SAGEN SIE MAL, HERR BIMS? Teil 162: OB-Kandidaten-Check (3/3)
Am 13. September ist Oberbürgermeisterwahl in Worms. Und natürlich habe ich es mir auch diesmal nicht nehmen lassen, die Kandidaten bereits zum dritten Mal in Folge einem gnadenlosen satirischen Check zu unterziehen. Ich höre Sie deshalb schon wieder zu Tausenden fragen: „Sagen Sie mal, Herr Bims, wie haben Sie denn die OB-Kandidaten diesmal durch die Mangel genommen?“
Kürzlich hat mir unser Verlagschef nahegelegt, meinen OB-Kandidaten-Check diesmal wegzulassen, schließlich habe sich nach der letzten Kolumne nicht mal mehr die CDU echauffiert. Da bin ich direkt aus der Haut gefahren: „Ich mach das nicht für mich, die CDU, die SPD oder sonst jemanden. Ich will den Leuten da draußen lediglich eine Wahlhilfe anbieten!“ Deshalb sag ich frei in die Runde: Ich kann den OB-Kandidaten-Check auch einfach sein lassen, wenn nicht mal mehr die angesprochenen Personen oder Parteien davon Schnappatmung bekommen. Ich mach das schließlich nicht zum Spaß. Es geht um den Posten des Stadtoberhauptes von Worms, da darf ich doch um etwas mehr Aufmerksamkeit buhlen. Wenigstens Timo Horst hat meine gut gemeinte Anregung, die seltenen Feldhamster im Hohen Stein einfach abzuknallen, dem Vernehmen nach in seinem Notizbuch notiert und will diese in einer „nicht-öffentlichen Sitzung“ besprechen. Da fühlt man sich als Satiriker ernst genommen. Gut, okay, seit meiner harschen Kritik am mangelnden Weinkonsum der Winzertochter Stephanie Lohr orgelt sie sich bei ihrem Podcast regelmäßig den „Wein der Woche“ rein. Auch hier hat offensichtlich ein Lernprozess stattgefunden. Deshalb will ich hier gar keine dreckige Wäsche waschen, denn das macht Stephanie Lohr ja auch nicht. Hat sie zumindest in ihrem Podcast erzählt: „Ich hab das nicht entschieden, sondern meine Mutter. Sie hat gesagt: „Kind, ich krieg die 30 Grad-Wäsche nicht voll, bring mir deine Wäsche!“ Wenn Sie also zukünftig einen dienstlichen E-Smart durch Abenheim fahren sehen, dessen Fahrerin, mit familiär bedingt „blonden Naturlocken“, abrupt abbremst, um einen Wäschesack übers Hoftor ihrer Eltern zu schleudern, dann ist das womöglich unsere nächste Oberbürgermeisterin.
Trotzdem spürte ich durch diese Geschichte, dass zwischen Stephanie Lohr und mir eine tiefere Verbindung besteht, denn exakt denselben Satz hatte ich auch von meiner Mutter gehört – nur halt mit Anfang 20. Als ich dann aber vernehmen musste, dass die Frau Lohr gerne „getrocknete Blutwurst“ isst, war ich mir plötzlich gar nicht mehr so sicher, ob wir tatsächlich matchen. Um für Sie als Satiriker menschlicher zu wirken, habe ich mich deshalb entschlossen, Ihnen öffentlich mitzuteilen, dass ich gerne mal zum Frühstück einen Hackes-Weck verspeise. Und wenn die Frau vom Kaltenborn unnötigerweise fragt: „Mit oder ohne Zwiebeln?“, entgegne ich besonders schroff: „Hauen Sie ne fette Ladung oben drauf!“ Und da ist es mir auch wurscht, ob ich an dem Tag noch einen wichtigen Termin habe. Die Frau Lohr dagegen isst tagsüber ihren Döner nur mit Joghurtsoße, aber – wenn nichts Wichtiges ansteht – auch gerne „mit allem und scharf“. Genauso wie ich!! Was für ein Zufall und womöglich der entscheidende Grund, mein Kreuzchen bei Stephanie Lohr zu machen? Dann aber habe ich Timo Horst beim Stadionfest der Wormatia heimlich beobachtet, wie er sich eine herzhafte Currywurst mit knusprigen Pommes reingeschoben hat und damit exakt meinem Beuteschema entsprach. Aber reicht das schon für eine Wahlempfehlung? Was ich damit sagen will: Kennen Sie die Paare, die sich erst seit Kurzem kennen und dann freudig die Gemeinsamkeiten aufzählen („Wir mögen beide gutes Essen, Mittagsschlaf und Fernsehgucken“), um zu begründen, warum sie sich in die nächste Liebesbeziehung stürzen. Genauso ist es mit dem Podcast von Stephanie Lohr. Soll man sich aber als Wähler in eine achtjährige Beziehung mit einer zukünftigen Oberbürger-meisterin stürzen, nur weil man ebenfalls getrocknete Blutwurst mag?
DER GROSSE PRAXISTEST AUF DEM BACKFISCHFEST
Aber egal, ob Blutwurst, Döner, Hackesweck oder Currywurst, wir brauchen uns nichts vorzumachen: Die OB-Wahl wird eine ganz enge Kiste. Somit dürfte mein OB-Kandidaten-Check für die meisten Wählerinnen und Wähler in Worms wieder einmal den Ausschlag geben. Um die Kandidaten in einem Praxistest auf ihre Worms-Tauglichkeit hin zu überprü-fen, lade ich im Zuge des anstehenden Backfischfestes herzlich ein zur „Schiffschaukelbremser-Prüfung“. Selbstverständlich werde ich als staatlich geprüfter Schiffschaukelbremser mit Diplom, der sein halbes Leben auf den Rummelplätzen dieser Welt verbracht hat, höchstpersönlich den Juryvorsitz übernehmen. HINWEIS: Die Schiffschaukelbremser-Prüfung findet im Anschluss an die Riesenradweinprobe statt, bei der sich die Kandidaten in luftiger Höhe sieben regionale Weine reingepfif-fen haben. Das wird ein Spaß!! Nach 2 – 3 kleinen Schnäpschen vom Schwarzwaldhäuschen startet die praktische Prüfung, bei der die Kandidaten die Schiffschaukel der Backfischfestbesucher mit vollem Körpereinsatz bremsen müssen. Zwei Schnäpse später geht’s für die Kandidaten selbst aufs Gerät. In Runde zwei lautet die Frage: Wie viele Überschläge schaffen die angehenden Oberbürgermeister? Bei einem Unentschieden oder wenn sich beispielsweise mehrere Kandidaten übergeben mussten, gibt es ein Stechen. Hierfür würden sich entweder die 54 Meter lange Achterbahn oder die neue 66 Meter hohe Schaukel auf dem Backfischfest anbieten. Da würde ich mir kurzfristig noch was Gemeines einfallen lassen. Wer anschließend weiß, in welcher Stadt er kandidiert und noch geradeaus zum nächsten Taxistand laufen kann, erhält meine uneingeschränkte Wahlempfehlung.
Mit satirischen Grüßen Ihr Dr. Bert Bims




Andreas Stumpf