Es ist kurz vor 12!

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Wenn Sie schon genervt sind von den Diskussionen um Greta Thunberg und unser Klima allgemein, müssen Sie noch einmal stark sein. Auch bei uns sind die „Fridays for Future“ Demos ein ausführliches Thema dieser Ausgabe.

Es ist eine Diskussion um ein an sich ernsthaftes Ansinnen, die in erster Linie nervt, weil sie von zu viel Unwissen geprägt ist. Man muss den Hype um ein 16-jähriges Mädchen, das sich für den Klimaschutz einsetzt, nicht uneingeschränkt gut finden. Aber der Hass und die Häme, die Greta Thunberg entgegen schlagen, erreichen mitunter groteske Züge, als könnte sie etwas dafür, wenn Politiker eine Öko-Steuer einführen wollen. Dabei kann einem keiner richtig sagen, warum er Greta so massiv ablehnt. Die vorgeschobenen Argumente (wie „zusätzliche Abgaben/alles wird teurer“) sind relativ schnell entkräftet, so dass als letztes „Argument“ allenfalls noch „ich kann die Kleine einfach nicht leiden!“ übrig bleibt. Eine Diskussion auf Sachebene findet schon lange nicht mehr statt. Dass 97 Prozent aller Klimafachleute weltweit davon überzeugt sind, dass der Klimawandel menschengemacht ist, hält selbsternannte Klimaforscher in den Sozialen Netzwerken nicht davon ab, ihre eigenen Thesen zum Klimaschutz zu verbreiten. Auffällig oft entstammen die Klimaleugner aus dem Umfeld der AfD, die als einzige Partei nach wie vor hartnäckig den Klimawandel leugnet. Dabei wollte es die AfD erst kürzlich im Bundestag ganz genau wissen und stellte eine „Kleine Anfrage“, die von der Bundesregierung beantwortet wurde, dass sich im letzten IPCC-Sachstandsbericht 830 Klima-Experten auf die Aussage einigten, dass der Einfluss des Menschen mit 95- bis 100-prozentiger Sicherheit die Hauptursache für den globalen Temperaturanstieg ist.

Apropos AfD. Die rechtspopulistische Partei sorgte im letzten Monat für einen der absurdesten Vergleiche seit langem, als man versucht hat, eine Ansage von Herbert Grönemeyer bei einem Konzert in Wien mit Joseph Goebbels berühmter Sportpalast-Rede gleichzusetzen. Wie lächerlich, jetzt vergleichen schon die Rechten einen offensichtlich Linken mit einem Ur-Nazi der deutschen Geschichte. Wie auch bei der Diskussion um Greta Thunberg ging es gar nicht um den Inhalt, sondern offensichtlich darum, „wie“ man etwas sagt. Da ist es anscheinend egal, ob man eine „offene und humanistische Gesellschaft“ oder eben den „totalen Krieg“ fordert. In Diskussionen kommt dann mit ziemlicher Sicherheit das Totschlagargument, Grönemeyer solle sich raushalten, solange er hier keine Steuern zahle. Ganz davon abgesehen, dass ein Herbert Grönemeyer in seinem Leben schon mehr an den deutschen Fiskus abgedrückt hat als ein Großteil der AfD-Wähler, lebt der Sänger seit fast zehn Jahren in London und Berlin und zahlt dementsprechend auch in beiden Ländern Steuern. Nicht nur, was das Flüchtlingsthema angeht, sondern auch beim Klimaschutz zeigt sich die Spaltung der Gesellschaft, die in erster Linie durch Fake-News der AfD entsteht. Mit sachlichen Argumenten ist da natürlich nur schwer beizukommen.

Viel Lust auf Klimaschutz beim Lesen der 166. Ausgabe von:
WO! – DAS Wormser Stadtmagazin

wünscht Ihnen
Frank Fischer