DER KAMPF UMS RATHAUS HAT BEGONNEN
Stephanie Lohr und Timo Horst bewerben sich um das Amt des Oberbürgermeisters bzw. Oberbürgermeisterin Worms
Als Oberbürgermeister Adolf Kessel am 29. April per Pressemitteilung darüber informierte, dass er zum 31.12. in den Ruhestand wechseln wird, wurde zeitgleich auch der Termin zur vorgezogenen Oberbürgermeisterwahl bekanntgegeben. Am 13. September haben rund 60.000 wahlberechtigte Wormser die Möglichkeit, darüber zu entscheiden, wer am 1. Januar 2027 die Amtsgeschäfte im Rathaus übernimmt. Seit Mai stehen mit Stephanie Lohr (CDU) und Timo Horst (SPD) schon einmal zwei Namen fest sowie eine Partei, die definitiv keinen Kandidaten ins Rennen schicken wird.
Eigentlich hätte die neue Amtszeit des noch unbekannten Stadtoberhauptes regulär erst am 1. Juli 2027 begonnen. Bekannt war bereits, dass Ende Oktober / Anfang November die dazugehörigen Wahlen stattfinden sollten. Doch dann kam alles ganz anders. Kessel verkündete sein vorzeitiges Ausscheiden und somit war der Wahlkampfring eröffnet. Die Stadtratssitzung, in der Kessel den Rat über seine Pläne informierte, war kaum vorbei, da teilte die Stadtratsfraktion der Grünen bereits mit, dass sie keinen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken werde. Vielmehr möchte man Gespräche mit den potentiellen Bewerbern führen, um zu klären, wen sie öffentlich unterstützen werden. Klar ist natürlich, dass diese Entscheidung ein Preisschild haben dürfte. Ebenso dürfte klar sein, dass dieser Preis im Kontext mit dem Stadtvorstand stehen wird. Ob die Kandidaten wiederum entsprechende Gespräche führen möchten, bleibt abzuwarten. Einen Kandidaten, bei dem überhaupt noch nicht klar ist, ob es ihn geben wird, schließen allerdings die Wormser Grünen von vorneherein aus – und nein, es ist erstaunlicherweise nicht der potentielle AfDBewerber, sondern betrifft den Verein „Worms will weiter“. „Das Abstimmungsverhalten und die Unberechenbarkeit ihrer Stadtratsfraktion passt aus Sicht der Grünen in zentralen Fragen nicht zu den eigenen Werten“, lässt die Fraktion wissen und ergänzt: „Wer den Klimaschutz hintergeht und beim Feminismus blockiert, kann nicht mit unserer Unterstützung rechnen.“ Weiterhin schieben sie noch hinterher: „Dem liberalen Image wird WWW schon lange nicht mehr gerecht“. Wie aus gut informierten Kreisen zu hören ist, möchte der im letzten Jahr frisch gewählte ehrenamtliche Dezernent und ehemalige OBKandidat Peter Englert auf eine Kandidatur verzichten. Ob „Worms will weiter“ wiederum einen anderen Kandidaten ins Rennen schicken wird, ist eher fraglich. Auch wenn der Name noch nicht bekannt ist, so dürfte es keine Frage sein, dass sich aus den Reihen der in Teilen rechtsextremen AfD ein Bewerber an dem Kampf ums Rathaus beteiligen dürfte. Unklar ist derzeit noch, wie sich die FDP positionieren wird. Im OBWahlkampf 2018 nominierten die Liberalen die politisch unerfahrene Ricarda Artelt, die auf 6,6 Prozent der Stimmen kam. Wer das politische Worms begleitet, dem dürfte ohnehin bewusst sein, dass der diesjährige Wahlkampf kaum Platz für Kandidaten aus kleineren Fraktionen lassen wird. War das Motiv zum damaligen Zeitpunkt die Unzufriedenheit vieler Fraktionen und Bürger mit dem amtierenden Oberbürgermeister, so geht es dieses Mal um einen sauberen Neuanfang nach dem Abschied Kessels in den Ruhestand. Zudem dürfte es für politisch interessierte Wormser keine Überraschung sein, dass die beiden ersten Kandidaten, die ihre Kandidatur verkündeten, wohlbekannt und jung sind und man ihnen zudem abnimmt, für Worms zu
„brennen“.
„Es hat einen Grund, warum ich mich für diese Stadt entschieden habe“
Als Erste verkündete Dezernentin und Bürgermeisterin STEPHANIE LOHR (42) am 13. Mai in einem Pressegespräch ihre Kandidatur, also exakt vier Monate vor dem Wahltermin. „Ja, ich
will Oberbürgermeisterin werden. Worms ist mein Zuhause. Hier bin ich aufgewachsen – in einer Winzerfamilie, in Vereinen, in einer Stadt, in der Zusammenhalt gelebt wird“, erklärte sie gleich zu Beginn des Gesprächs und ergänzte, dass sie in den vergangenen Monaten zunehmend Termine für Oberbürgermeister Adolf Kessel übernommen hatte, was ihren Blick auf Worms weiter geschärft habe. Zuletzt wurde der Name Stephanie Lohr immer mal wieder im Zusammenhang mit dem Landtagswahlsieg der CDU als Staatssekretärin gehandelt. Wie nun klar ist, wird sie diesem Job in der Zukunft nicht nachgehen und unterstrich dementsprechend diese Entscheidung mit den Worten: „Es hat einen Grund, warum ich mich für diese Stadt entschieden habe.“ In ihrer Erklärung gegenüber der Presse betonte sie, vor allem auf die gesellschaftlichen und strukturellen Veränderungen dieser Stadt reagieren zu wollen und verwies auf die Probleme mit fehlenden Hausärzten, Geschäftsaufgaben und einer schwierigen Innenstadtentwicklung. Sie unterstrich aber auch, dass die Stadt bei den Schulen aufholen müsse. Einen Schlüssel sieht sie wiederum in der Förderung von Kultur und Tourismus, wobei sich letzteres derweil sehr stark auf die kontrovers betrachtete Binnenkampagne „#Wormsliebe“ konzentriert, die in ihrer Zuständigkeit verwurzelt ist. Gefragt, wo sie in ihrer politischen Vision Worms 2030 sieht, erklärte sie: „Wenn Alzey die heimliche Hauptstadt Rheinhessens ist, dann sind wir die Kulturhauptstadt Rheinhessens.“ Weitere wichtige Aspekte erkennt sie in den Themen „Ehrenamt“ und „Sicherheitsempfinden der Bürger“. Seit November 2021 gehört Lohr als Bürgermeisterin der Stadtspitze an. Als Leiterin des Dezernats II verantwortet sie unter anderem die Bereiche Sicherheit und Ordnung, Gesellschaft und Wirtschaft sowie die Wirtschaftsförderung. Zuvor war die Juristin Mitglied des rheinland-pfälzischen Landtags und arbeitete viele Jahre in leitenden Funktionen bei den Technischen Werken Ludwigshafen.
„Worms ist meine Identität“
Wenige Tage später, am 20. Mai, meldete sich er wartungsgemäß auch Dezernent TIMO HORST (46, SPD) zu Wort, um sich ebenfalls um das Amt zu bewerben. „Es ist für mich ein besonderer Moment und eine große Ehre, als echter Wormser für das höchste Amt in Worms kandidieren zu dürfen.“ Um seine Wurzeln zu betonen, verwies er beim Pressegespräch auf seine Kindheit, die er im Nibelungenring verbrachte und damit in unmittelbarer Nachbarschaft zum Backfischfest. Passend dazu ergänzte er: „Worms ist meine Identität. Aber damit diese Stadt Zukunft hat, muss sie sich bewegen“. Um mehr Bewegung in die Stadtentwicklung zu bringen, engagiert sich Horst bereits seit vielen Jahren politisch. Zunächst ehrenamtlich im Stadtrat, in Vereinen und Verbänden, später begleitete er zwölf Jahre lang das Ehrenamt als Ortsvorsteher von Hochheim. Seit 1. November 2021 ist er hauptamtlicher Beigeordneter im Stadtvorstand, wo er für die Bereiche Stadtentwicklung (Bauen/ Gebäudemanagement), Schwimmbäder und Sport zuständig ist. Allerdings erreiche man als Beigeordneter Grenzen, betonte Horst und unterstrich damit seinen Anspruch, das höchste Amt begleiten zu wollen. Ganz im Sinne seines familiären Hintergrundes als dreifacher Vater betonte er: „Mein großes Ziel ist es, dass meine Kinder Worms so erleben sollen, wie ich es einst konnte“. Oder anders gesagt, es soll „fit für die Zukunft“ werden. Wie er das erreichen möchte? Wichtige Ziele, bei denen das Tempo angezogen werden müsse, seien die Digitalisierung bzw. die Modernisierung der Verwaltung, Sauberkeit in Worms, aber auch die Unterstützung des Ehrenamtes. Ähnlich wie Lohr beließ es auch Horst bei diesem Termin eher bei einem skizzenhaften Wahlprogramm und betonte, wie es auch Lohr tat, dass dieses mit Beginn des Wahlkampfs noch geschärft werde. Während Stephanie Lohr kurz vor Drucklegung unseres Magazins in einer Mitgliederversammlung als Kandidatin bestätigt werden soll, möchte sich Timo Horst die Zustimmung der SPDMitglieder am 8. Juni sichern.
Text: Dennis Dirigo, Fotos: Andreas Stumpf (Timo Horst), Kati Nowicki (Stephanie Lohr)
Anmerkung der Redaktion: Stephanie Lohr wurde am 26. Mai bei der Mitgliederversammlung CDU mit 100 Prozent der Stimmen als Kandidatin bestätigt.







