Vier Männer verführen mit ihren Gitarren

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Konzertkritik zu „Stille Töne“

07. Dezember 2019 | Lincoln Theater Worms:

Gitarren sind immer wieder das bevorzugte Instrument, das im Mittelpunkt der Unplugged-Reihe „Stille Töne“ steht. So auch bei der diesjährigen Auflage, die dieses Mal – entgegen der Freitagstradition – samstags stattfand und wieder etliche Freunde des gepflegten Songwriting ins Lincoln lockte.

Ideengeber und Programmchef David Maier untermauerte mit seiner Künstlerauswahl einmal mehr, dass es, abseits von Castingshows und vor Testosteron strotzenden Rappern, talentierte Musiker gibt, die entdeckt werden wollen. Einer von denen ist Jordan Prince. In Mississippi geboren, lebt er seit 2015 in München und führt ein mehr oder weniger bescheidenes Nischendasein mit seinem Neo Folk, wie er ihn selbst beschreibt. Prince ist der Prototyp eines Singer/Songwriters. Nachdenkliche, biografisch gefärbte Texte, eingängige Melodien, die sofort ein Wohlbefinden auslösen, getragen von einer samtenen Stimme, die pures Understatement ist. Mit dieser Rezeptur und selbstironischen Kommentaren bescherte Prince dem Publikum einen gelungenen Einstieg in den Unplugged-Abend. Etwas umständlich über einen Vergleich mit dem Ludwigshafener Tatort um Lena Odenthal angekündigt, war der zweite Sänger dieses Abends, Gringo Mayer, die eigentliche Entdeckung. Die Rheinpfalz schrieb über den Musiker: „Seine Musik ist wie der rau-charmige Pulsschlag einer Industriestadt.“ Gemeint ist damit Ludwigshafen und tatsächlich gelingt es dem verschmitzt humorigen Sänger, eine Art von musikalischer Streetcredibility zu entwickeln, was besonders durch die Entscheidung, seine Songs im breiten Pfälzisch zu singen, unterstrichen wurde. Entgegen den üblichen Mundartplattheiten von Bands wie „Die Anonyme Giddarischde“ oder „Snailshouse“, gelingen ihm kleine, eindrückliche Geschichten über das Leben, getragen von seiner warmen melancholischen Stimme. Melancholisch ging es auch beim letzten Act des Abends zu. Ganz im Sinne des Bandnamens, hinter dem sich federführend der Musiker Florian Sczesny verbirgt, steht die Musik in der Tradition des Dream Pop. Gäbe es an den Sitzen im Lincoln die Möglichkeit, die Rückenlehne nach hinten zu stellen und die Füße hochzulegen, das wäre der Augenblick dafür gewesen. Zu zweit schufen die Musiker traumwandlerische Songskulpturen, in deren Weiten man sich verlieren konnte, um immer tiefer in die Sitze zu rutschen.

Fazit: Man mag mit dem Covern bekannter Musik in heutigen Zeiten erfolgreicher sein. Umso erfreulicher ist es, dass die Reihe „Stille Töne“ immer wieder talentierten Musikern ein Forum bietet, ihrer eigenen Kreativität einem Publikum gegenüber Ausdruck zu verleihen.