Neue Töne für einen alten Russen

, , Kommentar schreiben

Konzert „Romeo und Julia“ mit dem Sinfonischen Akkordeon-Orchester Hessen

15. Juni 2019 | Das Wormser Theater:

Das Akkordeon hat gemeinhin nicht unbedingt den besten Ruf. In der Sprache wird das hochkomplexe Instrument gerne verunglimpft als Schifferklavier oder Quetschkommode und in der klassischen Orchesterbesetzung wird es normalerweise ignoriert. Dabei muss sich der Klang von rund 30 Akkordeons gar nicht mal vor einem herkömmlichen Orchester verstecken, wie das jüngste Konzert des Sinfonischen Akkordeon-Orchester Hessen (SAkkOH) im Wormser Theater eindrucksvoll demonstrierte.

Aus Enttäuschung über die fehlende Anerkennung des Instruments engagiert sich der Akkordeonspieler und Unternehmer Michael Zehe (Firma Rowe) als Förderer der Konzerte des SAkkOHs seit 2009. Wie in den Jahren zuvor stand auch das aktuelle Konzert unter einem Motto. Nichts weniger als die wohl tragischste Liebesgeschichte der Literatur, „Romeo und Julia“, bot den Rahmen für das Konzert. Der Abend im sehr gut besuchten Theater gestaltete sich in einer Mischung aus Spielszenen, versehen mit dem berühmten Text von William Shakespeare, und Auszügen des nicht weniger bekannten Balletts des russischen Komponisten Sergei Prokofiev. Die eigentliche Orchestrierung wurde damals von Streichern, Blasinstrumenten und jede Menge Schlagwerk dominiert. In der Bearbeitung des Sakkoh waren es natürlich zahlreiche Akkordeons, die die kraftvolle Musik des Russen zu neuem Leben erweckten und zugleich dem vielgehörten Werk unter dem Dirigat von Thomas Bauer neue Facetten abgewannen. Interessant war auch die Kombination mit den Spielszenen, die von Schauspielschülern der Theaterakademie Mannheim mit viel Leidenschaft dargebracht wurden. Prokofievs Musik bekam dadurch die Bedeutung einer begleitenden Filmmusik, die die episodische Darstellung zusammenhielt. Der zweite Teil des Abends gehörte schließlich ganz der Musik. Mit Auszügen aus der Operette „Die Fledermaus“ (Strauss) und einer lebendig gespielten Suite des ebenfalls russischen Komponisten Dmitri Kabalewski zeigte das Orchester weitere Facetten seines Könnens.

Fazit: Ein eindrucksvolles Konzert, das abwechslungsreich mit opulentem Sound zu gefallen wusste. Am Ende gab es noch einen Ausblick auf das kommende Jahr. Dann präsentiert man Frederick Loewes berühmtes Musical „My fair Lady“.