„In meinem Gesicht ist kein Frust“

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WO! im Gespräch mit Désirée Nick

Autoren: Dennis Dirigo und Eve Rademacher

Zu polarisieren gehört zu ihrem Image. In den frühen Jahren dieses Jahrtausends wurde sie einem Millionenpublikum durch ihren öffentlichen Schlagabtausch mit der Schauspielerin Anouschka Renzi, die sie als wandelndes Ersatzteillager bezeichnete, bekannt. Auch Dieter Bohlens Ex Naddel bekam immer wieder ihr Fett weg. Schon in diesen Konflikten zeigte sie ihre Ambivalenz, da sie selbst Schönheitsoperationen auch nicht gerade ablehnt. Neben diesen kalkulierten Skandalen hat sie mehrere Bücher verfasst, in denen sie sich immer wieder mit der Rolle der Frau beschäftigt. Auch in dem jüngsten Buch „Neues von der Arschterrasse“ ist der Schönheitswahn zentrales Thema. In Worms machte sie kurz Halt, um aus eben diesem Buch zu lesen und mit WO! einen kleinen Plausch über die Irrungen und Wirrungen der Rollenbilder in unserem noch jungen Jahrtausend zu sprechen.

In Ihrem neuen Buch verraten Sie Geheimnisse ihrer ewigen Schönheit. Können Sie uns eins verraten?
Ich nehme an Cremes nur das Billigzeug! Ich gebe wirklich nur sehr wenig Geld für Cremes aus, denn wenn man mit den richtig guten anfängt, dann ist man schon mal 350.- Euro los. Das ist doch Wahnsinn! Sehen Sie und ich nehme nur die günstigen und sehe genauso gut aus. Letztlich sehe ich vor allem so gut aus, weil ich mich nicht über einen Kerl ärgern muss, der mich zuhause nervt. Das ist mein eigentliches Schönheitsgeheimnis. In meinem Gesicht ist kein Frust!

In Ihrem neuen Buch „Neues von der Arschterrasse“ schreiben Sie über den problematischen Umgang mit Frauen. Was allerdings ist genau eine Arschterrasse?
Wir befinden uns in einem Zeitalter des Selbstoptimierungswahn und das finde ich immer interessant darüber zu schreiben, gerade nach 40 Jahren Frauenbewegung, Unabhängigkeit, das Ende der Versorgungsehe, der Zweckgemeinschaft. Aber auf einmal sollen alle aussehen wie Kim Kardashian. Denn diese Abteilung, Rihanna, Beyonce und Co. sind für die Jugend auch die Vorlage, wie man zu sein hat. Das sind ja nicht irgendwelche Abziehbilder, sondern Ikonen einer Bewegung. Ich habe dann bei Recherchen herausgefunden, dass das Arschimplantat die häufigste Schönheitsoperation der Welt ist. Das ist doch eine interessante Entwicklung nach 40 Jahren Frauenbewegung. Ich finde es schon erstaunlich, wie sich das Rollenmodell im Laufe der Jahre verändert hat und wie es aus Frauen Fantasy-Figuren macht.

Was glauben Sie, wie kam es zu dieser Entwicklung, es gehören ja schließlich auch die Frauen dazu, die dies annehmen!
Ja, die nehmen aber nur das an, was in der Zeitung steht. Würde da mehr über Kunst und Kultur stehen, und es würde Fußball laufen, würden die Frauen eher in die Oper gehen. Es sind ja immer Gemeinschaftserlebnisse. Die sehr junge Generation bekommt diese Bilder serviert und durch die neuen Medien sind diese Bilder auch nicht mehr einzudämmen. Diese Bilder, wie man auszusehen hat, überrollen geradezu die Welt.

Trifft das nicht auch auf junge Männer zu, die sich ebenfalls einem Modediktat zu unterwerfen haben?
Männer haben es im Vergleich zu jungen Frauen deutlich einfacher. Ich bitte Sie, was braucht denn ein junger Mann schon an Klamotten? Jeans, Blazer, einen dunklen Anzug, dann kann er mit dem Koffer in der Hand jahrelang die Welt bereisen. Männer wollen ja alle gleich aussehen, die sind ja wie Pinguine. Die sagen sich, schau mal, der da drüben hat das gleiche an wie ich, dann wird das schon richtig sein. Es ist kein Vergleich, wie wenig Aufwand ein Mann betreiben muss, im Gegensatz zu Frauen.

Ist es aber nicht so, dass auch Männer davon betroffen sind, neue Rollenbilder zu finden?
Ich finde nur, dass wir am Anfang einer Frauenbewegung stehen. In einem Zeitalter, in dem Männer freiwillig die Schürze umbinden und einen auf „ich bin der Herr am Herd“ machen, ist das sicherlich eine Entwicklung, mit der niemand gerechnet hat. Früher war Mutti gut genug, das Essen auf den Mittagstisch zu bringen und heute sind es die Kerle, die sich die Filetstücke in der Abendunterhaltung sichern, wenn sie Köche sein dürfen. Und das ist ja auch so ein seltsamer Trend. Da auf einmal bindet sich Papi die Schürze um. Genauso freiwillig, wie die Männer sich die Schürze umgebunden haben, erobern die Frauen nun die Chefetage. Irgendwie hat sich alles umgedreht. Das Zeitalter des Patriarchats ist angebrochen.

Das klingt jetzt aber ein wenig widersprüchlich!
Na ja, ich bin ja weder Soziologin, noch will ich die Welt verändern. Ich schreibe komische Bücher, die Leute sollen lachen, die Bücher sind sozusagen eine Show in Taschenformat. Meine Bücher sind die Alternative zur Show. Der Nachteil einer Bühnenshow ist, dass man zu einer gewissen Zeit nur an einem gewissen Ort auf der Bühne stehen kann, so dass man natürlich nicht jeden erreichen kann. Es ist der unmittelbarste Weg, Désirée Nick zu erleben. Für kleines Geld kann mich so jeder auf dem Nachttisch liegen haben.

Sie haben ein Buch geschrieben „Gibt es ein Leben nach fünfzig?“ Sie sind mittlerweile 59 Jahre alt, wie ist ihr Fazit zu den vergangenen Jahren?
Wunderbar! Es gab nie zuvor eine Generation, die in der Mitte des Lebens so glücklich ist, weil man sich von den Dingen, die einem in der Jugend aufgehalten haben, verabschiedet hat und alt ist man auch noch nicht. Es ist das beste Alter überhaupt.

Wir danken Ihnen für das Gespräch.