EINMAL RUHESTAND, BITTE
Oberbürgermeister Adolf Kessel kündigt Ruhestand an
Im Laufe der Jahre begleiteten Gerüchte um einen verfrühten Rücktritt immer wieder die Amtszeit von Oberbürgermeister Adolf Kessel. Ebenso regelmäßig war es ihm wichtig zu betonen, sein Amt zu Ende zu führen, so lange es die Gesundheit erlaube. Nun gab Kessel bekannt, dass er zum 31.12.26 seinen vorzeitigen Ruhestand beantragt hat – sechs Monate vor dem eigentlichen Ende im Jahr 2027.
Der Ton der Pressemitteilung war ganz im Stil von Kessel sachlich nüchtern: „Gemäß § 119 Abs. 4 Landesbeamtengesetz (LBG) Rheinland-Pfalz können sich Kommunalbeamte auf Zeit nach Vollendung des 65. Lebensjahrs auf Antrag in den Ruhestand aus Altersgründen versetzen lassen“. Mit eigenen Worten erklärte der 69Jährige: „Nach reiflicher Überlegung habe ich mich entschieden, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen und zum 1. Januar 2027 in den Ruhestand einzutreten.“ Mit Sicherheit hat Kessel die Entscheidung nicht leichtfertig getroffen, dennoch blieben weitere öffentliche Erklärungen aus, warum er sich vorzeitig verabschiedet. Was folgte, waren der Hinweis auf den geplanten geordneten Rückzug und die damit verbundene vorgezogene Oberbürgermeisterwahl am 13. September 2026. Die Ära Kessel endet wiederum mit Ablauf dieses Jahres. Seinen Anfang nahm die Ära mit Beginn des Wahlsiegs Kessels gegen Amtsinhaber Michael Kissel. In der Stichwahl am 04.11.2018 gewann Adolf Kessel 73,08 Prozent der Stimmen, während Kissel nur 26,92 Prozent der Stimmen holte – bei einer bescheidenen Wahlbeteiligung von 40,77 Prozent. Am 1. Juli 2019 übernahm Kessel die Amtsgeschäfte im Rathaus, auch wenn ihm wenig Zeit blieb, um eine Amtsroutine zu entwickeln. Denn am 11.03.2020 wurde der erste Fall eines CoronaInfizierten in Worms bekannt, es folgte der erste Lockdown und damit beginnend jede Menge ungeplanter Herausforderungen. Hierbei zeigte sich auch erstmals Kessels Widerspruch zwischen einem politischen Bürokraten und einem beobachtenden, nüchtern abwägenden Menschen. Zwar räumte er in Bezug auf die Zielführung der Maßnahmen immer wieder ein, dass diese wohl eher Symbolcharakter besäßen, dennoch hielt er am bürokratisch vorgegebenen Weg fest. Auf unsere Frage, was mit ihm passiere, wenn er eine Maßnahme nicht umsetze, antwortete er in seiner üblich trockenen Art: „Wahrscheinlich nichts.“ Sein Antrieb, die Maßnahmen zu unterstützen, war es vor allem, die Zahlen im Krankenhaus niedrig zu halten.
Mit der CoronaLandesverordnung musste man sich in Worms bis zum 31.01.21 abmühen, ehe oberflächlich die Normalität zurückkehrte. Denn die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen verfolgen die Stadt fortan und spiegeln sich heute noch im städtischen Haushaltsplan wider. So kam es durch die zahlreichen Lockdowns, Ausgangssperren und Maskenregelungen zu einem kolossalen Einbruch der Gewerbesteuer, einer der wichtigsten kommunalen Einnahmequellen. Während Kessel zu Beginn seiner Amtszeit das Defizit auf unter zehn Millionen Euro drücken konnte, sah das für den Haushalt 2021 schon ganz anders aus, der einen Fehlbetrag von satten 19,8 Mio. Euro auswies. Das konnte auch eine zweimalige Erhöhung der Grundsteuer in Kessels Amtszeit nicht ausgleichen. Zunehmend erschien der Kampf des Oberbürgermeisters gegen das Defizit wie Don Quixotes Kampf gegen die Windmühlen. Mindereinnahmen vs. steigende Sozialleistungen ließen einen ausgeglichenen Haushalt in weite Ferne rücken. Zudem wirkte sich Russlands Überfall auf die Ukraine in Form einer Energiekrise und des Zuzugs von rund 1.000 ukrainischen Flüchtlingen auf die Stadtpolitik aus. Mit dem explodierenden Haushalt ließ die nächste Krise nicht lange auf sich warten. Lag der Fehlbetrag 2023 bei rund 30 Mio. Euro, schraubte sich dieser in den Folgejahren in weitere astronomische Höhen, während Kessel regelmäßige Gespräche mit dem Land und der Aufsichtsbehörde ADD führte, um einen genehmigten Haushalt zu erhalten.
Kessel blieb sich treu
Erstaunlich während Kessels Amtszeit war vor allem die Ruhe, mit der er durch die Krisen führte – mitunter zu ruhig für so manchen Wormser. Doch auch hier blieb sich Kessel treu. In einem unserer ersten Interviews mit Adolf Kessel als neuer OB erklärte er: „Als die Kanzlerin Angela Merkel bei einer CDUTagung in Maria Laach zu Gast war, an der ich ebenfalls teilnahm, wurde am Ende ein Foto gemacht, für das sich alle auf einer Treppe versammelten. Ganz vorne stand die Kanzlerin, ich stand wiederum ganz hinten. In der Zeitung stand dann, „Herr Kessel steht lieber ganz hinten“. Man hätte aber auch schreiben können, dass Herr Kessel lieber ganz oben steht, wo man alles überschauen kann.“ Letztlich steht der geborene Wormser für eine Politik, die auf Dialog, Verlässlichkeit und Verantwortungsbewusstsein setzt. Verlässlichkeit galt in der Zusammenarbeit mit Medien, aber auch im Umgang mit Bürgern. Gefragt nach dem Umfang seiner Arbeit, erklärte er: „Natürlich ist der Arbeitsaufwand sehr hoch. So kümmere ich mich abends zu Hause noch darum, alle EMails zu bearbeiten, zu beantworten und mich in wichtige Themen einzulesen. Das dauert in der Regel bis 23 Uhr. Um 6 Uhr morgens gehen schließlich die Rollläden wieder hoch, ich bin um 8:30 Uhr im Rathaus und fühle mich wohl dabei.“ Nun haben ihn private Gründe dazu bewogen, diese Verantwortung abzugeben, dennoch verspricht er: „Vor uns liegen noch einige Monate der gemeinsamen Arbeit, die ich mit Motivation und Verlässlichkeit zum Wohle unserer Stadt und ihrer Bürgerinnen und Bürger gestalten möchte.“
Text: Dennis Dirigo, Foto: Andreas Stumpf

Stadt Worms

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