Schillernder Abend mit dramaturgischen Längen

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Showkritik zum Premierenabend Winter Varieté Worms

05. Dezember 2019 | EWR Kesselhaus in Worms:

Ein buntes Programm, wie man es nur im Zirkus vorfindet, gepaart mit einem kulinarisch anspruchsvollen Menü – das ist das Rezept, mit dem das moderne Varieté Theater seine Gäste verführt. Seit zwei Jahren gibt es dies auch in Worms und nennt sich Winter Varieté.

Erneut verwandelte man für einen Monat das Kesselhaus in einen Sinnespalast, wie die Macher die eindrucksvoll gestalteten Räume nannten. Damit man die Zuschauer, die im ersten Jahr dabei waren, erneut beeindrucken könne, versprach man zusätzlich, die Messlatte höher anlegen zu wollen. Doch in dem Streben, immer noch eins draufsetzen zu wollen, kann man sich auch schnell verheben. Wer erstmals die Show besuchte, erlebte Spitzenakrobaten, die atemberaubende Körperbeherrschung demonstrierten, während einem die Darbietungen ob der scheinbaren Leichtigkeit in Staunen versetzten. Mit lässiger Souveränität moderierte der Deutsch-Grieche Jorgos Katsaros humorvoll den Abend und zeigte kleine Zaubertricks, die zugleich dafür standen, dass manchmal weder Kraft noch ein großes Spektakel von Nöten sind, um zu verblüffen. Begleitet wurde der Abend von einem Drei-Gänge-Menü, das sowohl in der fleischfreien als auch fleischhaltigen Variante angeboten wurde. Gereicht wurde es vom Servicepersonal, das, zumindest am Premierenabend, bei der Verteilung der kulinarischen Genüsse sichtlich Orientierungsprobleme hatte, sodass der Ablauf der Show spürbar in Verzug geriet. Um die Zeit zwischen den Gängen möglichst elegant zu gestalten, sorgte das Duo O & A mit Hits wie „Wonderwall“ oder „Lemon Tree“ für musikalische Kurzweil. Visueller Höhepunkt des Abends war zweifellos der Auftritt der „Laserqueen“. Begleitet von den peitschenden Klängen von Daft Punks Soundtrack zu dem Film „Tron: Legacy“ tanzte die unbekannte Künstlerin, zu erkennen waren lediglich die mit Schwarzlicht betonten Kleidungselemente, im abgedunkelten Spiegelpalast mit einem Laser und sorgte für optische Überwältigung.

Fazit: Keine Frage, die Leistungen der einzelnen Künstler waren grandios, jedoch fiel in diesem Jahr auf, dass die Macher bei der Programmgestaltung deutlich auf die schwindelerregenden Kunststücke von Luftakrobaten setzten, sodass sich im Laufe des Abends ein Wiederholungseffekt einstellte. Dennoch muss man attestieren, dass es der Show wieder gelungen ist, den Gast für ein paar Stunden in einen Rausch der Sinne zu versetzen.