Im Pas de deux durch das Leben einer Mode-Ikone

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Ballettinszenierung „Mythos Coco“

06. Februar 2019 | Das Wormser Theater:

Wenn der heutige Choreograf und Ballettdirektor des Salzburger Landestheaters, Peter Breuer, eine neue Ballettinszenierung auf die Bühne bringt, sorgt das in der Fachpresse regelmäßig für Jubelarien. Sein Markenzeichen ist hierbei das Erzählen von neuen, eigenständigen Geschichten, die nicht – wie der berühmte „Schwanensee“ – tausendfach inszeniert wurden.

Insofern waren die Zuschauer in Worms Zeugen eines ganz besonderen Ballettabends, der mit vielfältigen kreativen Leistungen glänzte und am Ende zu Recht geradezu euphorisch beklatscht und bejubelt wurde. Breuer wählte für sein jüngstes Handlungsballett die Biografie der legendären titelgebenden Modeschöpferin Coco Chanel. Im episodenhaften Rhythmus hechelte die Geschichte durch diverse tragische Liebesbeziehungen, der Besetzung Paris‘ durch die Nazis, die Befreiung der Frau von bisherigen modischen Konventionen, der Aufstieg zur mächtigen Geschäftsfrau, bis hin zum unvermeidlichen Tod. Nur mit den Mitteln des Tanzes erzählt, war es mitunter, schwierig dieser Biografie zu folgen. Für Erleichterung sorgte immerhin der Umstand, dass Breuer selbst zu Beginn dem Publikum eine Kurzeinführung gewährte. Im Mittelpunkt der Inszenierung stand natürlich vor allem die Sprache der Ästhetik – und die war über jeden Zweifel erhaben. Die Tänze waren frei von jeglichem Ballast, klar konzipiert und von den Tänzern bravourös mit Leidenschaft erfüllt. Das Bühnenbild passte in seinem Minimalismus kongenial, ebenso wie die Kostümgestaltung, die sich deutlich an Coco Chanels Credo der Schlichtheit ausrichtete. Elementar für ein Ballett ist natürlich die Musik. Breuer und sein Arrangeur Eduardo Boechat orientierten sich an den einzelnen Epochen und zeigten bei der Zusammenstellung mit Kompositionen von Satie, Scriabin, Strawinsky (mit dem Coco Chanel angeblich eine Affäre hatte), Gershwin und entsprechenden Chansons ein äußerst glückliches Händchen. Immer wieder pendelte die Musik zwischen mächtig und leise, fröhlich und traurig und sorgte so dafür, dass das minimalistische Gesamtkonzept einen emotionalen Überbau erhielt.

Fazit: Ein insgesamt eindrücklicher Theaterabend, wie man ihn gerne öfters in Worms erleben würde.