Männlichkeit entscheidest Du“ – Frauennotrufe und Frauenministerium starten Kampagne in Rheinland-Pfalz

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Eine Pressemitteilung von Frauennotruf Mainz:

Die Kampagne „Männlichkeit entscheidest Du“ kommt in Zeiten von Corona wie gerufen: Es wird viel über das Thema Männergewalt an Frauen gesprochen und die Aktion will nun auch in Rheinland-Pfalz Männer dafür gewinnen, alte patriarchale Rollenmuster zu reflektieren und für positive Männlichkeit einzustehen. Die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) der Frauennotrufe Rheinland-Pfalz startet mit Unterstützung der Frauenministerin Anne Spiegel die Plakat-Kampagne in Rheinland-Pfalz.

Bereits im März nahm der Frauennotruf Mainz, die Koordinierungsstelle der Landesarbeitsgemeinschaft der Frauennotrufe Rheinland-Pfalz, Stellung zu dem Thema (Sexualisierte) Gewalt in Partnerschaften während der Corona-Krise:

Wichtig ist, dass sich die Botschaft in diesen Zeiten nicht nur an betroffene Frauen richtet, sondern auch potentiell gewalttätigen Männern und Jungen verdeutlicht wird: Es gibt keine Entschuldigung für sexualisierte Übergriffe und Gewalt: Nicht das Corona-Virus ist schuld, sondern die gewalttätige Person ist verantwortlich für das eigene Handeln.“

Das sogenannte „starke Geschlecht – ist das der ideale Mann? Und was hat das mit Gewalt gegen Frauen zu tun? Darüber haben die Frauennotrufe mit Männern gesprochen. Das Ergebnis ist die Kampagne „Männlichkeit entscheidest Du“ aus Schleswig-Holstein. Die Botschaft: Männer emanzipiert Euch von toxischer Männlichkeit!

Bei den betroffenen Frauen und Mädchen in unserer Beratungsarbeit ist nicht nur die physische und sexualisierte Gewalt Thema, sondern besonders das dahinterstehende Männlichkeitsbild. Die Einstellung, dass ein Mann dann männlich ist, wenn er andere beherrscht und bestimmt, ist noch immer weit verbreitet. Diese sogenannte „toxische Männlichkeit“ ist die Wurzel für Demütigung, Abwertung, Sexismus und letztlich Gewalt gegen Frauen und Mädchen,“ wissen Anette Diehl und Eva Jochmann vom Frauennotruf Mainz.

Wenn es Männern gelingt, sich von toxischer Männlichkeit zu emanzipieren, haben wir auch für Frauen viel gewonnen,“ sagt Katharina Wulf, Geschäftsführerin vom Landesverbandes Frauenberatung Schleswig-Holstein (LFSH) LFHS und Mitinitiatorin der Kampagne. Die Frauennotrufe, Fachstellen zum Thema Sexualisierte Gewalt sehen deshalb eine große Chance für die Aktion.

Den besonderen Ansatz dieser Kampagne, die Männer mit ins Boot zu nehmen, unterstütze ich ausdrücklich“, sagt Frauenministerin Anne Spiegel. „Mir ist es sehr wichtig, dass sich auch Männer klar gegen Sexismus und sexualisierte Gewalt positionieren. Es darf nicht nur Sache der Frauen sein, sich damit auseinanderzusetzen, wie die Gesellschaft mit sexualisierter Gewalt umgeht und mit den Strukturen, in denen Frauen ausgenutzt, diskriminiert und missbraucht werden“, so die Ministerin weiter.

Auch Jens, 56, der sich an der Kampagne beteiligt sagt: „Genau, jeder von uns kennt diese Sprüche über Frauen aus dem eigenen Umfeld, sei es in den Sportumkleiden oder auch in den sozialen Medien. Wichtig ist mir, dass Männer reflektieren, welche Rolle sie sich selbst und Frauen damit zuschreiben. Gewalt ist nur das Ergebnis einer Kultur, die wir jetzt hinter uns lassen müssen.“

Entstanden ist die Kampagnenidee „Männlichkeit entscheidest Du“ in Schleswig-Holstein in Zusammenarbeit mit Männern wie Jens, die sich gemeinsam dafür einsetzen möchten, Männlichkeit neu zu definieren und sich klar zu positionieren.

Die Kampagne wird in zehn Regionen von Rheinland-Pfalz an unterschiedlichen Stellen mit unterschiedlichen Kooperationspartner*innen starten,“ erläutert Eva Jochmann vom Frauennotruf Mainz. „Und wir freuen uns, dass wir für unsere Aktion in Mainz unter anderem die Gleichstellungsstelle des Landkreis Mainz-Bingen gewinnen konnten.“

18.000 Postkarten und 1800 Plakate wurden bereits gedruckt und sollen nun verteilt und aufgehängt werden. Die Kampagne in Rheinland-Pfalz wird vom Ministerium für Familie, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz MFFJIV finanziert.

Verantwortlich: Anette Diehl und Eva Jochmann, Frauennotruf Mainz