Sagen Sie mal, Herr Bims?

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Teil 76: Blut und Schlümpfe

Die 52 Kandidaten, mit denen sich unser neuer OB die nächsten fünf Jahre im Stadtrat herumärgern muss, stehen fest. Ich höre Sie deshalb schon wieder zu Tausenden fragen: „Sagen Sie mal, Herr Bims, haben Sie denn auch ganz wild durcheinander kumuliert und panaschiert?“

Naddirlich!! Da ich nach meiner Lehre zum Schiffschaukelbremser auf dem Wormser Backfischfest in Ländern wie Kinshasa, Angola oder Ruanda gelebt habe, in denen es so etwas wie ein Wahlrecht gar nicht gab, ist mir dieser demokratische Vorgang sehr wichtig. Ein festes Ritual von mir besteht darin, dass ich mein Wahllokal grundsätzlich erst fünf Minuten vor der Schließung aufsuche, nur um meinen üblichen Witz zu bringen: „Hallo, bin ich der Erste heute?“ Auch diesmal konnte ich die müden Wahlhelfer damit kurz vor Feierabend noch ein bisschen aufheitern. Außerdem bilde ich mir ein, dass man die ersten Hochrechnungen, wenn man später wählen geht, am späten Abend noch mächtig durcheinander wirbeln kann. Wenn ich nämlich meinen Wahlzettel als Letztes in die Wahlurne werfe, liegt mein Zettel wo, wenn die Box zur Auszählung umgekippt wird? Richtig, ganz unten. Von daher stelle ich mir jedes Mal vor, dass meine Stimme ganz am Ende das „Zünglein an der Waage“ ist. Deshalb kommt Briefwahl für mich überhaupt nicht in Frage. Bei einer Kommunalwahl ist das aber keine gute Idee, da alleine das Ausbreiten des 3,64 Meter breiten Wahlzettels in der Wahlkabine eine gewisse Zeit erfordert. Obwohl ich mir vorher extra einen Spickzettel mit meinen Kandidaten gemacht hatte, überforderten mich die 52 Kreuze zunehmend, während sich der Zeiger der Uhr unaufhörlich Richtung 18 Uhr bewegte. Als ich beim wilden Kumulieren und Panaschieren quer durch alle Parteien endlich fertig zu sein schien, fiel mir auf, dass man den Wahlzettel sogar noch weiter ausklappen kann. Plötzlich wurde es mir heiß und kalt zugleich. Ich hatte tatsächlich vergessen, die SPD aufzuklappen. Hektisch versuchte ich, die letzten Kreuze noch zu setzen, als plötzlich auch noch der Kugelschreiber in der Wahlkabine streikte. Kein Saft mehr in der Mine. War das etwa ein Zeichen? Da es mittlerweile 17.58 Uhr war, musste ich schnell handeln, um mein demokratisches Grundrecht noch rechtzeitig wahrnehmen zu können. Jetzt noch die 22,70 Meter zurück zu den Tischen mit den Wahlhelfern, einen Kuli holen, wieder zurück zur Wahlkabine, Kreuze machen, den Riesenwahlzettel zusammenfalten, in einen Umschlag packen, zurück zur Wahlurne rennen, Umschlag einwerfen – unmöglich, das in zwei Minuten zu schaffen, schließlich musste ich alleine für das mühsame Zusammenfalten des Wahlzettels mindestens eine Minute einberechnen. Jetzt musste ich im Sinne der Demokratie ganz schnell handeln. Also ritzte ich mir mit dem Kuli in meinen Oberarm und machte die restlichen Kreuze bei meinen Lieblingssozialdemokraten mit meinem eigenen Blut. Das war mir die SPD einfach wert. Wenn Sie sich also als Wahlhelfer beim Auszählen einer der allerletzten Stimmzettel gewundert haben, dass jemand extra einen Füllfederhalter mit roter Tinte für seine SPD-Kreuze benutzt hat. Das war das Blut von Bert Bims.

Ansonsten kann ich nur sagen:
Zum Glück ist das Wahlkampf-Brimborium vorbei und wir Satiriker wissen endlich, welche 52 Kandidaten wir zukünftig durch den Kakao ziehen dürfen. Zum Beispiel den Typen links von mir. Erst haben wir ihn monatelang mit „Herr Oberbürgermeister“ angesprochen, jetzt ist er der werte „Herr Stadtrat“. Auch Markus Trapp, der von Listenplatz 37 in die Top Ten der SPD hochgeschossen ist, war bisher bekannt als „Bojemääschder vun de Fischerwääd“, jetzt ist er ebenfalls Stadtrat. Vielleicht sollte man den Herren Englert und Trapp mal erklären, dass die nächsthöhere Karriereleiter nach Bürgermeister nicht Stadtrat, sondern Bundeskanzler ist. Aber das kann ja auch noch kommen, Jungs. Zukünftig mit einem Sitz im Wormser Stadtrat vertreten ist die Freie Liste Pfeddersheim, kurz FLP. Meine These ist ja, dass die Wähler/innen in der Hektik in der Wahlkabine einfach nur die FLP mit der FDP verwechselt haben. Das könnte zumindest erklären, wohin die fehlenden Stimmen der Liberalen verschwunden sind. Deshalb gehe ich fest davon aus, dass die FDP – als typische Unternehmerpartei – die FLP nach der Wahl einfach aufkaufen wird, bevor so eine Verwechslung noch einmal vorkommt. Und außerdem, Holterdiepolter, hat es auch die AfD in den Stadtrat geschafft mit ihrem Spitzenmann Ludger Sauerborn. Der war erst ein Grüner und ist jetzt bei der AfD. Dieser Wechsel ist natürlich nicht nur eine Frage der politischen Einstellung, sondern ebenso eine Stylingfrage. Ich persönlich finde das hellblaue AfD-Shirt passt viel besser zu ihm. Zusammen mit Sauerborns imposanten Bart und einem weißen Mützchen – fertig ist der Schlumpf. Vielleicht sollte man den Mann einfach als Flüchtlingsbeauftragten der Stadt Worms einsetzen, der neue Flüchtlinge mit seinem größten Hit begrüßt: „Sag mal, wo kommt ihr denn her?“

In diesem Sinne, bis zum nächsten Mal,
Ihr Bert Bims