Worms Stück für Stück: „Sie malt wie ein Mann… “

Eine Pressemitteilung der KVG Worms:

Artemisia Gentileschi (1593-1654) würde diesen Monat 433 Jahre alt werden. Wir wollen ihren bis heute andauernden, fast ein halbes Jahrtausend währenden Kampf für die Anerkennung der Frauen würdigen.

Die Künstlerin setzte sich nicht nur als Frau in einer Männer-Domäne durch, sondern prägte mit ihrem dynamischen, von Caravaggio beeinflussten Malstil wesentlich die Kunstepoche des Barock. Die Lebendigkeit ihrer Figuren ist ebenso charakteristisch wie ihre Motivwahl: biblische Geschichten über starke Frauenrollen. Ihre Werke – ein Spiegel des Widerstandes und der Entschlossenheit der Frauen – sind der Tabu-Bruch des 17. Jahrhunderts. Immer wieder wird in der Forschung der Zusammenhang ihrer Werke mit ihrer eigenen gewaltvollen Lebensgeschichte thematisiert. Zweifelsohne wirkt die plastische Darstellung tiefgehender Emotionen in ihrer Kunst auf uns ergreifend.

Eines ihrer bekanntesten Gemälde „Judith und Holofernes“ (Varianten u.a. im Museo di Capodimonte, Neapel und Uffizien, Florenz), stellt die alttestamentarische Geschichte einer jüdischen Witwe namens Judith dar. Kühn rettet sie ihre Stadt vor der Eroberung des assyrischen Generals Holofernes, indem sie ihn enthauptet. Judiths formvollendetes Werk greift auch der Wormser Bildhauer Conrat Meit (1470/85-1550/51) auf.

Eine Kopie der neuzeitlichen Gipsfigur von Meit zeigt Judith mit dem Kopf des Holofernes in der Hand (Original im Bayerischen Nationalmuseum, München). Als Kleinplastik zeigt sie eine mögliche Haltung der biblischen Geschichte. Im Gegensatz dazu stellen die berühmten Gemälde Artemisias eine szenische Darstellung dar. Die Figur wird nun zusammen mit zwei Abbildungen von Werken Artemisias für einen Monat im Museum im Andreasstift Worms zu bestaunen sein.

Text: Jennifer Trenkel Foto: Claudia Weissert (Museum Andreasstift, Worms)