KULTURFÖRDERUNG NICHT FÜR ALLE
Regionale Kulturförderung in Westhofen muss ohne Landesmittel auskommen

Marktplatzkonzerte 2025 mit Westernhagen Tribute Show
„Kultur ist ein Lebensmittel“, unterstrich zu Beginn der Corona-Krise Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Bedeutung von kultureller Teilhabe. Um das zu ermöglichen, fördert die Politik die Kultur bereits seit vielen Jahrzehnten. Doch nicht überall ist offenbar die politische Förderung und damit eine Teilhabe erwünscht.
Die Idee der staatlichen Kulturförderung entstand in der Folge der sozialliberalen Koalition der 70er Jahre. „Kultur für alle“ lautete das Credo. Es war die Geburtsstunde der staatlich subventionierten Kulturszene, bei der man von An-fang an den Fokus auf die Dezentralisierung von Kultur gelegt hat. Zugang sollten nicht nur Menschen in Großstädten haben, sondern auch da, wo das nächste Staatstheater nicht gerade um die Ecke liegt. Im Laufe der Jahrzehnte wurde vielerorts Kultur nicht nur zu einem wichtigen sozialpolitischen Instrument, sondern auch zum Wirtschaftsfaktor. Die Politik begann strategisch zu fördern, wo es aus ihrer Sicht für die Region notwendig war oder die Veranstaltung über die nötige Strahlkraft verfügte.
Zwei vom Land umfänglich geförderte Veranstaltungen finden sich auch in Worms. Mit rund 750.000 Euro greift die Landespolitik den Nibelungen-Festspielen unter die Arme. Die zweite Veran-staltung, Jazz and Joy, wird zwar mit deutlich weniger Geld bedacht, darf sich aber ebenfalls regelmäßig über Zuwendungen des Landes freuen. Die Begründung der Politik fußt dabei auf dem Leuchtturm Charakter, insbesondere der Nibelungen-Festspiele. Tatsächlich dürften die Festspiele in der rheinland-pfälzischen Kulturlandschaft zwischenzeitlich eine der bedeutendsten Veranstaltungen sein. Nicht wegzudiskutieren ist mittlerweile auch die wirtschaftliche Bedeutung für Worms, sowohl für die direkte Binnenwirtschaft als auch den Bekanntheitsgrad der Stadt hinsichtlich des Tourismus.
Förderung, aber nicht für Westhofen
Sich des Einflusses von Kultur auf eine Region bewusst, keimte auch in dem Unternehmer Stefan Spies vor wenigen Jahren der Gedanke, mit Kultur das rheinhessische Hinterland mehr in die Öffentlichkeit zu rücken. Mit dem Hin-terland ist wiederum der Wonnegau gemeint, insbesondere das Weindorf Westhofen, wo Spies auch das Hotel und die Gastronomie „Gut Leben am Morstein“ betreibt. Dort initiierte er 2024 zum Doppeljubiläum „1250 Jahre West-hofen“ und „700 Jahre Verleihung der Marktrechte“ erstmals die Marktplatzkonzerte, die an zwei Abenden selbigen Marktplatz in eine Konzert-arena verwandelten. Der Zuspruch war groß und der Außenauftritt der Gemeinde – abseits von Weinevents – gelungen. Der Wormser Zeitung gegenüber erklärte der Ortsbürgermeister Jörg Schmitt damals: „Wir können stolz sein, dass Stefan Spies das so gemacht hat in Westhofen, und alle Arten von Kultur hierherbringt. Das muss man unterstützen, auch als Ortsgemeinde.“ Aus dem Doppeljubiläum entstand so die Idee des Wonnegau Musik-Festivals, das auch in diesem Jahr vom 12. bis 16. August auf dem Marktplatz in Westhofen statt-findet (siehe S. 33).
Doch ein Festival zu stemmen, ist kostspielig, während die Mittel des Unternehmers Spies und – noch viel mehr – die der Kommune be-grenzt sind. Demgegenüber steht, dass in der Zeit nach Corona Veranstaltungskosten in jedem Bereich explodiert sind. Für Spies ist klar, dass der Wert für die Region belegbar ist und die Veranstaltung eine Förderung, ähnlich wie Worms, verdient. Doch auch wenn die Marktplatzkonzerte sich in wenigen Jahren einen guten Ruf erspielt haben, so ist er nicht gut genug für die Politik, die vielmehr in selbigen eine Konkurrenz zu anderen Events sieht. So erklärte man dem Veranstalter Spies bei einem Gespräch im Kulturministerium, dass der Fokus in Rheinhessen speziell auf Alzey, Mainz und Worms liege. Konkret brachte die Absage Dr. Jürgen Hardeck, Kulturstaatssekretär in der letzten Regierung, in einem Schreiben als Antwort auf Spies‘ Förderantrag auf den Punkt: „Jede Kommune hat natürlich das Recht, einen KKP-Antrag beim Kulturministerium zu stellen. Aber ich glaube nicht, dass ein so gigantisches Vorhaben sinnvoll und realisierbar ist – und dass wir es am Ende unterstützen werden“.
Bereits in einer Mail zuvor äußerte sich der studierte Philosoph und Kulturpolitiker eher abweisend und belehrend: „Solche Konzerte gehören in den unsubventionierten Musikmarkt und in Oberzentren wie Mannheim, Frankfurt oder Locations wie die Loreley-Freilichtbühne. Dass wir sie ausnahmsweise fördern (so bei „Summer in the City“, in Mainz), hat infrastrukturelle Gründe und hat auch mit der Stellung der Landeshauptstadt zu tun.“ Die infrastrukturelle Argumentation Spies‘ negiert er wiederum. Letztlich verhallte Spies‘ Bitte um Unterstützung. Die Konzerte finden dennoch statt. Dem Rheinhessen ist aber auch klar, dass sie für ihn mit einem enormen Risiko verbunden sind. Zwar ist er von der Leuchtturmfunktion der Event Konzerte überzeugt, dennoch wird letztlich der Erfolg über eine Fortsetzung entscheiden.
Text: Dennis Dirigo
Infos zu den Marktplatzkonzerten finden Sie hier: https://www.westhofen-wonnegau.de/


Dennis Dirigo





