Ein Schloss bald nur noch zum Anschauen!

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Neues Veranstaltungskonzept für saniertes Schloss Herrnsheim sorgt für Aufregung

Es dürfte nicht wenige Wormser geben, die unvergessliche Erinnerungen an eine der zahlreichen Veranstaltungen im romantischen Ambiente des Schlosshofes oder des Parks im Schatten des Herrnsheimer Schlosses haben. Geht es nach der Stadtverwaltung, wird es zukünftig bei diesen Erinnerungen bleiben.

Das Herrnsheimer Schloss gehört mit seinem englischen Landschaftspark zweifellos zu den sehenswerten Höhepunkten in Worms. Würdevoll empfängt es seine Besucher seit vielen Jahrhunderten. Veranstaltungen wie der Herrnsheimer Weinsommer mit Konzert und WineSlam oder das Rhein Radeln sind hier ebenso zu Hause wie der Adventsmarkt, der jährlich mehr als 1.000 Besucher in seinen Schlosshof lockt. Das Schloss, das 1840 seine heute bekannte Form fand und dessen Geschichte bis 1440 zurückreicht, wird in den nächsten Jahren umfangreich saniert. Kulturkoordinator Volker Gallé stellte in der Mammutsitzung des Haupt- und Finanzausschuss/ Kulturausschuss die Planungen vor, die bereits 2015 ihren Anfang nahmen. Saniert wird in mehreren Bauabschnitten für rund 6,6 Millionen Euro. Der Löwenanteil, 4,6 Millionen Euro, kommt vom Bund, außerdem stellt auch das Land Mittel zur Verfügung. Nach ersten Schätzungen könnte die Gesamtsanierung, die erst in zehn Jahren beendet sein wird, mit 30 Millionen Euro zu Buche schlagen. Die Vorarbeiten hierzu begannen im Juli dieses Jahres. Die eigentliche Sanierung folgt 2021. Der erste Bauabschnitt soll 2025 beendet werden. Zu den umfänglichen Arbeiten in den Räumen des Hauptgebäudes gehört unter anderem die Installation eines Aufzugs, um das Gebäude für geführte Besichtigungen barrierefrei zu erschließen. Während die eigentliche Modernisierung des Gebäudes bei den Ausschussmitgliedern wohlwollend aufgenommen wurde, stieß das Nutzungskonzept auf erhebliche Kritik.

Untergliedert wurde die zukünftige Nutzung in drei Themen: Veranstaltungen, die museale Nutzung des Hauptflügels sowie die Schaffung einer Heimat für die Dalbergakademie, die von Volker Gallé konzipiert wurde und deren Name an die ehemaligen Eigentümer des Schlosses erinnert. Stein des Anstoßes ist vor allem das Veranstaltungskonzept für den Schlosshof. Im Schlosshof wie im Park sollen während und nach der ersten Sanierungsphase (2022 – 2025) keine Großveranstaltungen mehr durchgeführt werden. Das Konzept schlägt vor, die Teilnehmerzahl bei Veranstaltungen zukünftig auf 200 Personen zu begrenzen. Dafür sind als Standort vorzugsweise die Parktreppe und das davor liegende Weg- und Wiesengelände vorgesehen. Um die Bürger zu besänftigen, schlägt man für Großveranstaltungen die Erschließung eines Festgeländes vor, das auch über ausreichend Parkplätze verfügen soll. Wo, das ist noch nicht klar. Trauungen im Park oder auf der Grünfläche im Schlosshof sollen ebenfalls der Vergangenheit angehören, lediglich ein Sektumtrunk danach soll möglich sein. Den Park möchte man entsprechend seiner historischen Planung für Flanierformate nutzen. Als Vorbild nennt man das Kunstfest Blickachse oder die Weinprobenangebote des Weinsommers. Im Kulturbereich hält man Stationentheater, Wanderensembles (bis zur Größe eines Doppelquartetts = 8 Personen), Kleinkunst etc. für geeignet. Hier könnte bereits während der Sanierungsphase ein Sommerprogramm angeboten werden.

Während gelegentlich genervte Anwohner aufatmen dürften, fühlen sich viele Herrnsheimer und Wormser jedoch vor den Kopf gestoßen. Dirk Beyer (Ortsbeirat Herrnsheim und SPD Stadtratsfraktion) kann diesen Gedanken nicht nachvollziehen: „Jeder weiß, dass die Erschließung eines alternativen Geländes mit Blick auf die Haushaltslage der Stadt und die Grundstückssituation vor Ort lediglich Wunschdenken ist und in absehbarer Zeit nicht umgesetzt werden kann. Vom besonderen Ambiente ganz zu schweigen.“ Daher appellieren Beyer und Ortsvorsteher Andreas Wasilakis (CDU) eindringlich an die Verwaltung, das Nutzungskonzept, insbesondere der Freiflächen und des Parks, vollständig neu zu überdenken. Klaus Karlin (Stadtratsfraktion CDU) bemerkte: „Ein Denkmal ist nur erhaltenswert, wenn es zielführend ist“, und ergänzte: „Da sollten wir nochmal nacharbeiten“. Volker Gallé begründet die Neuausrichtung damit, dass die Fördermittel mit Auflagen verbunden seien. Sascha Dupuis (CDU), ebenfalls Ortsbeirat Herrnsheim, brachte es in einem Kommentar bei Facebook auf den Punkt: „Es wird mit dem Geld der Bürger saniert, also sollen diese auch den Vorteil daraus haben. Wenn da öffentliche Abgaben hineinfließen, um hinterher einen Ort für eine elitäre Kleingruppe zu kreieren, klingt das nach dem feudalen Gehabe längst vergangener Zeit!“