Melodien zum Verlieben

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Konzert „Kaempfert plays Kaempfert“

24. April 2015
Das Wormser Theater:

Wo! Urteil: ??????

Lange bevor das deutsche Fräulein Wunder Nena mit ihrem Song „99 Luftballons“ die amerikanischen Hitparaden eroberte, gelang es einem anderen Musiker mit seinen verträumten Trompetenklängen als erstem Deutschen die amerikanische Chartsspitze zu erklimmen. Die Rede ist von Bert Kaempfert, der es 1961 mit dem Instrumentalstück „Wonderland by Night“ auf Platz 1 in den USA schaffte.

Manch einer wird nun sagen: „Bert wer?“ Während jungen Menschen der Name nicht mehr allzu viel sagt, dürften seine Melodien hingegen unvergessen sein. Wer kennt zum Beispiel nicht den Welthit „Strangers in the Night“ von Frank Sinatra. Mit diesem Song verhielt es sich wie mit vielen aus der Feder des deutschen Komponisten und Bandleaders: zumeist wurden sie von anderen Interpreten umgesetzt bekannter und erfolgreicher. Nichtsdestotrotz hinterließ der gebürtige Hamburger, der bereits im Alter von 56 Jahren verstarb, mit 400 Kompositionen ein eindrucksvolles Erbe. Grund genug für seinen Enkel Stefan Kaempfert, dieses Erbe nicht nur zu verwalten, sondern auf der Bühne wieder auferstehen zu lassen. Ganz im Zeichen dieser Mission tourt der ausgebildete Trompeter seit 2009 durch Deutschland, um mit einer elfköpfigen Band sowohl Eigenkompositionen seines Großvaters als auch Arrangements bekannter Songs zu Gehör zu bringen. Dass der Name Bert Kaempfert im Jahre 2015 etwas an Zugkraft verloren hat, belegte leider ein äußerst mäßig besuchtes Theater. An der Musik kann es schließlich nicht gelegen haben, auch wenn sich im Laufe des Abends zeigte, dass die elfköpfige Band wohl doch ein wenig zu klein war, um den großen Melodien gerecht zu werden. Zwischen den Stücken ließ der Enkel das Publikum teilhaben an seinen Erinnerungen, die ein wenig zu verklärt daherkamen. Dass der große Komponist und Arrangeur auch als Workaholic berühmt berüchtigt war und ein veritables Alkoholproblem hatte, wurde an diesem Abend ausgeblendet. Andererseits hätte dies auch nicht wirklich gepasst.

Fazit: Kurzweilige nostalgische Reise in eine Zeit, als „Easy Listening“ geboren wurde und die Melodie im Vordergrund eines guten Songs stand.