Ein Alphatier in der SAP Arena

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Konzert von Marius Müller Westernhagen & Band

16. Oktober 2015
SAP Arena Mannheim:

Westernhagen? Wer ist eigentlich der Mann, der generationenübergreifend über 11 Millionen Platten in deutscher Sprache verkauft hat? In Mannheim gab es jetzt einen 2 ½ stündigen Live-Eindruck seines aktuelles Schaffens.

Zunächst musste man jedoch die langweilige Vorgruppe Benj Rose mit nervigem Sänger ertragen. Egal, wo ist Westernhagen? Pünktlich um 20:15 Uhr enterte das Urgestein die Bühne in Mannheim. Zunächst trat aber nicht der 67-jährige in Erscheinung, sondern seine Front-PA, die in unregelmäßigen Abständen heftige Aussetzer hatte. Bei einer Halle dieser Größe ist das mehr als peinlich für die Tonabteilung. Aber ein Showman wie Westernhagen ließ sich durch so etwas natürlich nicht beeindrucken und fing die Leute spätestens bei der dritten Nummer „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ wieder ein. Begleitet wurde er in der SAP Arena von einer siebenköpfigen gut eingespielten Band und einer beeindruckenden Video-Performance im Hintergrund. Genau diese Videoleinwand sollte noch polarisieren, da sich Westernhagen nicht scheute, passend zu den jeweiligen Songs politisch Stellung zu beziehen und zum Teil heftigste Bilder von toten Kindern, abgeschnittenen Köpfen und Kriegsszenen hinter sich flimmern zu lassen. Der Sänger selbst blieb an diesem Abend zunächst sehr wortkarg und schaffte es am Anfang der Show nur schwerlich, das Publikum mit seinen neueren Songs mitzureißen. Jedoch bei „Taximann“, „Mit 18“ oder dem Gänsehaut bringenden „Lass uns Leben“ verwandelte er die SAP Arena in ein Tollhaus. Da wurde Westernhagen dann auch noch emotional und bedankte sich bei seiner gesamten Crew und den von ihm eingeladenen freiwilligen Helfern der Flüchtlingsunterkünfte. Dass es am Ende mal wieder das bisher beste Konzert der Tour gewesen sein soll, nimmt man einem Westernhagen dagegen nicht mehr ab. Dazu war die Stimmung lange Zeit zu behäbig.

Fazit: Ein insgesamt gelungenes Konzert mit einem immer noch sehr fitten und authentischen Marius Müller-Westernhagen. Seine Band klang etwas härter als noch vor ein paar Jahren, was Westernhagen aber durchaus zu seinen Wurzeln zurückkehren lässt.