HAPPY BIRTHDAY, NIBELUNGENHORDE
Kritik zu dem Theaterstück „Penthesilea – Wildes Herz“

18. Juli 2026 | Das Wormser Theater: Seit 20 Jahren ist der Verein Nibelungenhorde als eigenständiges Projekt fester Bestandteil der Nibelungen-Festspiele. Um diese runde Zahl gebührend zu feiern, lud der Verein ins Wormser Theater, wo die jugendlichen Teilnehmer das Ergebnis des diesjährigen Work-shops aufführten, „Penthesilea – Wildes Herz“.
Eigentlich sollte die Nibelungenhorde 2006 ein einmaliges Projekt für Jugendliche sein. Das Be-sondere war von Anfang an, dass die „Horde“ nicht einfach eine weitere Theatergruppe war, sondern dass im Zentrum des Schaffens ein theaterpädagogischer Ansatz stand. So konnten die jugendlichen Teilnehmer in verschiedenen Workshops sich selbst erfahren, Grenzen kennenlernen und neue Talente entdecken. Das Projekt war so erfolgreich, dass noch im selben Jahr unter dem Vorsitz der Gründerin und Sozialpädagogin Astrid Perl-Haag ein Verein gegrün-det wurde, der seitdem auch den Lebensweg von einigen Wormser Jugendlichen beeinflusste.
Nicht wenige der damaligen Teilnehmer verdienen heute ihr Geld in der Kreativbranche. Auch WO! Kolumnist, Schauspieler, Musiker und Stadtvorstand Peter Englert war ein Kind der Nibelungenhorde und ließ es sich dementsprechend nicht nehmen, die Geburtstagsparty im Anschluss an das Stück mit seiner Plattensammlung zu beschallen. Zuvor führten jedoch zwölf junge Menschen das Stück „Penthesilea – Wildes Blut“ auf. Regisseur Uwe John bearbeitete hierbei das Werk von Heinrich von Kleist, das als „unaufführbar“ gilt, gemeinsam mit den Teilnehmern.
Verlegt in eine dystopische Welt standen im Mittelpunkt der Handlung universelle Themen, wie die unablässige Spirale von Gewalt und Gegengewalt, Angst vor der Zukunft oder auch die Frage: Was bedeutet Mann- oder Frausein? Unterstützt wurden die stark vorgetrage-nen Dialoge und Monologe von ausdrucksstarken Choreografien, die mit dem Horden-erprobten Dozenten Richard Weber erarbeitet wurden.
Fazit: Am Ende der Vorstellung erhielten die jungen Leute für ihre eindrücklichen Darbietungen zurecht stehende Ovationen. Zugleich untermauerte die Aufführung einmal mehr die Bedeutung und Wichtigkeit für junge Menschen, sich durch Kreativität der Komplexität dieser Welt zu stellen.

Text: Dennis Dirigo Fotos: Andreas Stumpf




Dennis Dirigo