Männer in Spandex-Anzügen und ein Sänger in der Rolle seines Lebens

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Konzertkritik „Jan Plewka singt Rio Reiser“

28. November 2019 | Alte Feuerwache Mannheim:

Für Jan Plewka ist es die Rolle seines Lebens. Und das nicht nur in musikalischer Hinsicht, denn der Frontmann der in den 90er Jahren erfolgreichen deutschen Rockgruppe Selig inszeniert seine Konzerte, in denen er sich der deutschen Rocklegende Rio Reiser widmet, viel mehr als schillernde Show, denn als einfaches Konzert. So auch in Mannheim.

Es war kurz nach 20 Uhr, als die Lichter in der Alten Feuerwache erloschen. Lediglich der Strahl einer Taschenlampe, ausgehend von einem im Publikum umhergehenden Mann im hemdsärmeligen Archäologen-Outfit samt Tropenhut, durchbrach die Dunkelheit im Saal. Der Mann war Jan Plewka und die Rolle die des Archäologen Heinrich Schliemann, als er Troja entdeckte. Angesprochen darauf, was er dort fand, sagte Schliemann alias Plewka: „Ton, Steine, Scherben!“ Damit war das Konzert eröffnet. Plewka wechselte schnell das Kostüm, um seine neue Rolle zu finden, während die Schwarz-Rote-Heilsarmee-Band nach wenigen Takten untermauerte, warum Ton Steine Scherben bis heute als die Idee einer idealen Verkörperung deutscher Rockmusik gelten. Seit mittlerweile 14 Jahren widmet sich der Hamburger Musiker Plewka dem umfangreichen Werk von Rio Reiser, der unter dem Namen Ralph Möbius 1950 geboren wurde und bereits 1996 verstarb. Hinterlassen hatte er Songs, die Generationen prägten und untrennbar mit den Studentenprotesten der Siebziger verbunden sind. Mit dem Stück „Der König von Deutschland“ wurde er sogar zum Charts Stürmer. Da Reiser selbst mehr Wert auf seine poetischen oder rebellischen Songs legte, wurde der dominante Hit von Plewka auch an diesem Abend ausgespart. Stattdessen gab es kraftvoll rockende Versionen von „Macht kaputt, was euch kaputt macht“, „Keine Zeit für Niemand“ oder zärtlich gespielt und gesungene Versionen von „Zauberland“, „Für immer und Dich“ oder „Komm, schlaf bei mir“. Zwischen den Liedern verschwand Plewka immer wieder hinter der Bühne, um das Publikum mit einem neuen Outfit zu beglücken. Zwischendurch tanzte ein Eisbär auf der Bühne und die Band musste sich nach der Pause in hautenge Spandex Anzüge zwängen und gute Miene zum schwitzenden Spiel machen. Manches entfachte Fragezeichen beim Zuschauen, aber vieles begeisterte schlichtweg.

Fazit: Ohne den Geist Reisers zu verraten, schaffte es Plewka, den Songs seinen eigenen markigen Stempel aufzudrücken und untermauerte die zeitlose Qualität der Songs und warum Rio Reiser bis heute als einer der einflussreichsten Musiker gilt.