Zwischen Bots, Botfarmen und Botnetzwerken

Eine Pressemitteilung der Stadt Worms:

Ganz gespannt lauschten die Besucher des Vortrags „Botfarmen und wie sie die Meinungsbildung im digitalen Raum beeinflussen“ am 5. Mai den Ausführungen von Prof. Dr. Elisabeth Drayer. Die Expertin erläuterte die Funktionsweise und Gefahren von Bots – insbesondere im Zusammenspiel mit Künstlicher Intelligenz.

Die Cyber-Security-Expertin, die seit 2025 als Professorin an der Hochschule Worms berufen ist, definierte zunächst, was Bots sind: autonom agierende Programme, die häufig im Internet aktiv sind. Anschließend erklärte sie, wo Bots bereits heute zum Einsatz kommen – vor allem in den sozialen Medien. Das Ziel der Bots ist dabei die systematische Beeinflussung von Meinungen und deren Verbreitung. Gepaart mit falschen oder irreführenden Informationen verbreiten die Bots gezielt Desinformationen und erhöhen deren Sichtbarkeit durch künstlich erzeugte Reaktionen. Diese hybride Bedrohung stellt insbesondere für demokratische Staaten eine Gefahr dar, da sie die freie Meinungsbildung beeinflusst und manipuliert.

Ein zentrales Problem bei der Verbreitung solcher Fake News besteht laut Drayer darin, dass diese mittlerweile Teil der Wertschöpfungskette sozialer Medien geworden sind. Je schockierender, kontroverser und emotionalisierender ein Beitrag ist, desto größer sind Reichweite und Werbeeinnahmen. Für manche Content Creator ergibt sich daraus ein lukratives Geschäftsmodell: Mithilfe von Bots und Botfarmen steigern sie die Reichweite ihrer Inhalte und erzielen dadurch höhere Einnahmen. So entsteht eine sogenannte „Desinformation Economy“.

Die Expertin unterscheidet zwischen Botfarmen und Bot-Netzwerken. Beiden gemeinsam ist ein sogenannter „Command & Control Server“, über den die Betreiber die Bots steuern. Diese Botformen seien jedoch noch vergleichsweise leicht zu erkennen. Schwieriger werde es bei KI-Schwärmen: Hier ist die Künstliche Intelligenz darauf programmiert, möglichst glaubhaft einen echten Menschen vorzutäuschen. Sie lernt von Interaktionen, passt sich menschlichen Verhaltensweisen an und verfügt sogar über eine eigene Identität und ein eigenes Gedächtnis. Solche weiterentwickelten KI-Agenten sind nicht nur schwerer zu erkennen, sie können auch vielfältige und kontextbezogene Inhalte erzeugen. Ihr Ziel bleibt jedoch gleich: die gezielte Beeinflussung der Meinungsbildung und die Erzeugung eines künstlichen Konsenses. Genau darin sieht Drayer die größte Gefahr, da unabhängige Stimmen – eine zentrale Grundlage des demokratischen Diskurses – verdrängt werden können.

Eine wirklich zufriedenstellende Lösung gegen Bots und ihre Akteure gibt es bislang nicht. Polizeiliche Maßnahmen können meist nur punktuell greifen, spezielle Task Forces kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn staatliche Akteure hinter den Aktivitäten vermutet werden. Auch die Plattformen selbst gehen nur begrenzt gegen Bots vor, da diese mittlerweile Teil ihres Geschäftsmodells geworden sind. Die Europäische Union versucht durch den „Cyber Resilience Act“ und den „Digital Services Act“ gegenzusteuern, ist dabei jedoch auf die Mitwirkung der Plattformbetreiber angewiesen.

Was hilft also gegen Bots und ihren Einfluss in der digitalen Meinungsbildung? Für Prof. Dr. Elisabeth Drayer ist die Antwort eindeutig: ein kritischer Umgang mit Informationen. Ebenso wichtig sei ein verantwortungsvoller Umgang mit den eigenen vernetzten Endgeräten. Bots seien oft näher, als man denke. Grundsätzlich kann jedes internetfähige Gerät Ziel von Schadsoftware und so Teil eines Botnetzwerks werden. Daher empfiehlt die Expertin, nicht nur Smartphones und Tablets regelmäßig zu aktualisieren, sondern auch andere smarte Geräte – von der Kaffeemaschine bis zur TV-Box.