„Wir wollen Worms erlebnisreich machen“
WO! im Gespräch mit Helmut Emler
Mit rund 270 Mitgliedern ist das Wormser Stadtmarketing in Rheinland-Pfalz der größte Verein seiner Art. An seiner Spitze steht seit 2013 der Wormser Helmut Emler als erster Vorsitzender, während die Geschäfte von Kai Hornuf geleitet werden. WO! sprach mit Helmut Emler über Aufgaben und Heraus-forderungen eines erfolgreichen Stadtmarketings im Angesicht komplizierter Zeiten. Herzstück des Vereins ist die Stadtentwicklung, in die sich der Verein mit Projekten wie den Marktwinzern, der Wormser Weinmeile oder „Musik am Gammi“ aktiv einbrachte. Für viel Diskussionsstoff sorgte das Innenstadt-projekt „Worms wird wow“, das vom Stadtmarketing in Kooperation mit der Stadt Worms und der IHK Rheinhessen von 2023 bis 2025 durchgeführt wurde.
WO! Ein letzter Blick auf Worms wird wow. Was lief aus Ihrer Sicht gut und was nicht so gut?
Zunächst glaube ich, wenn „Worms wird wow“ nicht gewesen wäre, würde man heute einige Aktivitäten vermissen. Es war ein riesiges Projekt mit weit über 100 Aktivitäten – eine arbeitsintensive, aber auch wertvolle Zeit. Man darf nicht vergessen, dass wir durch die Maßnahme Gelder von Bund und Land abrufen konnten, die wir sonst nicht bekommen hätten. Insofern ist mein Fazit: Es ist vieles entstanden. Klar ist mir aber auch, dass in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem das Spürbare, das Erlebbare zählt und in diesem Zusammenhang die berechtigte Frage auftaucht, wie wir die 2,7 Millionen Euro investiert haben, sodass eine Langzeitwirkung entsteht. Da haben wir schon Projekte initiiert, die dem Anspruch gerecht werden, wie das Hagenbild, die Weinmeile oder der Wormser Schriftzug. Es gibt aber auch Projekte, die nicht so wahrgenommen werden, wie zum Beispiel die Worms App.
WO! Ja, die wurde bereits im Mai vergangenen Jahres im App Store gelauncht, wartet bisher aber noch auf ihren viralen Durchbruch…
Ja, die sollte im Zeitfenster sicherlich weiter sein. Sie wurde zwar ins Internet gebracht, aber seitdem ist wenig passiert. Ich denke auch, dass die App selbst zudem noch Entwicklungsbedarf hat. Und da müssen wir uns einfach kritisch hinterfragen: Hat es den Mehrwert für die Stadt gebracht, den wir uns erhofft haben? Was das Leerstandsmanagement angeht, so können wir auch hier nur auf einen bedingten Erfolg verweisen. Zwar konnten einige wenige (Cafe Jireh, Mozilla Sports, Anm. der Red.) nachhaltig entwickelt werden, aber wenn man durch die Stadt geht, sieht man natürlich einiges an Leerstand. Aus meiner Sicht war letztlich das Engagement für „Worms wird wow“ dennoch richtig, auch wenn über den Namen wahrscheinlich noch in 100 Jahren diskutiert wird.
WO! Bei der Mitgliederversammlung wurde intensiv über einen neuen geplanten Passus in der Satzung diskutiert. Dieser sah vor, dass strate-gische Entscheidungen nur vom geschäftsführenden Vorstand getroffen werden. Wie haben Sie diese Diskussion erlebt?
Im Grunde war die Diskussion ein Klassiker: Was wollten wir für eine Botschaft senden und was kam letztendlich an? Ich bin insgesamt über diese Mitgliederver-sammlung froh, weil es vielleicht eine der lebhaftesten war, die ich als Vorstand erlebt habe. Ich denke, wir konnten allerdings unsere eigentliche Intention nicht richtig kommunizieren. Angekommen war bei einzelnen Mitgliedern die Frage, ob wir Mitglieder ausklammern oder eigene Positionen beziehen wollen. Das war aber nie die Idee. Im Grunde wollten wir sichtbar machen, was wir schon in den vergangenen Jahren getan haben und auch unsere Aufgabe ist. Strategie ist, wenn man es übersetzt, die Aufgabe vom Vorstand, eben nicht nur im hier und jetzt zu denken, sondern zu sagen: Wie verändert sich die Stadtgesellschaft, wie verändern sich die Rahmenbedingungen für Stadtmarketingvereine etc.? Das im Blick zu haben, sehe ich als wesentlichen Teil der Vorstandsarbeit. Ein Lernergebnis aus dieser Sitzung ist wiederum, dass wir diesen Aspekt besser darstellen müssen. Wir haben im Vorstand nun auch beschlossen, dass wir in der nächsten Versammlung unsere Mitglieder deutlich stärker nach deren Sicht befragen. Da haben wir vielleicht zu wenig getan. Das war aber nie die Absicht.
WO! Wie beschreiben Sie die gesellschaftliche und wirtschaft-liche Situation von Worms aus Sicht des Stadtmarketings?
Fangen wir mal mit der gesellschaftlichen Veränderung an. Hier spiegelt sich im Wesentlichen, was man in fast allen deutschen Innenstädten beobachten kann und was sich auch unmittelbar im Kaufverhalten ausdrückt. Für uns als Stadtmarketing ist das Thema Innenstadtentwicklung weiterhin ein ganz großes Thema. Wir haben ein Bild vor Augen, wo wir sagen, wir wollen Worms erlebnisreich und attraktiv machen. Das wird aber eine Gesamtauf-gabe für alle städtischen Akteure sein. Aus der Perspektive des Stadtmarketing lässt sich – wirtschaftlich gesehen – sagen, dass wir in Worms gut bestückt mit Menschen sind, die bereit sind, als Investoren und Ehrenamtliche aktiv zu werden. Das ist auf jeden Fall eine wichtige Bereicherung.
WO! Wo liegt der Schwerpunkt zukünftiger Projekte?
Als Verein selbst müssen wir zunächst mal auf die Altersstruktur unseres Vorstandes schauen. Wichtig ist, Menschen, die Spaß an der Entwicklung von Worms haben, einzubinden. Vor Kurzem haben wir vier neue Vorstandsmitglieder berufen. Das ist wichtig, da wir in den nächsten zwei Jahren altersbedingte Abgänge haben werden. Auch für mich ist dies die letzte Amtsperiode. Der zweite Aspekt ist, dass wir weiterhin in Arbeitskreisen und in Gremien mitarbeiten. Wie Kai Hornuf und ich sagen, ist das unsere operative Arbeit, in der wir Akzente setzen und unterstützende Dienste anbieten können. In den nächsten zwei Jahren werden wir uns auch darauf konzentrieren, unseren Mehrwert für die Mitglieder nutzbarer abzubilden. Das fängt damit an, dass wir die gesamte Digitalisierung des Vereins neu aufstellen werden. Da wollen wir bis Jahresende soweit sein, dass sich unsere Mitglieder verlinken können, ganz im Sinne eines Stadtmarketing Marktes.
WO! Wir danken für das Gespräch
Das Gespräch führte: Dennis Dirigo / Foto: Andreas Stumpf




