Ein Bauprojekt sorgt für Aufregung
CDU Worms Rheindürkheim kritisiert Stadtverwaltung und erntet Kritik
Am Anfang stand eine Zeitungsmeldung über ein Wohnprojekt im Wormser Stadtteil Rheindürkheim, aus der zwischenzeitlich eine irritierende Politposse wurde; bestens dazu geeignet, um das Sommerloch zwischen Nibelungen-Festspielen und Jazz & Joy zu füllen.
Eigentlich ist es eine gute Sache. Private Inves-toren, darunter der bekannte Architekt Jörg Edgar Deibert, wollen am Rheinufer in Rheindürk-heim einen Wohnpark schaffen. Auf einem ehemaligen 2,4 Hektar großen Industriegelände, südlich gelegen in Richtung Worms, möchte die Investorengruppe „Wohnen am Rhein GmbH & Co. KG“ nach dem Vorbild von Mainz und Ludwigshafen mehrere Wohnungen errichten. Im nördlich gelegenen Bereich, wo das Gebäude eines früheren Paletten-Großhandels steht, ist eine gewerbliche Nutzung geplant. Investitionsvolumen: rund 40 Millionen Euro. Direkt am Rhein sollen vier Wohnhäuser mit jeweils vier Etagen sowie einem zurückgesetzten Staffelgeschoss für eine Penthouse Wohnung entstehen. Pro Etage sind zwei Wohnungen zwischen 70 und 85 Quadratmetern vorgesehen. So berichtete es die Wormser-Zeitung am 18. Juli. Um die künftigen Mieter zu schützen, soll ent-lang der viel befahrenen Bundesstraße ein begrünter Lärmschutzwall gebaut werden, zitiert die Zeitung Marc-Peter Berkes, der ebenfalls zur Investorengruppe gehört.
Zudem informierte die Zeitung darüber, dass bereits im Januar die Investoren damit begonnen haben, das Gelände zu roden. Aktuell laufen die letzten Planierarbeiten. Baudezernent Timo Horst (SPD) verwies in dem Artikel außerdem darauf, dass bisher noch kein konkreter Bauantrag gestellt wurde, sondern lediglich eine Bauvoranfrage. Wenige Tage später folgte schließlich eine Stellungnahme des CDU-Ortsverbands Worms-Rheindürkheim unter dem Vorsitz von Ortsvorsteher Björn Krämer. Darin erklärte der Verband, dass man aus der Wormser Zeitung von dem Projekt erfahren habe und nun entsetzt darüber sei, dass die Bagger bereits rollen. „Der Ortsbeirat schätzt es nicht besonders, über Projekte der Stadteilentwicklung über die Zeitung informiert zu werden“, zitiert die Stellungnahme Ortsvorsteher BJÖRN KRÄMER. Gleichzeitig nutzte die CDU die Stellungnahme auch für eine Kritik im Zusammenhang mit dem Bauprojekt „Gleisdreieck“ (siehe WO! 05/26). „Bereits beim Bebauungsplan Gleisdreieck wurde auf keinen einzigen der Hinweise des Ortsbeirates eingegangen. Die 240 Meter lange Wand entlang der Bundesstraße B9 verschandelt nun künftig das Ortsbild und behindert den Luftaustausch“, kritisiert der Ortsverband.
Kritik an der Kritik
Inmitten von Wahlkampfzeiten sind das schwere Vorwürfe, denn zuständig für Baugenehmigungen und die entsprechende Kommunikation mit den Ortsbeiräten ist das Baudezernat, das von Oberbürgermeisterkandidat Timo Horst geführt wird. Auf die Vorwürfe angesprochen, weist Horst die Kritik entschieden zurück und betont, dass der Ortsbeirat spätestens am 5. November 2025 in einer nicht-öffentlichen Sitzung informiert wurde. Zudem habe der Ortsvorsteher im Rahmen einer Bauvoranfrage bereits 2025 die Möglichkeit erhalten, eine Stellungnahme abzugeben. Eine Rückmeldung sei jedoch ausgeblieben. In Bezug auf die Vorwürfe „Gleisdreieck“ erklärt die Stadt: „Dies hat nicht allein das Baudezernat entschieden, wie es fälscherweise dargestellt wurde, sondern wurde mit einer großen Mehrheit im Bau- und Mobilitätsausschuss und Stadtrat beschlossen. Bei den Beratungen war der Ortsvorsteher anwesend und konnte hierzu auch Stellung nehmen.“
Verwundert zeigt sich die Stadt auch über den Vorwurf, man sei nicht über den Baubeginn informiert worden. Doch der fand bisher noch gar nicht statt, sondern lediglich vorbereitende Maßnahmen. Da es ein Privatgelände sei, müsse der Ortsbeirat auch nicht informiert werden. Stellung bezog auch die Wormser SPD. „Unbegründete Vorwürfe gegen die Stadtverwaltung helfen niemandem. Statt sachlicher Politik erleben wir offenkundig Wahlkampf auf niedrigem Niveau°, erklärt Dirk Beyer.
Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Klaus Harthausen (Fraktionsvorsitzender CDU-Rheindürkheim) fühlt sich missverstanden, da sich die Kritik in erster Linie auf das Vorgehen Gleisdreieck und die mangelhafte Kommunikation beziehe. Harthausen geht noch einen Schritt weiter und unterstellt Timo Horst, Beschlüsse des Ortsbeirats gezielt unter den Tisch fallengelassen zu haben. Das wiederum provozierte eine Redaktion der SPD Worms, die die Unterstellung zurückweisen und letztlich belegen, dass die damaligen Einwände sehr wohl behandelt wurden. Letztlich ist die Geschichte ein Beispiel dafür, wie ein Griff zum Telefon diesen Beitrag verhindert hätte.
Text: Dennis Dirigo, Fotos: Andreas Stumpf










