„Kultur ist nicht alles, aber ohne Kultur ist alles nichts“

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Mit dem aktuellen Titelbild wollen wir auf einen Missstand hinweisen, der gerade uns als Stadtmagazin mit dem Themenschwerpunkt „Kultur“ sehr am Herzen liegt. Am 22. Juni fand bundesweit die „Night of Light“ statt, bei der auch „Das Wormser“ in rotem Licht erstrahlte. Tausende Veranstaltungsorte in Deutschland machten damit auf die aktuell sehr schwierige Lage der Veranstaltungsbranche aufmerksam und drückten ihre Solidarität mit Veranstaltern der Privatwirtschaft aus.

Die Veranstaltungsbranche war die erste, die von dem Lock-Down getroffen wurde und wird die letzte sein, die wieder zurückkehrt. Seit Mitte März ist eine komplette Branche mindestens bis Ende Oktober zum Stillstand verurteilt und weiß nicht einmal, ob und wann es danach normal weiter geht. Ausgerechnet die Leute, die unser aller Leben mit Konzerten, Theater oder Volksfesten bunter und lebenswerter machen, werden vom Staat bis dato gnadenlos im Stich gelassen. Sämtliche Hilfsleistungen des Staates, wie die Corona-Soforthilfe, zielen an deren Lebensrealität vorbei. Ein typischer Solo-Selbständiger produziert kaum Betriebskosten (z. B. für Büromiete), sondern bestreitet von den erzielten Einnahmen seinen Lebensunterhalt. Fallen diese aber über Monate hinweg aus, bleibt nur noch der Weg zum Arbeitsamt, um Hartz IV zu beantragen. Um diesen Leuten dieses würdelose Prozedere zu ersparen, scheint ein bedingungsloses Grundeinkommen während der kompletten Zeit, in der die Kulturtreibenden einem Arbeitsverbot ausgesetzt sind, die einzig sinnvolle Lösung zu sein. Sonst werden wir schon bald vor einem riesigen Scherbenhaufen in der Kulturszene stehen. Wenn für ein Luftfahrunternehmen mit einem Börsenwert von 4,5 Millionen Euro Staatshilfen in Höhe von neun Milliarden Euro fließen, um 135.000 Arbeitsplätze (zumindest teilweise) zu retten, dann muss auch genügend Geld für die drei Millionen Menschen aus der Veranstaltungsbranche zur Verfügung stehen. Hier muss die Politik dringend und schnell nachbessern.

Trübe Tage in Worms
Mitte Juni erreichte Worms eine Nachricht, die viele Bürger schockte. Nach mehr als 90 Jahren schließt der traditionsreiche Kaufhof noch in diesem Jahr endgültig seine Pforten. Es war ein schleichender Tod, der sich schon länger angekündigt hatte. Für die 43 Beschäftigten in Worms dürfte es nur ein schwacher Trost sein, dass auch ihre Kollegen in Mannheim, Mainz oder Frankfurt von den Schließungsplänen der Konzernleitung betroffen sind. Unabhängig von dem Kaufhof-Aus gehen wir in dieser Ausgabe der Frage nach, wie es dem Wormser Einzelhandel geht, dreieinhalb Monate nach dem bundesweiten Lock-Down, der dem Handel zwei umsatzstarke Monate geraubt hat? Dass auch heute noch ein entspanntes Shoppen mit Atemschutzmaske kaum möglich ist, bestätigen uns die meisten Einzelhändler. Die kompletten Auswirkungen der Corona-Krise werden aber wohl erst in einigen Monaten sichtbar werden. Da Insolvenzen bis Ende September ausgesetzt sind, rechnen Wirtschaftsexperten im Herbst mit einer Pleitewelle. Es steht also zu befürchten, dass die Schließung der Kaufhof-Filiale nicht die einzige in der Innenstadt bleiben wird. Das Aussterben der Innenstädte wird vor allem Jeff Bezos freuen, den reichsten Menschen der Welt, der sich derweil als CEO des Onlineriesen Amazon die Hände reiben kann. Auch hier ist die Politik gefragt, Antworten zu finden.

PS: Nachdem unser Fünfzehnjähriges im April dank Corona ein wenig untergegangen ist, feiern wir wenigstens unser nächstes Jubiläum: 175 Ausgaben WO! Für Nostalgiker gibt es deshalb in der Heftmitte alle bisher erschienenen 175 Titelbilder am Stück.

Viel Optimismus beim Lesen der 175. Ausgabe von:
WO! – DAS Wormser Stadtmagazin

wünscht Ihnen
Frank Fischer | Chefredakteur