Klatschen aber, das ist wohlgefällig!

, , Kommentar schreiben

Pit Knorr liest Texte von Robert Gernhardt

04. August 2014
Chateau Schembs (Schloss Herrnsheim):

Es ist wohl unbestritten, dass der Komiker Otto zu Deutschlands erfolgreichsten und bekanntesten Humoristen gehört. Es ist aber auch unbestritten, dass der Erfolg des Ostfriesen maßgeblich auf ein Autorenteam mit dem geheimnisvollen Kürzel GEK zurückgeht. gemeint sind damit die prominenten Satiriker Bernd Eilert, Pit Knorr und Robert Gernhardt.

Im Rahmen des Herrnsheimer Weinsommers hielt PIT KNORR Audienz, um Texte seines 2006 verstorbenen Kollegen Gernhardt vorzutragen. In einer etwas mehr als zur Hälfte gefüllten Remise des Chateaus erlebten die Zuschauer eine heitere Reise in die humoristische Welt der „Titanic“ Gründer. Mit diebischer Freude am Wortwitz las der 75-jährige auch Selbstgeschriebenes. Der zwischen Frankfurt und Mallorca hin und her pendelnde Knorr bezeichnete die Lesung zu Beginn als ein Abendseminar an der Sommerakademie und widmete sich erst mal ausgiebig dem Thema Religion. Ganz nebenbei erweiterte er die zehn Gebote um ein Elftes, das da lautete: „Du sollst nicht lärmen.“ Dieses Gebot beinhaltete solch Anmerkungen wie „Du sollst nicht hupen“ oder „Lade keine Klingeltöne herunter, die Marschtöne verkünden“. Versöhnlicher zeigte er sich dann mit der Anmerkung: „Klatschen aber ist wohlgefällig“. Nebenbei gab er auch einen Einblick in das kreative Wirken der Gruppe, die sich gerne gegenseitig die Wörter zuwarf. Beispiel gefälligst? „Die Geisha, die schafft stets nach Plan, als erstes schafft sie Tee heran“. Im Laufe des rund zweistündigen Abends streifte er viele Themen, wobei er auch vor der Sprache des Internetzeitalters nicht Halt machte. Zwar atmete der Wortwitz zumeist den Geist der Siebziger und erinnerte immer wieder an den Humor des Ostfriesen – das störte das Zwerchfell jedoch herzlich wenig. Zur Belohnung für so viel Belustigung gab es dann – zu Knorrs Wohlgefallen – auch ein begeisternd klatschendes Publikum.

FAZIT: Heiter satirischer Ausflug in die Witzewelt der „Titanic“ Gründer. Subtiler Witz wechselte sich ab mit genialer Wortakrobatik. Sympathisch vorgetragen von einem Deutschen Humor Titanen.