Nicht mehr länger zusehen

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Ein Kommentar zu den Angriffen auf Flüchtlingsheime

Stellen Sie sich vor, Sie verlassen Ihr vom Krieg zerstörtes Heimatland, kommen nach beschwerlichen Wochen in Deutschland an und das Erste, was Sie sehen, sind die hassverzerrten Gesichter von einigen Rechten, die Ihre Unterkünfte anzünden wollen und von Anfang an klar machen, dass Sie hier nicht willkommen sind.

Am lautesten brüllen derzeit diejenigen, die vor 25 Jahren selbst um „Asyl“ gebeten haben, aber nicht etwa, weil sie Kriegsflüchtlinge waren, sondern weil sie vom Konsum und der Reisefreiheit im Westen angelockt wurden. Wie widerlich, dass die gleichen Leute nun den vom Krieg gebeutelten Menschen nicht einmal die Butter auf dem Brot gönnen, dabei gab‘s für die Ossis sogar Bananen zur Begrüßung. Welch eine Niedertracht muss diese Menschen treiben, wenn sie mit brennenden Fackeln vor die Notunterkünfte der Flüchtlinge ziehen? Während sich aktuell in Deutschland Szenen abspielen, die man auf deutschem Boden niemals mehr vermutet hätte, hat es der Satiriker Oliver Kalkofe auf den Punkt gebracht: „Es geht darum, dass derzeit Menschen, auf der Flucht und um ihr Leben kämpfend, in einem fremden Land, auf der Suche nach Hilfe, von Parolen grölenden Vollidioten gewalttätig bedroht werden. Dass Heime, in denen die ärmsten Schweine, die momentan hier rumlaufen, nur für kurze Zeit in Sicherheit durchatmen sollen, angezündet und niedergebrannt werden – und das ganz offensichtlich von den dümmsten Schweinen, die momentan bei uns rumlaufen.“ Das hat nichts zu tun mit einer Meinungsäußerung, das ist schlichtweg eine Straftat. Ein anderes ist es, dass man endlich das Problem an der Wurzel packt, damit nicht immer mehr Flüchtlinge gezwungen sind, ihr Heimatland verlassen zu müssen. Wenn wir nicht bald die Fluchtursachen bekämpfen, wird die Situation irgendwann unkontrollierbar. Solange SPD-Chef Sigmar Gabriel öffentlich den medienwirksamen Schulterschluss mit Schauspieler Til Schweiger sucht, aber gleichzeitig weitere Waffenexporte in die Kriegsländer genehmigt, sorgt er damit für genau den Nährboden, damit immer mehr Flüchtlinge hierher kommen. Ende 2014 waren offiziell weltweit 60 Millionen Menschen auf der Flucht. Vor zehn Jahren waren es nur 37,5 Millionen. Warum sind ein Jahrzehnt später fast doppelt so viele Menschen auf der Flucht vor Krieg? Immer wieder resultieren diese Flüchtlingsströme aus den westlich gesteuerten Angriffskriegen im Irak, in Syrien, Libyen, die allesamt unter NATO, Blauhelm oder US-Flagge durchgeführt werden. Wenn diese Leute aus ihrem vom Krieg zerbombten Heimatland fliehen, dann sind auch wir Deutschen mitschuldig daran, weil wir entweder als Teil eines wohlklingenden Verteidigungsbündnisses unsere Bundeswehr dorthin geschickt haben oder in Form von Waffenlieferungen in die Kriegsgebiete sogar noch wirtschaftlich von dem dortigen Elend profitieren. Wer will es diesen Menschen verübeln, dass sie nicht zusehen wollen, wie ganze Landstriche in Schlachtfelder verwandelt werden und sämtliche Lebensstrukturen zum Erliegen kommen? Und dann kommen diese von unseren grausamen Bomben gezeichneten Menschen nach Deutschland und dort schlägt ihnen der blanke Hass vom unteren Satz der Gesellschaft entgegen, weil die ärmsten der Armen die noch Ärmeren abfackeln, verbrennen, vertreiben wollen aus ihrer Stadt. Deutschland ist im Moment mancherorts der reinste Ort der Schade. Umso wichtiger ist es, dass wir alle aktiv gegensteuern und klar machen, dass wir diesen braunen Mist nicht mehr brauchen und dass das Gebot der Menschlichkeit grundsätzlich über allem stehen sollte. Wer plötzlich Milliarden hatte, um Banken vor ihrem Untergang zu retten, der sollte auch eine Unterkunft und Essen zur Verfügung stellen können für Menschen auf der Flucht – egal welcher Herkunft.

An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun,
sondern auch die, die ihn nicht verhindern. Erich Kästner

HINWEIS: Vom 25. September bis 03. Oktober findet in Worms erstmals das New-Pop-Festival statt, das sich u.a. mit dem Thema „Asyl“ beschäftigt. Am 3. Oktober steigt im BB on the Rockzz ein „Rock gegen Rechts“-Festival. Besuchen Sie die Veranstaltungen und zeigen Sie Flagge!!