Der etwas andere Fragebogen

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Diesen Monat: Alexander Rehn

KURZBIO Geboren wurde Alexander Rehn 1978 in Worms. Nach dem Abitur erwachte sein Interesse am Theater, sodass er beschloss, an der JGU Mainz Theaterwissenschaften und Kulturanthropologie zu studieren. Sein gesammeltes Wissen nutzt er seit 2007 für die Wormser Volkshochschule. Dort bietet er als Dozent diverse kulturhistorische Kurse an. Viele kennen ihn auch von seiner Tätigkeit als Regisseur bei der VHS Theaterwerkstatt. Anfang Februar inszeniert er mit der Gruppe die Kriminalkomödie „Das Sturmglas“. Rehn schrieb hierzu auch die Buchvorlage. Seine Brötchen verdient er sich indes in einer Wormser Senioreneinrichtung, in der er seit 2001 arbeitet und Kunden hinsichtlich eines Pflegeplatzes berät.

Wann und warum begannst du dich für Theater zu interessieren?
Recht spät. Ich habe mit 25 das Abitur nachgeholt und hatte eine sehr engagierte Deutschlehrerin, die uns ständig ins Theater schleppte. Und dort habe ich verstanden, dass das Theater mir die Möglichkeit bietet, ein literarisches Werk zu meinen Zwecken umzudeuten und dass mir dabei eine riesige Palette von Stilmitteln zur Verfügung steht. Das fand ich damals sehr spannend, denn man versucht ja gerade als junger Erwachsener sich auszudrücken. Ich konnte nicht malen, ich spielte kein Instrument, singen konnte ich auch nicht, dazu habe ich zwei linke Hände – also rief mich die Bühne!

Was war das letzte Theaterstück, das du gesehen hast?
„Die Selbstmord-Schwestern / The Virgin Suicides“, eine Regiearbeit von Susanne Kennedy für die Münchener Kammerspiele (basierend auf dem gleichnamigen Roman von Jeffrey Eugenides, Anm. der Red.).

Du hast keinerlei Einschränkungen bei der Wahl deines nächsten Stückes, welches Stück würdest du inszenieren wollen und warum?
Da gibt es so einige. Wenn ich aber wirklich keine Einschränkungen hätte, fiele meine Wahl auf „Die Dreigroschenoper“ von Bertolt Brecht. Das Stück hat uns auch heute, obwohl es bereits knapp 90 Jahre auf dem Buckel hat, noch allerhand schlaue Dinge zu sagen und ist trotzdem unglaublich unterhaltsam. Beides macht meiner Meinung nach ein gutes Stück aus.

Wie lange brauchst du mit der Theaterwerkstatt, eine Inszenierung bühnenreif zu bekommen?
Normalerweise arbeiten wir etwa neun Monate von der ersten Idee bis zur Premiere. Fertig wird eine Produktion dabei nie. Am Ende sehe ich immer noch Dinge, die man mit ein oder zwei Wochen mehr Zeit viel besser hätte machen können. Aber das ist immer so.

Wie würdest du deinen Arbeitsstil beschreiben?
Ich weiß gar nicht, ob ich einen Arbeitsstil habe. Meine Ausgangsmaterialien sind Text und Darsteller und ich sammle Ideen, wie ich beide zu einem formen kann. Ich verwerfe Ideen wieder, ich sehe, lese oder höre etwas, was mich inspiriert… keine Ahnung. Ich gehe an meine Inszenierungen immer recht intuitiv heran, ohne dabei einen großen philosophischen Unterbau oder einen Plan zu haben.

Nenne drei Musikstücke, die dich inspirieren / begeistern?
Was, nur drei? Na schön… • Donna Summer „I Feel Love“ • Sophia „Reprise“ • Florence Foster Jenkins „Der Hölle Rache“

Was gefällt dir an Worms und was nicht?
Ich mag an Worms, dass es genau die richtige Größe hat. Man kennt sich, aber man tritt sich nicht auf die Füße. Außerdem freue ich mich immer, wenn Besucher erzählen, wie schön sie Worms finden. Als Einheimischer vergisst man manchmal die schönen Orte, die es bei uns so gibt. Weniger mag ich, dass ich in Worms einen gewissen Hang zum Konservativen beobachte. Gerade im künstlerischen Bereich finde ich immer, dass man sich hier weniger traut und da schließe ich meine Arbeit gerne mit ein. Außerdem nerven mich Klüngeleien, egal ob politischer oder sonstiger Natur.

Was ist dein Lieblingsort in Rheinhessen?
Ganz spontan fällt mir hier das Freibad in meinem Heimatort Gimbsheim ein. Ich bin jeden Sommer so 2 – 3 Mal dort und es scheint, als sei die Zeit stehen geblieben. Außerdem vermisse ich manchmal Mainz, wo ich studiert habe.

Kultur steht gerne im Fokus der Kritik vieler Bürger, wenn es um das Sparen geht. Gibt der Staat / Land / Kommune aus deiner Sicht zu viel Geld für Kultur aus und warum ist Kultur wichtig?
Kultur im Sinne von (Theater-)Kunst ist die Instanz, die eine Gesellschaft stetig reflektiert und in Frage stellt. Die großen Fragen der Menschheit wurden in der Geschichte stets auf der Bühne verhandelt. Nun ist aber diese Sinnhaftigkeit nicht unbedingt messbar, damit hat unsere Leistungsgesellschaft ein Problem. In Worms sind in diesem Kontext natürlich immer wieder die Nibelungen-Festspiele im Fokus der Kritik. Kultur ist unverzichtbar und muss natürlich auch entsprechend gefördert werden. 1,7 Millionen Euro städtischer Förderung für die Festspiele ist gut angelegtes Geld. Würde man davon allerdings nur einen kleinen Teil abknapsen, könnte sich ein Kulturbetrieb wie das Lincoln Theater, das das ganze Jahr über ein tolles Programm bietet, wesentlich besser über Wasser halten. Nur mal so als Anregung.

Du musst für zwei Wochen in eine einsame Berghütte ziehen. Welche drei Dinge müssen unbedingt mit?
Ein Strandtuch, einen Kühlschrank mit Kaltgetränken und einen Helikopter, der mich auf die einsame Insel bringt; ich hasse die Berge!