattung und gezielte Förderung der Grundkompetenzen. Jeder junge Mensch soll unabhängig von Herkunft und Wohnort die bestmögliche Ausbildung erhalten. Ordnung und Sicherheit: Geordnete und begrenzte Migration ist entscheidend für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wir brauchen klare Regeln, konsequente Rückführung bei fehlendem Bleiberecht und zielgerichtete Integration für die, die bleiben dürfen. Wirtschaftsstärke und Arbeitsplätze: Der Mittelstand muss gestärkt, bürokratische Hürden abgebaut werden. Der Standort RheinlandPfalz muss für Investitionen attraktiv bleiben. Nur so können wir Arbeitsplätze sichern und Wohlstand erhalten.
THORSTEN ENDRESS: Die für mich drei wichtigsten Themen der Landespolitik in RheinlandPfalz sind unter anderem Wirtschaft und Strukturpolitik: Insbesondere die Förderung von Mittelstand, Industrie und Weinbau sowie der Umgang mit dem demografischen Wandel. Bildung und Fachkräfte: Von Kitas
über Schulen bis zur beruflichen Ausbildung und Hochschulen. Medizinische Versorgung: Dieses Thema liegt mir sehr am Herzen, weil es die Gesundheit und Lebensqualität der Bevölkerung direkt beeinflusst. Ziel ist es, eine flächendeckende und wohnortnahe Versorgung sicherzustellen – sowohl in Städten als auch in ländlichen Regionen. Gerade dort ist der Erhalt von Hausarztpraxen, Krankenhäusern und Rettungsdiensten eine große Herausforderung.
CAROLIN CLOOS: Erstens der konsequente Klimaschutz, um RheinlandPfalz klimaneutral, zukunftsfest und wirtschaftlich stark aufzustellen. Zweitens der soziale Zusammenhalt, der durch bezahlbaren Wohnraum, gute Bildung, verlässliche öffentliche Infrastruktur und gleiche Lebens
verhältnisse in Stadt und auf dem Land gestärkt wird. Drittens stehe ich für eine offene und vielfältige Gesellschaft, die Integration fördert, Diskriminierung bekämpft und unsere Demokratie aktiv verteidigt.
CARA HORSCH: Unser Fokus liegt auf den Themen Wohnen, Gesundheit und konsequenter Antifaschismus. Wir fordern eine Sozialbauquote von 40 % und das Prinzip: Einmal Sozialwohnung, immer Sozialwohnung. Um Mieten dauerhaft zu senken, müssen wir Mietwucher bekämpfen und große Konzerne wie Vonovia
enteignen. Im Gesundheitswesen steht die Rückführung von Kliniken in öffentliche Hand und der Stopp von Schließungen an oberster Stelle. Wir brauchen gesetzliche Personalschlüssel und höhere Löhne für Pflege und Rettungsdienst. Diese soziale Sicherheit verbinden wir mit der Verankerung des Antifaschismus als Ziel in der Landesverfassung sowie dauerhafter Förderung für Bündnisse gegen Rechts. Nur soziale Gerechtigkeit entzieht rechter Hetze den Boden.
GEORG NIPPERT: Ein Thema ist die Verschuldung der Städte und Kommunen durch immer höhere Verpflichtungen von Land und Bund. Geld ist grundsätzlich vorhanden – nur eben nicht dafür, dass Städte und Kommunen ihre auferlegten Pflichten auch erfüllen können. Hier sollte gelten: ‚Wer bestellt muss auch zahlen‘. Zudem braucht RheinlandPfalz eine starke, selbstbewusste und glaubwürdige Liberale Partei, die die liberalen Grundwerte Eigeninitiative, Eigenverantwortung und Hilfe für die, die Hilfe benötigen, auch glaubhaft vermittelt. Ein weiteres Thema ist für mich das inhomogene Gesundheitssystem vor allem im ländlichen Raum. Wenn wir Millionen für die Ansiedelung von Unternehmen ausgeben, sollten wir auch die Mittel dazu finden, in der Fläche attraktive Bedingungen zur Verbesserung der ärztlichen Versorgung zu gewährleisten.
WO! Ein Problem ist die finanziell immer noch schlechte Ausstattung der Kommunen. Wie kann durch die Landespolitik dieses Problem gelöst werden?
DIRK BEYER: Das Land hat die Kommunen finanziell immens unterstützt. Die Hälfte der Altschulden wurde übernommen und der kommunale Finanzausgleich wurde neugestaltet. Außerdem fließen durch die enorme Aufstockung der Mittel des Sondervermögens mit dem „RheinlandPfalz
Plan“, den die SPD geführte Landesregierung in enger Abstimmung mit den Kommunalen Spitzen auf die Beine gestellt hat, in den kommenden Jahren insgesamt nochmal rund 101 Millionen Euro mehr nach Worms. Eine noch nie da gewesene Unterstützung für Investitionen in Bildung, Klima und Infrastruktur. Wir können vor Ort entscheiden, wo wir den Schwerpunkt setzen wollen. Das gibt uns sehr viele Möglichkeiten zu gestalten und genau da in unsere Stadt zu investieren, wo wir es für richtig halten.
BJÖRN KRÄMER: Kommunen sollen wieder handlungsfähig werden, damit sie vor Ort investieren, gestalten und verlässlich für die Menschen da sein können. Dafür muss das Land seiner Verantwortung endlich gerecht werden. Die CDU RheinlandPfalz setzt sich für eine faire und aus
kömmliche Finanzausstattung der Kommunen ein. Dazu gehört, die kommunalen Finanzen regelmäßig ansteigenden Ausgaben und neuen Anforderungen anzupassen. Das Land muss die Städte und Gemeinden besser unterstützen, damit sie ihre Aufgaben zuverlässig erfüllen können. Neue gesetzliche Vorgaben dürfen nicht länger ohne ausreichende finanzielle Mittel auf die Kommunen abgewälzt werden. Die Verteilung der Finanzmittel muss nachvollziehbar, gerecht und planbar ausgestaltet werden.
THORSTEN ENDRESS: Einen Plan zur Lösung des Problems habe ich nicht und jemand anderes auch nicht! Das Land muss die Kommunen ordentlich ausgleichen, was jedoch nicht gelingt. Auch diverse Landesprogramme der momentanen, SPD geführten Landesregierung in RheinlandPfalz bringt keine Besserung. Es muss gespart werden, die Landesregierung ist jedoch nicht bereit, diesen Schritt gegenüber der Bundesregierung durchzusetzen. Der Bund muss endlich aufhören, noch vorhandenes Steuergeld in der Welt zu verteilen und die Landesregierung muss sich konsequent um das Thema Zuwanderung und deren Kosten kümmern.
CAROLIN CLOOS: Die finanzielle Lage der Kommunen kann nur durch ein Zusammenspiel aller staatlichen Ebenen verbessert werden. Wir setzen uns auf Bundesebene dafür ein, dass der Bund seiner Verantwortung nachkommt. Etwa durch ein verbindliches Konnexitätsprinzip, wer bestellt bezahlt, und eine stärkere Beteiligung an der Übernahme kommunaler Altschulden. In RheinlandPfalz haben wir mit dem Entschuldungsprogramm, Investitionsprogrammen wie KIPKI sowie dem neuen Kommunalen Finanzausgleich, bereits wichtige und unbürokratische Entlastungen geschaffen. Daran wollen wir anknüpfen. 2026 werden wir den Ausgleich evaluieren und mit den Kommunen weiterentwickeln, damit Mittel tatsächlich bedarfsgerecht ankommen.
CARA HORSCH: Wir wollen die finanzielle Ausstattung der Kommunen durch mehr Unterstützung des Landes verbessern. Zentrale Maßnahmen sind die konsequente Durchsetzung des Konnexitätsprinzips („Wer bestellt, bezahlt“), ein Schuldenschnitt für kommunale Altschulden und eine Gemeindefinanzreform, bei der Mittel stärker nach Bedürftigkeit verteilt werden. Straßenausbaubeiträge sollen abgeschafft und vom Land übernommen werden. Auch die Kosten der „Hilfe zur Teilhabe“ (SGB IX) sollen künftig das Land tragen. Zudem wollen wir kommunale Pflichtaufgaben ausweiten, beispielsweise auf Jugendzentren und feministische Schutzmaßnahmen. Kommunen, die für mehr Mittel klagen, werden politisch und juristisch unterstützt.
GEORG NIPPERT: Wer hier eine einfache Lösung erwartet, wird sicher bitter enttäuscht werden. Leider gibt es Gründe für diese Situation, die außerhalb der Einflusssphäre der Kommunen liegen. Aber ich bin überzeugt, dass auch die Kommunen ihre Möglichkeiten noch nicht zur Genüge ausgeschöpft haben. Der Weg, die Bürger immer mehr zur Kasse zu bitten, ist mit Sicherheit ein Irrweg. Aber z.B. Worms – eine der hochverschuldeten Gemeinden – hat es sich erlaubt, mehrmals die Schaffung eines Gewerbegebietes abzulehnen. Stattdessen wurde mit dem Salamandergelände ein Sahnestück für städtischen Belange verwendet. Desgleichen ließe sich die Frage stellen, ob die Hauptverwaltung der Sparkasse wirklich umziehen muss…. Und zu dem Teil der Ausgaben, die von Bund und Land auf die Städte abgewälzt werden, kann ich nur sagen: ‚Wer bestellt, soll auch zahlen!‘
WO! Welche Probleme in der Bildungspolitik wollen Sie wie lösen?
DIRK BEYER: Bildung ist für mich als Vater und als Politiker wichtig. Bildungsgerechtigkeit gelingt nur, wenn Bildung von Anfang an gebührenfrei bleibt und konsequent weitergedacht wird. Dafür stehen wir als SPD, das ist unser Versprechen. Dazu gehört zum Beispiel die Einführung der Lernmittelfreiheit. Bücher und Arbeitshefte sind damit für Schülerinnen und Schüler kostenfrei. So werden Familien mit zwei Kindern im Lauf der Schulzeit um rund 2.500 Euro entlastet. Auch der bedarfsgerechte Ausbau der Ganztagsbetreuung sowie eine verlässliche Unterstützung der Kommunen beim Bau und der Sanierung moderner Schulen und Kitas sorgen für ein gutes Bildungsangebot. So schaffen wir gute Chancen für alle Kinder.
BJÖRN KRÄMER: RheinlandPfalz schneidet bei Bundesvergleichen im Bildungsbereich nur mittelmäßig oder unterdurchschnittlich ab. Ein hoher Unterrichtsausfall, mangelnde technische sowie bauliche Ausstattung sind auch Gründe für weiter abnehmende Grundkompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Wir als CDU RheinlandPfalz wollen die Qualität und Verlässlichkeit an unseren Schulen verbessern. Wir setzen uns dafür ein, mehr Lehrkräfte zu gewinnen, gezielt Grundkompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen zu stärken und unsere Schulen besser auszustatten. Besonders wichtig sind uns eine moderne, digitale Infrastruktur und eine gezielte Sprachförderung für zugewanderte Kinder. Das Ziel muss sein, ALLEN Kindern die besten Bildungschancen zu bieten.
THORSTEN ENDRESS: Bildungspolitik ist nicht mein Steckenpferd, jedoch mangelt es generell an Lehrkräften. Wir brauchen, wie auch im Gesundheitswesen, dringend fähiges Personal, was den Beruf nicht als Arbeit sieht, sondern als Berufung! Wünschenswert wäre ein bundeseinheitlicher Lehrplan für alle Schularten und Jahrgänge. Volle Digitalisierung der Lehrbücher und kostenlosen Zugang für alle Schülerinnen und Schüler. Wie das ganz zu realisieren ist, habe ich schon in einer anderen Frage beantwortet.
CAROLIN CLOOS: Bildung ist für mich die zentrale Zukunftsfrage. Wir wollen die Chancengerechtigkeit stärken, frühkindliche Bildung ausbauen und reibungslose Übergänge von Kita über Schule bis Beruf oder Studium ermöglichen. Kitas und Schulen sollen beitragsfrei bleiben, mehr Personal erhalten und besser ausgestattet werden. Wir setzen auf individuelle Förderung, Teilhabe und niedrigschwellige Bildungsangebote, die niemanden benachteiligen. Eines ist mir dabei besonders wichtig: eine verlässliche Ganztagsbetreuung, damit Eltern Alltag, Beruf und Familie sorgenfrei vereinbaren können.
CARA HORSCH: In RheinlandPfalz entscheiden noch immer Postleitzahl und Einkommen über den Bildungserfolg. Ich will Schulen zu echten sozialen Schutzräumen machen. Das bedeutet: Weg vom ZweiSäulenSystem, das Kinder nach der vierten Klasse abstempelt, hin zu längerem gemeinsamem Lernen für alle. Wir brauchen einen massiven Ausbau echter Ganztagsschulen mit Zeit für Hobbys und individuelle Förderung. Das Herzstück muss eine Personaloffensive sein: Wir brauchen kleinere Klassen und multiprofessionelle Teams aus Sozialarbeit und Psychologie direkt vor Ort. Finanziert durch eine gerechte Landesförderung nach Sozialindex, wird Bildung so vom Privileg zum echten Ticket aus der Armut.
GEORG NIPPERT: Ein großes Thema ist ganz sicher die Frage der Schulreife und der Sprachkompetenz. So muss die Vermittlung von Deutsch schon im Vorfeld mit hoher Priorität stattfinden. Dass die Schule die letzten Jahrzehnte das (erfolglose) Experimentierfeld mancher Bildungspolitiker war, macht die Sache nicht besser. Schule braucht – wie die Wirtschaft auch – stabile Randbedingungen. Wenn die Stundenpläne immer weiter ausgedünnt werden, darf sich niemand über das Abschneiden bei PISA wundern. Zudem muss in der Schule der Grundsatz ‚Fördern durch fordern‘ wieder mehr Beachtung finden.
WO! Was sind Ihre Schwerpunkte beim Thema Asyl und Migration?
DIRK BEYER: Aufgrund des demographischen Wandels sind wir auf Migration angewiesen. Wir brauchen Fachkräfte, unter anderem im sozialen und pflegerischen Bereich. Bei der Integration müssen wir noch besser und durch den Abbau von Bürokratie auch schneller werden. Da haben wir bereits im Land die richtigen Weichen gestellt. Wer legal zu uns kommt und sich an die Regeln hält, sollte eine Perspektive haben, wenn er sich durch Bildung oder Arbeit ein eigenständiges Leben aufbaut. Durch das Angebot von Sprachkursen und guten Arbeitsplatzangeboten gelingt das. Lasst uns Integration als Chance begreifen: Eine gelingende Integration stärkt uns als Gesellschaft, stärkt die Wirtschaft und stärkt das Miteinander.
BJÖRN KRÄMER: Wir wollen eine geordnete, steuerbare und begrenzte Zuwanderung. Illegale Migration muss konsequent reduziert, Rückführungen abgelehnter Asylbewerber schneller umgesetzt und Integration gezielt gefördert werden – durch Sprachkurse, klare Regeln und Teilhabe am Arbeitsmarkt. Diejenigen, die bei uns bleiben dürfen, müssen auch spüren, dass sie gewollt und gebraucht werden. Unser Anspruch ist ein starker Rechtsstaat, der Humanität und Ordnung verbindet sowie sozialen Zusammenhalt und Sicherheit in RheinlandPfalz fördert.
THORSTEN ENDRESS: Das Thema Asyl und Migration ist kein Schwerpunktthema für die derzeitige Landesregierung in RheinlandPfalz unter SPD, CDU und Co. Auch wenn es sich komisch anhört, bin ich bei diesen Themen aber 100% konservativ und setze mich dafür ein, dass die Landesregierung in RheinlandPfalz die immensen Kosten für Unterbringung und Verpflegung von Asylsuchenden auf ein Minimum reduzieren und konsequent und effektiv abschiebt. Wer Asyl sucht, muss sich ausweisen können und seine Bereitschaft zur Integration zeigen, dazu gehören Sprache und Arbeit. Nur wer auch zum Wohle Deutschlands beiträgt, kann bleiben. Wer straffällig wird, hat sein Bleiberecht mit sofortiger Wirkung versagt und muss das Land verlassen.
CAROLIN CLOOS: Ich setze auf eine menschenrechtsbasierte und solidarische Migrationspolitik. RheinlandPfalz kann und soll Schutz für Menschen bieten, die vor Krieg, Verfolgung und Klimakatastrophen fliehen. Wir wollen Landesaufnahmeprogramme für besonders schutzbedürftige Menschen und unterstützen Kommunen, die Geflüchtete aufnehmen. Eine gute Unterbringung sowie psychosoziale Beratung in Erstaufnahmeeinrichtungen sind für uns selbstverständlich. Integration stärken wir durch Sprach, Bildungsund Arbeitsmarktangebote, damit Teilhabe von Anfang an gelingt. Abschiebungen von Kindern sowie in Kriegs und Krisengebiete lehne ich ab.
CARA HORSCH: Ich setze mich für eine Migrationspolitik der Menschenwürde ein und fordere ein Ende des harten AbschiebeTrends in RheinlandPfalz. Familientrennungen und Abschiebungen müssen gestoppt werden, denn Integration braucht Sicherheit statt Angst vor Abschiebehaft. Die Bezahlkarte lehne ich strikt ab: Sie ist reine Symbolpolitik zur Schikane, die Menschen entmündigt und ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben blockiert. Wer Schutzsuchende als Sündenböcke missbraucht, will oft nur von Sozialabbau, Angriffe auf Arbeitnehmerrechte und steigenden Mieten ablenken. Mein Ziel ist echte Solidarität, die die Reichen in die Pflicht nimmt, damit für alle genug da ist, unabhängig von der Herkunft.
GEORG NIPPERT: Danke, dass Sie schon in der Frage zwischen Asyl und Migration unterscheiden. Hier wurden seit dem historischen ‚Wir schaffen das‘ vieles versäumt. Es ist zum Beispiel überhaupt nicht einzusehen, weshalb Asylbewerber nicht arbeiten DÜRFEN. Aber zurück zum Thema: Ja, Asyl ist
eine humanitäre Pflicht – das darf aber in der Umsetzung nicht bedeuten, dass es keine Grenzen gibt. Auch der stabilste Staat hat natürlich nur eine begrenzte Aufnahmekapazität. Das müssen wir akzeptieren – lieber einer begrenzten Anzahl wirksam helfen, als zu viele nicht versorgen zu können. Zudem ist die Dauer von Asylverfahren definitiv zu lang. Die gelebte Praxis, dass abgelehnte oder auch kriminell Gewordene nur mit großer Mühe abgeschoben werden können, ist zu ändern. Bei der Migration sieht es etwas anders aus – die könnten wir – wenn wir es nur wollten – tatsächlich steuern. Es steht außer Frage, dass Fachkräfte fehlen und dass wir diese auch aufnehmen sollten. Auch hier stehen wir uns selber im Weg – es dauert unerträglich lange, bis deren Abschlüsse und Ausbildung anerkannt werden. Und sowohl bei Asylanten als auch bei Migranten muss das schnelle Erlernen der deutschen Sprache als unabdingbare Bedingung stehen.
Fotos: Pressefotos der jeweiligen Parteien (SPD; ©Susie Knoll)
Titelbild: Land RLP














Dennis Dirigo