„Man muss einfach an sich glauben!“

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Als blinder Tänzer in den Reihen eines Männerballetts

Es war ein Moment, der Volker Ruppert emotional überwältigte, als er nach vier Jahren gemeinsam mit seinen Freunden wieder auf der Bühne der Wormser Narrhalla stand, um zu tanzen. Denn das Tanzen war seine große Leidenschaft, die allerdings ein jähes Ende fand, als er kurz nach seinem 51. Geburtstag begann zu erblinden.

Wenige Tage nach seinem Geburtstag bemerkte der gelernte Tischler ein Flimmern und Blitzen in seinem linken Auge. Zunächst ignorierte er dies. Der Facharzt, den er schließlich aufsuchte, überwies den Westhofener direkt in die Augenklinik in Ludwigshafen. Nach intensiven Untersuchungen stellte man fest, dass er an einer durch Windpockenviren ausgelösten Enzephalitis erkrankt ist. Die Infektion griff den Sehnerv an und zerstörte ihn. Bereits 14 Tage später konnte er nur noch Grautöne erkennen. Heute ist er nahezu vollständig blind. Nur schwach kann er Konturen erkennen. Zugleich bedeutete die Erblindung für Ruppert, der sagt, dass er früher eine echter Workaholic war, das Ende seiner beruflichen Laufbahn. Für den Hobbytänzer, der früher viel Zeit auch in der Natur verbrachte, ein niederschmetterndes und vor allem tiefgreifendes Erlebnis. Seit 2002 tanzte Ruppert in dem Männerballett The Magic Ploppendales, ehe die Erkrankung alles veränderte. Doch den Kopf in den Sand stecken, das war nicht seine Sache, auch wenn es viele Momente gab, in denen er mit seinem Schicksal haderte. Im Gespräch räumt Ruppert ein, dass seine Frau Monika und seine beiden erwachsenen Kinder eine wichtige Stütze waren und sind. Nicht minder wichtig sind ihm seine Freunde. Als die Magic Ploppendales begannen, sich mit der anstehenden Fastnachtskampagne zu beschäftigen, hatten sie die Idee, ihren Kumpel zu fragen, ob er wieder gemeinsam mit ihnen tanzen möchte. Ruppert zögerte nicht lange und sagte zu. Drei Monate lang trainierte man gemeinsam in Ralfs Tanzgalerie die Choreografie, die der Tanzlehrer Ralf Hoh gemeinsam mit seiner Truppe entwickelte. Für alle war es eine neue Erfahrung. Ruppert erklärt, dass es zunächst ein Stück Überwindung kostete, auf die Bühne in der Kapelle (Prinz-Carl-Anlage) zu treten, schließlich kannte er diese überhaupt nicht. Geführt wurde er zunächst von Nadine Jung, die ihn auf die Bühne brachte, an der Seite betreute und ihn schließlich seinen Freunden übergab, mit denen er einen schwungvollen Sirtaki tanzte. Ursprünglich wollte man gar nicht erwähnen, dass man mit Volker Ruppert einen blinden Tänzer in den Reihen des Männerballetts hatte. Allerdings befand sich unter den Zuschauern eine aufmerksame Reporterin der SWR Landesschau. Beeindruckt von der Leistung des blinden Tänzers, beschloss sie, einen Beitrag zu drehen, der aktuell in der SWR Mediathek noch zu sehen ist. Am Fastnachtsamstag absolvierte Ruppert seinen vorerst letzten Auftritt mit den Magic Ploppendales auf dem Obermarkt bei „Spass uff de Gass“. Auch im nächsten Jahr würde er gerne wieder gemeinsam mit seinen Freunden tanzen. Im Gespräch mit WO! erzählt er, dass er darüber hinaus auch gerne wieder etwas „Sinnvolles“ tun würde, da es ihm schwerfällt, Frührentner zu sein. Gefragt danach, ob er dahingehend konkrete Vorstellungen hat, antwortet er, dass er in alle Richtungen offen ist und ergänzt: „Man muss einfach an sich glauben!“