MIT ALICE IM WUNDERLANDZIRKUS
Kritik zu „Alice in an amazing world“

18. Januar 2026 | Das Wormser Theater: Als 1865 der britische Autor Lewis Carroll „Alice im Wunderland“ veröffentlichte, konnte er nicht mal im Ansatz ahnen, in welcher Vielfalt seine Geschichte das kulturelle Bewusstsein prägen wird. Neben Filmen, Comics, Musik und TV gab es die Geschichte nun auch in Worms als Wunderlandzirkus.
Im Rahmen einer „Spot On“ Veranstaltung der KVG, bei der das eigentliche Stück von einem Rahmenprogramm davor begleitet wird, begrüßten zunächst lebendig gewordene Figuren aus dem fantasievollen Reich von Alices Träumen die jungen und nicht ganz so jungen Besucher. Perfekt kostümiert und gespielt von ehrenamtlichen Darstellern der Volksbühne, waren Alice, der Hutmacher oder die Grinsekatze ein beliebtes Fotomotiv, ehe das eigentliche Ensemble von Artstage Würzburg in seine „Amazing World“ entführte. Bereits die kleine Namensänderung vom Wunderland zur „Amazing World“ sollte wohl suggerieren, dass es die Macher mit der eigentlichen Geschichte nicht so genau nehmen.
Das Figurenpersonal war zwar vorhanden, doch von Beginn an legte die Inszenierung ein hohes Tempo vor, sodass der jüngere Teil des Publikums wohl erhebliche Probleme gehabt haben dürfte, der Geschichte zu folgen. Statt dem angekündigten Mix aus Tanzshow und Theater, wartete auf die Zuschauer eher eine zirkusähnliche Show. Exposition war daher nicht angesagt, sodass sich der Zuschauer unversehens im Wunderland wiederfand. Träumend zu den Klängen des Stücks „River flows in you“ von Yiruma tanzte Alice bereits einen Wimpernschlag später mit dem Hutmacher und Co durch die wundersame Welt. Die lebte allerdings auf der Wormser Theaterbühne eher von der Illumination als von der kargen Bühnenausstattung.
Fazit: Geschichtlich sehr frei interpretiert, glich das Stück einer theatertauglichen Fassung einer „Cirque du Soleil“ Show. Neben famosen Artisten, teils begleitet von Musik genau aus diesen Shows, wirbelten, tanzten und sprangen die Tänzer absolut beeindruckend über die Bühne. Dennoch verwirrten im Kontext mit der bekannten Geschichte eigens ergänzte Passagen, wie der Ausflug von Alice in ein von Afrika inspiriertes Land. Wer sich indes rein assoziativ auf die großartige Leistung der jungen und erwachsenen Akrobaten und die Musikflut einließ, konnte zumindest für zwei Stunden in sein eigenes Wunderland reisen.
Text: Dennis Dirigo, Fotos: Andreas Stumpf










